Manchmal packt mich die Sehnsucht nach diesen alten Gruselstreifen, ganz ohne schrille Inserts und Fulci-Gore, sondern mit angestaubten Studiokulissen, aber MARKANTEN DARSTELLERN:
Vincent Price war vor allem in den 60ern ein gern gesehener Akteur bei Roger Corman.
Boris Karloff gab dem Frankenstein-Monster eine einprägsame Gestalt.
Peter Lorre war immer der bemitleidenswerte Verbrecher und
Basil Rathbone der bester Sherlock Holmes-Darsteller überhaupt.
Diese vier gaben sich bei „Ruhe Sanft GmbH“ ein Stelldichein der komödiantischen Art.
Vincent Price glänzt hier in der Rolle des Trumbull, skrupelloser Chef eines Bestattungsunternehmens, welches rote Zahlen schreibt. Er ist ständig betrunken und schikaniert ganz offen seine Frau Amaryllis, die sich für eine große Opernsängerin hält.
Auch seinen Assistenten Gillie (Peter Lorre) macht er in jeder Situation nieder, doch eines Tages steht Vermieter Black (Basil Rathbone) vor der Tür und will die Miete eines ganzen Jahres haben. Nichts liegt also näher, als Black um die Ecke zu bringen, um zwei Fliegen „mit einem Kissen zu ersticken“. Doch dieser Black ist einfach nicht tot zu kriegen…
Das Zusammenspiel der großartigen Darsteller ist ein einziger Spaß, der viele Schwächen des dünnen Scripts ausbügeln kann.
Price auf Selbstironie angelegtes Mienenspiel gibt häufig Anlass zum Schmunzeln, aber auch Lorre ist in seiner letzten Rolle als dicker, unbeholfener Assistent richtig gut. Dazu kommt Boris Karloff, der als seniler Opa rein gar nichts mehr mitbekommt und ein eleganter Basil Rathbone, der für sich Shakespeare inszeniert und einfach nicht ableben will („Wollen sie wohl so freundlich sein, endlich abzukratzen!“).
Schwarzer Humor und unverhohlener Sarkasmus durchziehen diese mit leichtem Slapstick angereicherte Komödie. Dazu einige Running Gags, wie der ständige Vergiftungsversuch von Price an Karloff oder Peter Lorre, der den Namen seines Chefs nicht korrekt aussprechen kann und das nicht merkt.
Hinzu kommen spitzfindige Dialoge, wunderbare Situationskomik mit leichtem Overacting der Darsteller und eine trullige Musik von Les Baxter.
Herrlich anzusehen, wenn Joyce Jameson als verkannte Opernsängerin ein paar richtig schräge und schrille Töne von sich gibt, was der Katze Cleopatra deutlich anzusehen ist.
Die alten Studiokulissen, die bereits bei „Lebendig begraben“ verwendet wurden, geben dem flockigen Treiben einen typischen Corman-Touch und auch die Katze, die immer mal wieder im Bild auftaucht, erinnert stark an alte Poe Verfilmungen. Hier sei insbesondere der Abspann erwähnt.
Minimale Ausstattung, große Wirkung: So fühlt man sich häufig wie in einem Theaterstück, welches sich voll und ganz auf seine Akteure konzentriert und das mit Erfolg.
Vier großartige Darsteller verhelfen dieser makaberen Gothic-Komödie zu einem Spaß, der ohne diese nur ein laues Erlebnis wäre.
7,5 von 10 Punkten