Der Fluch der Betsy Bell
(Splendid film)
Mit dem Film Der Fluch der Betsy Bell, oder An American Haunting wie er im Original heißt, kommt ein neuer Vertreter der momentan so populären Gruselfilme.
Regisseur Courtney Salomon, der mir bisher nur durch den nicht so gelungenen Dungeons and Dragons ein Begriff war, liefert hier mit seinem aktuellen (und zweiten) Film einen wahrlich schaurigen Horrorfilm ab. Was Der Fluch der Betsy Bell so besonders macht, ist nicht der Punkt, dass man sagt, er beruhe auf Tatsachen (das sagte man auch schon bei Der Exorzismus der Emily Rose, und der in meinen Augen wirklich nicht spannend. Da war die deutsche Variante Requiem schon um Längen besser!), sondern eine gute Geschichte mit einem wirklich unerwarteten Ende, eine unglaublich gruselige Atmosphäre, hervorragende Special Effects und eine beeindruckende Kameraführung. Die Kamera arbeitet mit sehr langen Kamerafahrten, die den Zuschauer mitten in das Geschehen ziehen, und durch die subtile Wahl der Blickwinkel eine Sogwirkung erzielt. Teils scheint die Kamera schwerelos, teils übernimmt sie die Perspektive des Wesens, wechselt dann nahtlos auf den Blickwinkel der Protagonisten und das teils ohne einen sichtbaren Schnitt. Das Ganze wird dann durch einen hervorragenden Sound unterstützt, und schon sitzt der Zuschauer Nägel kauend auf dem Sofa.
Das Hauptdarstellergespann Donald Sutherland (Horrorfilm erprobt mit Salem´s Lot, Virus und Die Körperfresser kommen) und Sissy Spacek (Carrie, Ring 2 aber auch viele gute Charakterrollen) spielt professionell und gewohnt gut, aber der wahre Star ist die zu Drehbeginn erst 14 jährige Rachel Wood-Hurd, die die junge Betsy Bell spielt. Hatte sie ihre erste Rolle in einer Realverfilmung von Peter Pan, konnte man sie nach An American Haunting nun in Das Parfum bewundern. Die Rolle der Betsy Bell wird von ihr so beängstigend real gespielt, dass sie es schafft, alle anwesenden erfahrenen Charakterdarsteller locker an die Wand zu spielen.
Die Geschichte beginnt in der Gegenwart, wo man ein junges, gehetzt wirkendes Mädchen kennen lernt, die wie von Dämonen gejagt in ein Haus rennt. Ihre Mutter ist der Überzeugung, es handele sich hier um eine Phase von schlechten Träumen, als sie jedoch ein altes Tagebuch findet, und beginnt, es zu lesen, erkennt sie die Tragweite des Geschehens. Der Zuschauer erlebt hier einen Sprung in die Vergangenheit, und lernt die im Jahre 1818 lebende Familie Bell kennen. Vater John Bell hatte gerade den Prozess wegen Wucherei gegen eine als Hexe verschriene Dame verloren, welche ihn daraufhin trotzdem droht/verflucht. Seit diesem Tag häufen sich die mysteriösen Vorkommnisse im Hause Bell. Erst hört die Familie komische Geräusche, später kommen Erscheinungen und tätliche Angriffe auf die Familie, vor allem aber auf die Tochter Betsy Bell dazu. Die Familie ist ratlos, hinzu gerufene Fachleute wissen ebenfalls keinen Rat.
Der Fluch der Betsy Bell funktioniert als Horrorfilm genauso hervorragend wie als Drama! Sein Trumpf ist das gute Ensemble in Kombination mit einer fantastischen Atmosphäre, guten Sets und tollen Effekten. Die Veröffentlichung aus dem Hause Splendid film ist wie gewohnt von hoher Qualität.
Das Bonusmaterial der vorliegenden Special Edition besteht aus einem Doppel- DVD- Set. DVD 1 bietet dabei den Film in einer bestechenden Bild- und Tonqualität. Das Bild ist dabei fehlerfrei, aber der wahre Trumpf ist bei diesem Film der unglaubliche Sound. Da die unheimliche Stimmung in erster Linie auf das Soundgerüst zurückzuführen ist, ist es wichtig, dass der räumliche Klang realistisch und differenziert ausgeführt wird. Selten habe ich dies in so einer erschreckenden Präzision gehört, wie bei der vorliegenden DVD. Hier zuckt man bei jedem Donner, jedes kratzen und knarzen lässt einem eine Gänsehaut über den Rücken jagen. Perfekt!!! Als Bonus auf der ersten DVD liegt eine umfangreiche Trailershow vor. Den wahren Happen an Extramaterial findet man dann jedoch auf der zweiten Disc, welche neben vier alternativen Enden (wobei alle das original Ende nicht verwerfen, sondern ergänzen oder aus einer anderen Perspektive beleuchten), geschnittene oder erweiterte Szenen, ein Gespräch zwischen Regisseur Courtney Salomon und Hauptdarstellerin Sissy Spacek so wie ein kurzer Vergleich der verschiedenen Fassungen der Kutschen – Stunt – Szene und einer Erklärung des Regisseurs zu der Erstellung von An American Haunting und seiner Form des Vertriebs und der anschließenden Testvorführung vor einem Publikum, bestehend aus Angehörigen der damaligen Familie Bell.
Wer ein Freund von gut gemachten, schaurigen Gruselfilmen mit einem gewissen Anspruch, tollen Darstellern und einer inszenatorischen Dichte ist, der ist mit Der Fluch der Betsy Bell gut beraten. Hier ist einer der besten Vertreter des Genres gedreht worden, der es wirklich schafft, in allen Bereichen voll zu überzeugen!
CFS