Review

Vorsicht: Spoiler!

Der Film beginnt mit einem Mord und wenn der Zuschauer nicht binnen 5 Minuten versteht, warum der Ermordete auf einmal wieder lebt,wird er den Film nicht verstehen.
Man muss schon früh durchschauen, dass die Handlung zwar chronologisch, aber rückwärts verläuft.
Schon früh wird klar, dass Guy Pearce unter Gedächtnisschwund leidet, genau genommen unter einer speziellen Art, bei der er zwar weiß wie er heißt, aber alles was er tut und seit seinem Unfall weiß innerhalb von 5 Minuten vergisst. Diesen, wie er es selbst nennt, "Zustand" hat er seit dem Vergewaltigungsmord an seiner Frau, deren Mörder er zu finden versurcht.
Die Idee, die Handlung rückwärts laufen zu lassen ist auch deshalb genial, weil der Zuschauer sich so, wie Pearce, nicht an das, was bereits geschehen ist erinnern kann und selbst das Gefühl bekommt, Gedächtnisschwund zu haben.
Im Laufe des Films findet er mehr und mehr Beweise und wird von mehreren Leuten aufgrund seiner Behinderung skrupellos ausgenutzt. Am Ende kommt heraus, dass seine Frau nicht mit Pearce` Zustand leben konnte und sich selbst getötet hat, was er verdrängte, indem er den Vergewaltigungsmord erfand und seit dem den imaginären Mörder seiner Frau jagt, weil diese Aufgabe für ihn der einzige Grund noch zu leben ist.
Die Idee, einen Film rückwärts laufen zu lassen klingt im ersten Moment krank und sinnlos, erweist sich allerdings als genial. Spannung kann nicht so effektiv aufgebaut werden, da der Zuschauer direkt am Anfang sieht, wie alles endet, wobei er natürlich darauf brennt, zu erfahren, wie eigentlich alles angefangen hat. Der Film fesselt trotzdem, da es zum einen sehr interessant ist, zu sehen, wie Guy Pearce mit dem Verlust seines Gedächtnisses klar kommt und zum anderen, da er wissen will, ob der Mann, den Pearce am Ende, also in der ersten Szene umbringt wirklich der Mörder seiner Frau ist.
Ein weiteres Gefühl, dass sich im Zuschauer aufzubauen beginnt, ist Mitleid mit Pearce, nicht nur, da er seine Frau verloren hat und weil er kein Kurzzeitgedächtnis hat, sondern auch, weil er von seinem vermeindlichen Freund, seinem Vermieter und einer Unbekannten schamlos ausgenutzt wird. Auch Pearce` Bewältigung des Todes seiner Frau ist tiefgründig und nicht nur oberflächlich dargestellt.
Es gibt zwei wichtige Nebenfiguren: Zum einen Teddy (Joe Pantoliano), der vorgibt, Pearce` bester Freund zu sein, diesen aber benutzt. Pantoliano, der selbst Polizist ist, weiß von Pearce` Zustand und scheint diesen dafür auch wirklich zu bedauern. Aus dem Gespräch am Ende des Films, also am Anfang der Handlung, lässt sich schließen, dass er Pearce schon mehrere Menschen hat töten lassen, die er für den Mörder seiner Frau hielt. Da Pearce mehrfach vergaß, dass er den Mörder bereits getötet hat, geht es dennoch weiter. Doch dann beginnt er seine eigenen Interessen zu verfolgen, so legt er die Spuren so, dass Pearce einen Drogendealer tötet, den Pantoliano nach dessen Tod um 100.00 Dollar erleichtern will. Dann erzählt er Pearce die traurige Wahrheit, dass sich seine Frau selbst getötet hat. Pearce will diese nicht wahr haben, weswegen er Teddy als neuen Mörder seiner Frau einsetzt, um diesen in Zukunft zu jagen. In der ersten Szene, also am Ende der Handlung tötet er diesen auch.
Die zweite Nebenfigur ist die mysteriöse und manipulative Natalie (Carrie Ann Moss). Der Drogendealer, der am Anfang getötet wird ist ihr Ehemann und da Pearce mit dessen Auto abhaut, lernt Natalie diesen kennen und wittert ihre Chance. Sie will, das Pearce ihren Freund Dodd tötet und will auch, dass Teddy stirbt, da sie weiß, dass dieser ihr und ihrem Mann auf die Schliche gekommen ist, da sie mit Drogen dealt, weshalb sie ihn entsprechend manipuliert. Darüber hinaus spielt sie mit seinen Gefühlen und macht sich über seine Behinderung lustig.
Die beiden Nebenpersonen sind wichtig für die Handlung und zeigen auf eine truaurige Art und Weise, wie behinderte und benachteiligte Menschen ausgenutzt werden können.
Die Szenen, die in schwarz-weiß verfilmt sind, tragen ebenfalls gut zur Handlung bei, so wird die Geschichte von Sami erzählt, sodass die am Ende des Filmes stattfindende Erklährung noch schockierender wirkt. Außerdem wird die Geschichte bereits im Mittelteil durch die Erzählungen über Sami tragischer und trauriger.
Die Darstellung von Guy Pearce als Hauptdarsteller ist voll und ganz überzeugend. Er spielt die Vergesslichkeit und Verwirrung perfekt, schafft es durch seine Ironie sogar, stellenweise für ein paar Lacher zu sorgen, ohne dabei Leute, die diese schwere Behinderung haben zu erniedrigen oder respektlos zu behandeln.
Carrie Ann Moss spielt die zwielichtige Natalie ebenfalls sehr gut, ist nicht leicht durchschaubar und schafft es so den Zuschauer wütend zu machen. Joe Panoliano spielt ebenfalls sehr gut und auch ihm gelingt es, zwielichtig und gemein rüberzukommen, was vor allem aus seinem schrägen Humor und seinem respektlosen Umgang mit Pearce resultiert. Trotzdem ist er der beste Freund, den Pearce hat, wenn er denn überhaupt Freunde hat, oder haben kann.
Zusammenfassend ist Memento wegen seiner einzigartigen Handlung und seinem unnacharmlichen Stil einer der besten Filme überhaupt und schon heute Kult. Die starken Darsteller spielen tiefgründige und interessante Charaktäre in einer rückwärts verlaufenden Handlung, deren verschiendene Stränge kunstvoll, logisch und genial miteinander verknüpft sind. Wer allerdings nicht verstanden hat, warum Vincent Vega in Pulp fiction auf einmal wieder auftritt, obwohl er gerade erschossen wurde, oder warum Bruce Willis sich in 12 monkeys selbst sterben sieht, sollte von diesem Film besser die Finger lassen, da der Erzählstil anstrengend und kompliziert und die Handlung komplex ist.

Details
Ähnliche Filme