Was wäre, wenn bei „Deutschland sucht den Superstar“ statt Dieter Bohlen Angela Merkel sitzen würde?
Diese Situation postuliert „American Dreamz“ – eine Art Möchtegern-Satire von „American Pie“-Regisseur und Produzent Paul Weitz.
Der Titel des Films ist auch gleichzeitig Titel der meistgesehenen Show Amerikas, einer Castingshow wie weilend „American Idol“ oder „DSDS“! Die unendlich gelangweilten Zyniker und Showmaster Martin Tweed kommt die Gelegenheit mit dem Präsidenten günstig, gelten doch in dieser Staffel ein Iraki und eine White-Trash-Göre als Favoriten.
Und das wiederum gefällt einer Gruppe irakischer Terroristen…
„American Dreamz“ startete mit Vorschußlorbeeren und versank an der US-Kinokasse wie ein Stein – dafür sind viele Deutungen möglich, vielleicht auch, dass man dem Irakkrieg und einem unfähigen Präsidenten keine lauen Scherze treibt.
In Deutschland werden das vielleicht ein paar Leute mehr lustig finden, aber gelungen ist „American Dreamz“ deswegen noch lange nicht.
Satire lebt nun mal von Verfremdungen der Realität, nicht von der leichten Übertreibung bestehender Zustände.
Daß ein ganzes Volk vor einer dementen Castingshow in die Knie geht, ist ja selbst uns ein Begriff, mag sie auch noch so schlecht und blöd sein. Und dass man mit Gewalt die beknacktesten Typen auswählt, weiß Deutschland spätestens seit Daniel Küblböck.
Gleichzeitig ist es nicht sonderlich originell, einen weder sonderlich intelligenten, noch besonders motivierten Präsidenten zu zeigen, der im trauten Oval Office rausläßt, dass er den Job nur übernommen hat, weil sein Vater (ebenfalls Präsident) mal gesagt hatte, das könne eh jeder Idiot. Ein Präsident, der von seinem Stabschef per Ohrstecker die richtigen Sätze gesagt bekommt, weil er eigentlich ein trauriger Depp ist und der früher ein Alkoholproblem hatte.
Das ist so GWBjr., dass es schon keinen Spaß mehr macht, genauso wie die bis in die tiefste Seele verinnerlichte rücksichtslose Karrieregeilheit einer Mandy Moore, inzwischen an jeder Straßenecke lauert.
Wenn dann auch noch der jugendliche Schläfer, dem American Way of Life (und seiner Musik) willentlich verfällt und er und seine bösartigen Kontaktleute als alberne Komparsen gezeigt werden, dann ist das zwar bisweilen recht lustig, aber weder bissig, noch satirisch.
Dennis Quaid liefert dennoch eine wunderbare Leslie-Nielsen-Performance an Begriffsstutzigkeit ab, Willem Dafoe ist ein herrlicher Stabschef (nur von einem Haarkranz umkrönt), der immer wieder der Fassungslosigkeit preisgegeben wird, Mandy Moore spielt sich selbst am besten und Hugh Grant fehlt immer noch eine Rolle, die ihm ein bisschen mehr abverlangt, als alles was er seit „Vier Hochzeiten…“ gespielt hat – hier immerhin mit einer Prise mehr Arschloch.
Hier und da werden auch mal nette Spitzen verteilt, aber ansonsten lacht man über absehbare Scherze, die aber von Weitz mit Sinn für Timing gesetzt werden. Insofern: amüsant, über die volle Laufzeit.
Ich möchte den Versuch gutheißen, denn der Film liegt ein bisschen über Blockbusterniveau, jedoch ist dies Beinahe-Satire für „Bild“- und „DSDS“-Generation, ohne längere Halbwertzeit.
Selbst wenn sich das Volk in diesem lauen Lüftchen wieder erkennen sollte, hat das nicht genug Säure, um nicht zweifelsohne sofort eine Entschuldigung zu finden, die nächste „Popstar“-Staffel wieder zu gucken und CDU oder Republikaner zu wählen.
Sensationsgeilheit kann so nicht bekämpft werden, dafür kommt die Umsetzung dieser Idee 10 Jährchen zu spät (6/10)