Review

Poesie der Prärie

Aus einer Zeit in der Gus Van Sant noch ohne Einschränkungen als der heisse neue Shit am Regiefirmament galt: „My Own Private Idaho“ über zwei Stricher mit ganz besonderer Bindung, über das Leben und Lieben, die ewige Suche nach Zuneigung und Bestätigung. Auch über River Phoenix selbst irgendwie, selbst wenn das damals noch nicht ganz absehbar war. Sehr speziell, sehr ruhig, sehr melancholisch. 

Hörst du das Meeresrauschen…?

„My Private Idaho“ ist ein sehr verträumter (Road-)Trip. Sehr intim, sehr sensibel, sehr gefühlvoll. Gar nicht mal wirklich schwul, eher menschlich und tragisch. Mit Phoenix' Backstory um die wir nun wissen noch tragischer. Weite Prärien, fast manchmal ein Western. „Brokeback Mountain“-Vorläufer?! Zwischen Schlafanfällen und Traumata. Hübsche Männer, dunkle Ecken der Seele. Verletzlich und fragil. Nie allzu nah an der Realität und doch immer nachvollziehbar und greifbar. Nie zu surreal. Gus Van Sant bringt viel seiner audiovisuellen Reize aus seinen Musikvideodrehs mit. Der junge Keanu Reeves ist immer ein Argument. Jetzt muss ich unbedingt „Drugstore Cowboy“ nachholen, wenn der noch besser sein soll. Ein Film, der die Welt ein gutes Stück schöner macht. Man muss nicht alles verstehen - manches kann man einfach fühlen. Einlullend und doch mit zärtlichem Biss. 

Hab einen schönen Tag, River! 

Fazit: intim, lyrisch, umschmeichelnd, wunderschön - „My Own Private Idaho“ passt zu seinen Darstellern ideal und ist (wohl zusammen mit „Drugstore Cowboy“) Gus Van Sants absoluter früher Regiemoment, bei dem ein Rädchen ins nächste greift. Ein sensationeller und zertifizierter 90s-Classic! 

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