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Mike (River Phoenix) und Scott (Keanu Reeves) leben auf der Straße und beide sind Stricher. Scott stammt aus einer wohlhabenden Familie und will seinem Vater eins auswischen. Mike dagegen kommt aus ärmlichen Verhältnissen, weiß nicht wer seine Eltern sind und leidet zu allem Überfluss an Narkolepsie, einer Krankheit, die anfallartig auftritt und ihm für einen längeren Zeitraum das Bewusstsein raubt.
MY OWN PRIVATE IDAHO erzählt nun von der magischen Odyssee der beiden Heimatlosen durch die Straßen Amerikas, auf welcher Mike verzweifelt versucht seine leibliche Mutter zu finden ...

MY OWN PRIVATE IDAHO ist Drama, Love-Story und Road-Movie zugleich.
Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf den zerbrechlichen, leicht verwundbaren Charakteren von Mike und Scott, welche von den hervorragenden Darstellern exzellent verkörpert werden. Besonders River Phoenix agiert als wäre ihm die Rolle auf den Leib geschrieben.
Die enge, aber fragile Beziehung, die zwischen den Protagonisten besteht, schwankt ständig zwischen Freundschaft, Liebe und Verliebtheit, was besonders für Mike zum Wechselbad der Gefühle wird.

Das Thema Homosexualität ist allgegenwärtig, steht aber nicht im Mittelpunkt. Da Homosexualität hier glücklicherweise nicht unnötig mit Perversion vermischt und auf den Geschlechtsakt reduziert worden ist, sondern hier mehr die Gefühle im Mittelpunkt stehen, wird auf sehr annehmbare Weise auch einem heterosexuellen Publikum der Facettenreichtum der gleichgeschlechtlichen Liebe beigebracht.
MY PRIVATE IDAHO erzählt also u.a. eine traurige Liebesgeschichte, wie sie kaum authentischer, feinfühliger und zerbrechlicher ausfallen könnte ohne dabei aber in schnulzigem Kitsch zu versinken ... und nebenbei sind die beiden Personen, zwischen welchen diese Liebesgeschichte abläuft, eben zwei Männer. Basta.

Handwerklich ist der Film ebenfalls ganz gut gemacht, auch wenn anscheinend nicht mit übermäßig großem Budget gedreht worden ist. Darsteller und Kulissen sind aber top, spektakuläre Kamerafahrten und Spezialeffekte werden einem hier aber nicht geboten, wären aber auch völlig fehl am Platz.
Allerdings spricht IDAHO eine durchaus ausdrucksstarke und gewandte Bildersprache, die einige Kuriositäten für den Zuschauer parat hat (eine Scheune, die vom Himmel fällt, sprechende Schwulen-Magazine ...)

Besonders beeindruckend sind hier, wie bereits oben erwähnt, die schauspielerischen Leistungen und die tiefsinnigen, gefühlsbetonten und philosophisch angehauchten Dialoge, die dem Streifen einen leicht poetischen Touch verleihen.
Sehr sehenswert sind auch die Auftritte von Udo Kier in der Rolle des deutschen, homosexuellen Freiers. Bei seinem Tanz mit dem Lampenschirm dürfte gewiss dem einen oder anderen ein fettes Schmunzeln übers Gesicht huschen.

Insgesamt also ist MY OWN PRIVATE IDAHO ein ruhiger, gefühlsbetonter Film, der weniger durch Spannung und Hollywood-üblichen Kitsch unterhält, sondern mehr auf Tiefgang, klasse Darsteller, feingezeichnete, zerbrechliche Charaktere und auf schöne Bilder setzt.
Und die Rechnung geht meiner Meinung nach voll auf.


Mein Fazit also:
Einer der besten Filme von Gus van Sant, für River Phoenix-Groupies ist der Streifen sowieso Pflichtstoff!
Fernab des Mainstreams und mit Hollywood-Massenprodukten nicht zu vergleichen!
... was will man mehr!?

Ansehen! Marsch!!!

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