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„Ich möchte nicht so leben wollen wie dieser Krüppel!“

Nach dem Erfolg des Camp-Slasher-Archetypen „Freitag der 13.“ von Sean S. Cunningham versuchten sich auch andere an der Thematik; eines der populärsten Beispiele ist „Brennende Rache“ alias „The Burning“ des Regisseurs Tony Maylam, der zuvor lediglich mit einem Abenteuerfilm in Erscheinung trat. „Brennende Rache“ ist einer der ersten Filme der Vertriebs- und Produktionsfirma „Miramax“ und kam 1981 kurz nach der ersten „Freitag der 13.“-Fortsetzung in die Kinos.

Der Aufseher des Ferienlagers „Camp Blackfoot“, der von allen nur Cropsy (Lou David, „Der Exterminator“) genannt wird, ist ein echter Stinkstiefel und dementsprechend unbeliebt bei den Kindern und Jugendlichen. Eines Tages fällt er einem Dumme-Jungen-Streich zum Opfer und verbrennt bei lebendigem Leibe. Schwerstverletzt kommt er ins Krankenhaus, muss sich dort als Penner bezeichnen lassen, wird aber tatsächlich wieder aufgepäppelt und kann nach fünf Jahren das Hospital verlassen. Er hat jedoch nur noch einen Lebenssinn: Blutige Rache zu nehmen... Kurz nach seiner Entlassung wird das „Camp Stonewater“ von einer grausamen Mordserie überrollt.

„Brennende Rache“ ist ein recht dreistes „Freitag der 13.“-Plagiat, das allerdings vieles richtig macht: So gelingt es Regisseur Maylam und den Autoren, darunter Produzent Harvey Weinstein, spielend, die Sommer-Camp-Atmosphäre zu reproduzieren inkl. aller Klischees wie jugendlichen Albereien und anzüglichen pubertären Gesprächen, typischen Teenie-Problemchen, düsteren Lagerfeuergeschichten, Nacktbaden im See, Sex im Wald etc. Der Genre-Skeptiker verdreht entnervt die Augen, der Slasher-Fan frohlockt und wird prima unterhalten. Dieser wird sich auch an den blutigen Spezialeffekten Tom Savinis erfreuen, womit „Brennende Rache“ beispielsweise vor Subgenre-Kollegen wie „Graduation Day“ aus demselben Jahr die Nase von hat.

Der Prolog zeigt bereits die Vorgeschichte in Gänze. Nach den Eröffnungsangaben sind fünf Jahre vergangen und Cropsy sucht zunächst eine Prostituierte auf, um diese zu meucheln, bevor er das Ferienlager heimsucht. Dort entkommt das erste Mädel noch knapp dem Tod durch Cropsys Heckenschere, die er als bevorzugtes Mordwerkzeug auserkoren hat. Die erste Hälfte des Films vergeht ansonsten mit ein wenig Oben-ohne, Vorstellung der Aufseher und einiger Besucher, ganz vorn dabei: Mobbing-Opfer Alfred (Brian Backer, „Police Academy 4... und jetzt gehts rund“), der nicht schwimmen kann, aber gern mal nackte Tatsachen bespannt, und sein Widersacher, ein stupider Muskel (Larry Joshua, „In der Stille der Nacht“), der es permanent auf ihn abgesehen hat, sowie besagter Lagerfeuergeschichte, die den Prolog noch einmal Revue passieren lässt, Cropsy als alkoholkranken, sadistischen Verwalter beschreibt und in einen False Scare mündet. Außerdem kommen sich die Aufseher Todd (Brian Matthews, „Herr der Fliegen“) und Michelle (Leah Ayres, „Kopfjagd“) nach einiger Zeit näher. Der erste Mord im Camp geschieht erst nach 46 Minuten.

Dann jedoch nimmt „Brennende Rache“ wieder an Fahrt auf, zelebriert ein saftiges Massaker während einer Floßtour, weitere brutale, blutige Morde und hochwertige Savini-SFX. Szenenübergänge werden ab und zu passenderweise in ein tiefes Rot getaucht. Im Finale, das quasi Außenseiter gegen Außenseiter aufeinander hetzt, erkennt Cropsy einen seiner Peiniger wieder und geht mit einem Flammenwerfer auf ihn los, womit sich der Feuerkreis schließlich schließt. Das Besondere an „Brennende Rache“ ist, dass der Täter von vornherein feststeht, auf ein Whodunit? also verzichtet. Durch die Aufdröselung der Hintergründe bereits im Prolog nimmt er sich selbst die Chance, Spannung aus Fragen nach Täter und Motiv beziehen zu können. Dennoch sieht man den Täter bis zum Finale nie, dann und wann wird auch genretypisch auf die Point-of-View-Perspektive zurückgegriffen. Dies geschieht in erster Linie, um Spannung aus der Verschleierung seines entstellten Äußeren zu erzeugen – was auch gelingt. Des Weiteren fallen die sonnendurchfluteten Sommerbilder auf, die im Gegensatz zu den Vorbildern des Films auf sämtliche Regen- und Gewittereinlagen verzichten, zumindest ein Klischee also aussparen. Erwähnenswert auch die tolle musikalische Untermalung Rick Wakemans, der hochfrequentiöse Synthesizer-Klänge beisteuerte. Meines Erachtens ist „Miramax“ mit „Brennende Rache“ eines der unterhaltsamsten „Freitag der 13.“-Rip-Offs gelungen, das charmantes, blutiges Entertainment des schlechten Geschmacks im Camp der Klischees bietet und während der Hochphase des Stalk'n'Slash-Kinos dazu beitrug, diese liebgewonnenen Allgemeinplätze zu verfestigen. Im Schauspielerensemble finden sich übrigens einmal mehr Namen, die später zu noch größerem Ruhm als der Teilnahme an diesem Film gelangen sollten: Holly Hunter („Das Piano“) und Jason Alexander („Seinfeld“) übernehmen Nebenrollen.

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