Im Jahr 1964 ging die erfolgreiche Serie von Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen allmählich auf die Zielgerade, doch mit "Satanas - das Schloß der blutigen Bestie" blieb noch ein kleiner Höhepunkt in Sachen ernsthafter Natur übrig, nachdem Filme wie "Der grauenhafte Mr.X" und "The Raven" eher den Lachmuskel angeregt hatten.
"Satanas" ist die Umsetzung der Kurzgeschichte "Die Maske des roten Todes", einer gerade mal zwölfseitigen Geschichte im Märchenstil ohne echten Dialog, so daß es schon größerer Anstrengungen bedurfte, diese Story für die Leinwand in ein passendes Format zu fassen. Die simple Anklage über die Dekadenz und den Egoismus bzw. die Grausamkeit der Reichen wurde im Filmformat entsprechend erweitert und mit positiven Figuren ergänzt, so daß dem Film tatsächlich mehr Substanz zugute kam.
Weil das aber immer noch nicht reichte, warf man noch eine weitere Geschichte Poes, den "Hüpffrosch", über die Rache eines deformierten Zwergs an seinen Peinigern, in den Topf, die sich in die Story durchaus gut einpaßte.
Die Autoren gaben dem grausamen Prinzen Prospero zunächst mal mehr Tiefe und erweiterten seine dekadente Figur zu einem vielschichtigen Satanisten, der den Prunk und die reichen Freunde aka Speichellecker genauso verachtet wie alles Schöne und Gute und simpel alles verhöhnt, quält und in den Schmutz zieht, solange es seinen Zielen, dem Teufel zu dienen lohnt. Dabei zeigt er aber eine gewisse Ambivalenz und ist durchaus in der Lage, auch die anderen Prinzipien (wie z.B. der Kirche und des christlichen Glaubens) nachzuvollziehen, um sie dann zu pervertieren oder zu verderben.
Vincent Price ist mit dieser Rolle in absoluter Hochform, denn so kommt er an einen außerordentlich vielschichtigen Charakter, dem er viele unterschiedliche Nuancen im Spielen abgewinnen kann, von freundlichem Amusement bis zu satanischem Hass.
Dagegen können die Widerparts des "Guten" nur blaß aussehen und der jugendliche Gino, der um seine Braut Francesca kämpft, ist dann auch dementsprechend schwach gezeichnet und in der Geschichte eigentlich absolut ineffektiv.
Wenig Gutes kann man auch über das Gschpusi von Paul McCartney, Jane Asher, sagen, die als Francesca wenig mehr zu geben hat, als die fortwährende Erschütterung ihrer unschuldigen Naivität, bis sie sich dann irgendwann in ein emotional abgestumpftes Etwas verwandelt.
Ungleich besser, aber irgendwie neben den Plot besetzt, die gute Hazel Court, die als teufelshörige Erstbraut Prosperos ständig einem Dämonenidol huldigt und unter Drogeneinfluß immer wieder ihre rituelle Tötung durch Schwarzmagier unterschiedlicher Stämme durchlebt - übrigens eine interessante Traumsequenz mit außerordentlich schönen Bildern.
Von Poes Geschichte blieb der Kern mit dem Prinzen, der sich vor der Seuche, der Pest (dem roten Tod) versteckt und mit Freunden feiert, bis er angesichtig wird, daß er sich davor nicht entziehen kann, wobei der Prospero des Films die Anwesenheit des roten Todes am Schluß jedoch herbeisehnt, weil er sich bei ihm am Ziel seiner Wünsche wähnt. Der Horror für ihn entstammt nicht dem Sterben an sich wie bei Poe, sondern dem Nichts und dem Vergessen, das auf ihn wartet.
Das visuell einprägsamste Stilmittel aus Poes Story (das kein Leser eigentlich je vergißt), ist die farbige Zimmerflucht, in denen das Fest stattfindet samt einer großen Standuhr, jedes Zimmer in einer anderen Farbe dekoriert (blau, purpur, grün, orange, weiß, violett und schwarz mit blutroten Fenstern). Von diesem Mittel macht Corman nur bedingt Gebrauch, präsentiert aber vier Zimmer (weiß, blau, gelb und das finale schwarz/rot), die jedoch im Film nur bedingt Funktion erhalten und nicht atmosphärisch gut ausgenutzt werden.
Dafür visualisiert er einen einprägsamen Totentanz, mit dem die Seuchenopfer am Ende den entsetzten Prospero begrüßen, bevor sie alle tot zu Boden sinken - eine Sequenz, in der übrigens endlich mal nicht auffällt, daß es im Grunde viel zu wenig Statisten in diesem Film gibt.
Ansonsten profitierte der Filmemacher von einem größeren Budget, Räumlichkeiten aus anderen Produktionen und längerer Drehzeit und schuf so einen seiner atmosphärischsten und versponnensten und damit andersweltlichsten Filme, der wirklich für sich stehen kann. Er wirkt künstlich, riecht also nach Studio, aber so verfremdet, das es einem nie wirklich unangenehm auffällt. Wahrhaftig gut eingesetzt (neben der sehr grausamen Hoppfrosch-Story, die in allen Einzelheiten eingebaut wird) ist auch die Verkörperung der Seuche selbst, die als rot bekutteter Mönch auftritt, bis in einer geradezu genialen Schlußeinstellung eine ganze Reihe dieser Kuttenträger sich auf einem nächtlichen Hügel versammelt, um von ihren "Erfolgen" zu berichten, ähnlich wie die apokalyptischen Reiter in einer geradezu shakespearschen Atmosphäre.
Sicherlich wirkt einiges umständlich und der mühsam integrierte Plot um das seelische Wohl und Wehe von Francesca hält eher auf, als das er unterhält, aber Price reißt immer wieder unnachahmlich die Szenen an sich und erfüllt sie dann dankbarerweise mit dämonischen Monologen. Insofern ein kleiner, intensiver Erfolgsfilm. (7/10)