B-Actionfilme, in denen tödliche Spiele zum Amüsement dekadenter Schaulustiger abgehalten werden, gibt es immer wieder und „No Exit“, hierzulande „Knock Out“ betitelt, fügt den Formel nichts Neues hinzu.
Veranstalter des barbarischen Treibens ist Houston Armstrong (Richard Fitzpatrick), der am Rande des arktischen Kreises in Kanada ein Fernsehprogramm namens „No Exit“ betreibt. In Mischungen aus Hetzjagd und Gladiatorenkampf müssen die Kontrahenten einander töten, gut zahlende Voyeure dürfen das Programm empfangen. Die Teilnehmer werden via Entführung zwangsrekrutiert. So erklärt die fragmentarische Einleitung, bei der Regisseur Damian Lee diverse, später im Film kommende Szenen zusammenschnipselt, wodurch das Treiben erst mal schwer verständlich wird.
John Stoneman (Jeff Wincott) ist Selbstverteidigungsexperte und Uni-Professor, der in seinen Kursen aber Gewaltvermeidung und Deeskalation predigt. Diesen Ansatz zieht „No Exit“ auch voll durch, immer wieder wird gepredigt, dass man doch friedvoll sein soll. Natürlich versucht man alle Situationen, in denen es dann aufs Maul gibt, moralisch zu rechtfertigen, z.B. als ein paar üble Typen Johns Frau angreifen und schwer verletzen.
Die Sache kommt in die Nachrichten, Armstrong wird auf John aufmerksam und lässt ihn kidnappen. Doch John denkt gar nicht daran, sich dem Willen des fiesen Senderchefs unterzuordnen und versucht „No Exit“ zu kippen...
Was einen guten B-Actioner von einem nicht so guten unterscheidet, ist (neben der Actionmenge) die Fähigkeit einen brauchbaren Spannungsbogen zu fabrizieren – was „No Exit“ leider kaum gelingt. Das sehr an Filme wie „Running Man“ und „Fortress“ angelehnte Szenario reiht einfach die Szenen aneinander, egal ob Kampfszene, Moralpredigt in der Gefangenschaft oder Überlegungen, wie man gegen Armstrong ankommt. Dabei kommt nie wirklich Spannung auf, selbst etwas wichtigere Charaktere werden so nebenher gekillt. Klischees dürfen in dem Treiben auch nicht fehlen, da ist der degenerierte Champ der Kämpfe, der junge Sidekick, der keine Chance hat usw.
Richtig eklatante Längen hat „No Exit“ dabei zwar nicht, aber er verschenkt Potential, was schade ist. Das Szenario ist nett in Szene gesetzt, der Titelsong ist für B-Verhältnisse recht gut und Damian Lee inszeniert ganz ordentlich, wenngleich seine Versuche ungewöhnlich zu filmen teilweise etwas kurios aussehen, z.B. wenn im Film zigmal bei einer Überblendung noch ein Bildschirm mit Bildstörung gezeigt wird oder die seltsame Parallelmontage, wenn man Johns Frau attackiert.
Auch die Action kann da teilweise nur etwas reißen. Angesichts der moralischen Prämisse wird auch weniger rabiat vom Helden durchgegriffen und auch die Actionmenge ist nicht übermäßig hoch. Die Fights sind leider nie sehr ausufernd, doch stets ordentlich choreographiert und ansprechend gefilmt, sodass es nur an der Quantität, weniger an der Qualität fehlt. Für ein Genrehighlight sind die Kämpfe allerdings nicht spektakulär genug, zumal sich die Spielchen leider etwas wiederholen (große Auswahl scheint das „No Exit“-Programm den Zuschauern nicht zu bieten). Der Härtegrad ist auch in der ungekürzten Fassung recht moderat, weshalb von den deutschen Versionen Abstand nehmen sollte – zumal diese anscheinend noch versuchen den Film als Sci-Fi-Action zu verkaufen, obwohl davon im O-Ton nie die Rede ist.
Jeff Wincott spielt und prügelt sich ganz ordentlich durch das Geschehen, den Uniprof nimmt man ihm zwar nie zu 100% ab, aber er ist doch solide. Sven-Ole Thorsen als übler Schlagetot ist ebenfalls ganz OK, Richard Fitzpatrick als fieses Mastermind hingegen kann nie das Charisma der Vorbilder aus ähnlich gelagerten Filmen erreichen. Ansonsten bleibt das Ensemble recht unscheinbar.
Alles in allem ist „No Exit“ solide gemacht, aber es mangelt an Action und einem vernünftigen Spannungsbogen. Die meist ordentliche Inszenierung und die vorhandenen Kampfszenen hieven den Film dann noch ins Mittelmaß, aber ähnlich gelagerte Filme wie „Running Man“ oder „Jungleground“ machen doch mehr her.