Review

Sprechen die Splatterfans von der "Freitag der 13te"-Reihe, dann rauscht es im Blätterwald, die Epigonen oder Begleitfilme bleiben meistens ein bißchen außen vor, obwohl sie qualitativ teilweise viel besser waren (zumindest in den ersten Jahren, als die Filme noch in die Kinos kamen, anstatt auf Video sofortverramscht zu werden).
Was "The Burning" aka "Brennende Rache" angeht, handelt es sich um ein passendes Beispiel, denn der Slasher mit der großen Heckenschere war ein talentierter Begleitgänger für die erste "Friday"-Fortsetzung um 1981 herum, als Jason Vorhees noch im langsamen Ikonenwuchs begriffen war - und im Vergleich ist es tatsächlich der deutlich bessere Film.

Inhaltlich ist es klassische Standardware, die man wohl als unabhängiges Team beim Friday-Original halb abgeschrieben hatte, denn auch hier geht es um das Feriencamp in freier Natur, in dem es umgeht, dazu der Killer, dessen Vergangenheit mit den Insassen des Camps verknüpft ist. Namentlich ist dies Cropsy, der Hausmeister, der vor gut zwölf Jahren nicht eben der beliebteste Angestellte war, was genau er alles getan und getrieben hat, bleibt jedoch im Dunkeln. Offenbar war seine soziale Ader bezüglich der Jugendlichen aber nicht sonderlich gut ausgebildet, denn man bereitet gleich zu Beginn einen finsteren Streich mit einem wurmstichigen Leichenkopf vor, der dazu führt, daß sich der gute böse Mann in Panik halb eigenhändig in Brand steckt. Als lebende Fackel recht aktiv landet er kurze Zeit später auf der Intensivstation, weigert sich aber, abzutreten und wird zwölf Jahre später nicht eben schöner entlassen, was eine Prostituierte kurz darauf erfahren muß, die unliebsamen Kontakt mit seinem Schneidewerkzeug macht (warum jetzt ausgerechnet die Schere bleibt ungeklärt, macht sich aber wohl großartig als Plakatpose).
Kurz darauf ist er "back to camp" und meuchelt sich nach angemessener Vorlaufzeit durch Betreuer und Jugendliche, was ja als Plot bekanntlich immer gut ausreicht.

Nichts Neues also, natürlich gibt es auch hier die internen Querelen zwischen den Betreuern, speziell der leicht verklemmte Alfred hat da so seine Schwierigkeiten, weil er a) keine Freunde hat, b) keine Freundin und c) das ein wenig mit Spannen kompensiert, obwohl er sonst ganz nett sein mag. Ein Kanuausflug sorgt dann für die nötige Isolation und als dann im Unterholz mal eine Runde gerammelt werden soll, kommen die Klingen zum Einsatz.
Die ersten 45 Minuten sind also erfahrungsgemäß eher gemäßigt zum Charakteraufbau, allerdings vermeiden (wie in vielen frühen Slashern) die Figuren die ganz depperten Handlungen und sind nicht alle total sexfixiert, so daß die gute Kameraarbeit, die schönen Farben, die guten Naturaufnahmen und die unvermeidlichen POV-Shots aus Killersicht standadisierte Qualitätsware produzieren.

In der Folge gibts dann auch nicht die berühmt-berüchtigte Endlosmeuchelei - allein dafür gibt es zu viele potentielle Opfer - sondern eher eine Überraschungskills, bei denen man eben nicht ständig vorher weiß, wen es als nächsten erwischen wird und gleich die Hälfte des 10köpfigen Bodycounts beißt mittels einer einzigen Angriffssequenz ins Gras (bzw. Kanu).
Die hat dann auch gleich noch Geschichte gemacht, denn die Effekte Tom Savinis erschienen anno 1981 wohl noch als erhelblich drastisch, wenn sich Scherenklingen in Körper bohren. Meuchelt man dann fünf Teenager auf einmal, dann ist das schon mal einen Toast wert - oder eine kleine Schnittorgie seitens des Verleihs.
Rückblickend ist "The Burning" aber nicht halb so hart oder sensationell, wie es immer betont wird, selbst das Fünffachmassaker kommt mit vielen kleinen, aber nicht so exponierten Schnitten aus, in denen man öfter das Ergebnis sieht und seltener den Mordprozess, denn ist der Gewaltausbruch an dieser Stelle doch recht graphisch, obwohl lange und visuell wie musikalisch auffällig vorbereitet.

Was den Film im letzten Viertel dann noch über andere Produkte der Feriencampmachart hebt, ist die finale Auseinandersetzung zwischen dem Killer und seinem letzten Opfer, daß diesmal kein Mädchen sondern ein Junge ist, nämlich speziell Alfred, der dann noch Hilfe von Anführer Todd bekommt; ein suspensereiches Katz- und Mausspiel, daß in den Ruinen einer alten Mine stattfindet, die als Location geradezu idealtypisch erscheint. Da bekommt der Slasher also den nötigen Thrill endlich mal durch Spannung und nicht durch einen sich stapelnden Leichenberg und weil die handelnden Figuren nicht ganz so ärgerlich dumm und flach sind, macht das auch Spaß. Einen Bezug zu dem fatalen Startstreich gibt es am Schluß dann auch noch, aber das dient eher zur erzählerischen Abrundung.

Mit im Cast sind übrigens ein paar Namen, die später durchaus zu Ruhm und Anerkennung kamen: "Seinfeld"-Star Jason Alexander gibt den eher massigen Betreuer mit Humorpotential (ausnahmsweise mal unpeinlich), Holly Hunter hampelt etwas als kleines Blondchen durchs Bild und "Nummer 5"-Star Fisher Stevens ist auch mit im Boot, wichtig ist aber der geheimnisvollen Cropsy, dessen verbranntes Äußeres man erst in den letzten Minuten richtig zu sehen bekommt und der tatsächlich aussieht wie der böse Lebkuchenmann aus dem Märchen.
Insofern ist "The Burning" ein durch und durch solider und guter Slasher, der eben nur halb so brutal ist, wie er immer erhoben wird, der aber dennoch einige stichhaltige Szenen beinhaltet, dessen Qualitäten aber jenseits des Bodycounts liegen. (6/10)

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