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Entstanden in der Hochphase des Slasherfilms irgendwo zwischen den ersten beiden Auftritten von Jason Voorhees, wurde "The Burning" schnell begraben und hatte gar nicht erst die Gelegenheit, sich wie "Freitag, der 13." oder "Halloween" zu einer Marke zu entwickeln. In der damaligen Wahrnehmung handelte es sich um eine stumpfe Kopie des Genreklassikers von Sean Cunningham. Und auch wenn das Skript in Wahrheit bereits existierte, bevor die Welt von Camp Crystal Lake erfuhr, so kann man es niemandem verdenken, bei einem irren Killer in einem "Camp Blackfoot" ein schamloses Rip Off zu vermuten.

Auch heute zeigt sich auf den ersten Blick wenig, was ausgerechnet diesen Vertreter aus der Masse seiner Artgenossen herausragen ließe, die sich zu jener Zeit in den Wäldern und Vorstädten Amerikas gegenseitig auf die Füße traten. Weder versucht er sich an einer frühen Metabetrachtung des nach klaren Regeln strukturierten Genres (wie "Der Umleger"), noch hat er ein besonders ungewöhnliches Setting zu bieten. Stattdessen gibt es Lagerfeuergeschichten, Bullies und Außenseiter, giggelnde Mädchengruppen und Nacktbaden im See. Alles eingebettet in das von der Verschwiegenheit des Waldes umringte Sommercamp-Setting und vorangetrieben von den (zumindest bis "Scream") ungeschriebenen Gesetzen des Slasherfilms: Gib nicht deinen jugendlichen Trieben nach, sonst stirbst du.

Allerdings beschreiben derlei Klischees lediglich ein gemeinsames Verständnis, mit dem eine einvernehmliche Basis geschaffen wird. Davon ausgehend hat sich "The Burning" nicht ohne Grund zu einem Geheimtipp entwickelt. Blickt man nämlich durch das Dickicht der eingangs beschriebenen, allseits bekannten Abläufe hindurch, so stößt man auf eine recht ungewöhnliche Dramaturgie, die bereits mit der praktisch nicht vorhandenen Charakterisierung des personifizierten Bösen beginnt: Wo das wesentlich berühmtere Verbrennungsopfer Freddy Krueger durch einen märchenartigen Prolog in "Nightmare On Elm Street" regelrecht dämonisiert wird, liegt dieses bloß schlafend im Bett, bevor es in den maskierten Schlächter transformiert wird (maskiert durch die Narben der Verbrennung). Weshalb die Jugendlichen ihm den verhängnisvollen Streich spielen, der ihn zum Monster werden lässt, und ob er das Leid verdient hat, das ihm widerfährt, muss man sich aus dem Kontext zusammenreimen.

Abgewichen wird auch vom bewährten Prinzip der One-by-One-Dezimation, das sich einen Vorrat an Teenagern wie eingezäunte Schafe hält, um sie nach und nach zur Schlachtbank zu führen. Der Cast ist stattdessen vergleichsweise groß (u.a. mit Holly Hunter, Jason Alexander und Fisher Stevens) und führt abgesehen von einer unzählbaren Menge anonymer Kinder (die lediglich dekorativen Zweck erfüllen und nicht in das Spiel einbezogen werden) auch Dutzende Teenager auf, wobei erstaunlich viele von ihnen so sorgfältig charakterisiert werden (wenn auch im abgesteckten Rahmen stereotyper Figurenbildung), dass kurze Momente entstehen, die beinahe ein Gefühl von "Coming Of Age" erzeugen.

Die große Spielwiese sorgt insbesondere in den Szenen ohne den Killer für eine ungewöhnliche Gruppendynamik, die sich angenehm von den überschaubaren Quartetten, Quintetten, Sextetten, Septetten und Oktetten abhebt, die normalerweise in solchen Filmen auf den Tisch gelegt werden. Massenszenen von Sportveranstaltungen oder aus Kantinen werden mit intimen Zwiegesprächen kontrastiert, männliche und weibliche Campbesucher ebenso wie Freundschafts- und Konkurrenzverbindungen reizvoll gegeneinander ausgespielt.

Das hat dann letztlich auch Auswirkungen auf das Auftreten des Villains, der sich vor einem ganz anders gedeckten Buffet wiederfindet als ein Jason, Michael oder Freddy. Das Highlight, und hier kommt wieder die Gruppendynamik ins Spiel, bildet eine furios geschnittene Attacke aus einem Kanu heraus, bei der gleich ein ganzes Boot voller Jugendlicher massakriert wird. Gnade wird dabei auch nicht jenen Figuren zuteil, um die sich das Drehbuch zuvor sehr bemühte. Aufsparen muss sich der Scherenschwinger schließlich nichts, denn Gelegenheit für klassischer angelegte Bodycounts bieten sich ihm dennoch zuhauf - so muss Carrick Glenn etwa nackt und verwirrt am Ufer einer Spur folgen, die aus ihrer eigenen Kleidung gelegt ist - logisch, dass am Ende der Spur nicht der Weihnachtsmann mit einem Bademantel wartet. Mit seiner riesigen Gartenschere entwickelt der Killer dabei durchaus einen kreativen, erinnerungswürdigen Stil, der Jasons Machete im Nachhinein ironischerweise besonders primitiv wirken lässt - verständlich, dass Tom Savini "The Burning" Vorzug gegeben hat vor dem "Freitag"-Sequel. Der renommierte Effektekünstler ist jedenfalls voll bei der Sache und garniert die ungeschnittene Fassung mit überaus brutalen, gleichwohl sehenswerten Effekten.

Im Finale wird mit einem "Final Boy" dann bestätigt, dass "The Burning" vielleicht nicht ganz so klassisch ist, wie es in mancher Hinsicht den Schein hat. Auch dass ein Rick Wakeman ("Yes") den Soundtrack beisteuert, ist nun nicht gerade als Standard zu bezeichnen und vor allem den Beziehungen Weinsteins zu verdanken. Was natürlich nichts daran ändert, dass der brennende Mann seinem unvermeidlichen Schicksal am Ende genauso ins Auge blicken muss wie die Antagonisten in jedem anderen Slasher-Film (oder letztlich Weinstein im realen Leben selbst). Nur zur Auferstehung in einem Sequel hat es diesmal nicht gereicht...

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