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David Lynch hat einen würdigen Nachfolger !
Philip Ridley heißt der Mann der mit „Schrei in der Stille“ ein grandioses –aber unverständliches- Meisterwerk im David Lynch-Stil ablieferte.
Es geht um die Ermordung von Kindern, die der kleine Seth Dove mit einer in der Nachbarschaft wohnenden Frau in Beziehung setzt von der er denkt, sie sei eine Vampirin. Bevor sein (verstrahlter) Bruder Cameron (dargestellt von Viggo „Aragorn“ Mortensen) aus dem Pazifikkrieg wiederkehrt, begeht sein beschuldigter Vater Selbstmord.
Der Film fällt neben seiner ausgefeilten und plastischen Bildsprache durch seine beklemmend-eindringliche Musik auf, welche dem Film eine unbehagliche Stimmung verleiht. Es gilt ebenso die Metaphorik des Geschehens zu entschlüsseln wie den Einsatz religiöser Motive (Wiedergeburt als Engel, schwarze Kleidung und schwarze Haare der Hauptfigur).
So könnte man die Kommunistenhatz der Mc-Carthy-Ära ebenso in den Film hineininterpretieren wie eine menschliche Tragödie biblischen Ausmaßes als Bestrafung für die Sünden des Individuums.
Ebenso wie bei David Lynch gibt es auch hier seltsame Gestalten, wie ein murmelndes, schwarz gekleidetes Zwillingspaar, das den Weg des kleinen Seth kreuzt.
Während David Lynch aber anscheinend primär auf die Verwirrung der Zuschauer aus ist (aufgrund permanenter Unlogik), scheint Philip Ridley sein Publikum zum Denken anregen zu wollen und so wirkt „Schrei in der Stille“ frischer als jedes „Identitäts-Tohuwabohu“ im Gedankenlabyrinth des David Lynch.
Das Finale – was hier natürlich nicht verraten wird – ist so eindringlich und bildkompositorisch genial inszeniert, das selbst abgebrühtesten Filmfans eine Gänsehaut überkommen dürfte. Um den Film interpretieren zu können benötigt der Zuschauer eine dauerhafte Aufmerksamkeit, was den Film zu einem Erlebnis macht. Ein paar Längen fallen dabei kaum ins Gewicht.
Ein Film für Intellektuelle, die David Lynch (ebenso wie ich) satt haben und mal einen logischen „Interpretationsfilm“ sehen wollen. Daher 8 von 10 Punkten.

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