Wem Jason Voorhees und Angela Baker als Campkiller noch zu sympathisch und nicht hassenswert genug sind, der sollte definitiv einen Blick auf "Brennende Rache" riskieren. Dessen Killer Crosby / Cropsy (darüber streiten sich O-Ton und deutsche Synchron bis heute) ist eine der fiesesten Kreaturen, die jemals in der Geschichte des Horrorfilmes ein Ferien Lager terrorisiert haben und das laut Drehbuch bereits lange vor der eigentlichen Killerkarriere: ein richtiges mieses, psychotisches, gewaltbereites Arschloch, dessen Bosheit nur von der seines Mitschöpfers übertroffen wird.
Ja, der im Original "The Burning" betitelte Film ist seit dem Bekanntwerden der Taten Harvey Weinsteins einer jener Streifen, die angesichts dessen Beteiligung nur noch mit Triggerwarnung auf die Welt losgelassen werden können: die laufende Schande der Filmindustrie, viel zu spät und zu milde verurteilt, hat an der Story des Filmes mitgeschraubt und damit eine nicht unwesentliche Rolle im Erfolg dieses Filmes gespielt. Auf so einige Szenen wirft dieser Fakt ein noch unangenehmeres Licht, da es hier neben dem eigentlichen Mörder nicht gerade an Widerlingen mangelt. Dennoch: "The Burning" überzeugt, auch wenn ein absolutes Stück Scheiße maßgeblich für dessen Geburt war. Ich nenne das gerne auch den Kinski-Effekt.
Ironischerweise ist misslungene Vergangenheitsbewältigung eines der Kernthemen dieses Filmes: irgendwann in den 70ern schwört eine Freundestruppe aus gepeinigten Jungurlaubern dem sadistischen Hausmeister des Camps Blackfoot Rache: eine Kerze in Form eines verrotenden Kopfes soll dem alten Drecksack Respekt einflößen.
Der in der Theorie harmlose Plan geht gewaltig schief, da von den Jungen niemand damit rechnete, dass der Faktotumstrottel mit einem Benzinkanister am Fußende pennt und ratet mal, wo der Kerl die Kerze panisch hinkickt: Genau ins Schwarze! Fünf Jahre später ist Todd, einer der damaligen Prankster, in einem Böcke zu Gärtnern - Karrieresprung selbst Campbetreuer im benachbarten Lager Stonewater geworden, wo sich mittlerweile das erweiterte Jagdgebiet des zur Unkenntlichkeit verbrannten Hausmeisters befindet.
Jaja, schamlos geklaut, aber wen juckts: Tom Savini hat auch hier die Effekte auf die Beine gestellt und sich selbst übertroffen und statt sich nur am Aufsichtspersonal zu vergreifen wie Jason es bei seinem Debüt tat (und vor ihm die Liebe Mutti Voorhees) lässt Crosby / Cropsy seine Wut auch an den Camper aus. Im Gedächtnis bleibt dort insbesondere die Floßszene, die uns den halben Cast kostet. Eine sehr beeindruckende Szene, die stellvertretend für den Film steht.
Übrigens versucht man uns mit dem Subplot um den sozial unbeholfen Gruppennerd Alfred und dessen Mobber Glazer über längere Zeit zum Narren zu halten, als es funktioniert. Es bleibt dennoch witzig, wie Alfredo bei Glazer Ermordung schockiert wirken will, seine Mimik aber auch ein kleines schadenfroh Lächeln zu erkennen ist. Sei es ihm gegönnt: der arme Kerl muss genug Scheiße fressen, sowohl durch Glazer als auch durch Cropsy und darf am Ende noch mithelfen, den Mörderkarren aus dem Metzeldreck zu ziehen. Aber diese unnötige falsche Fährte ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich in der Hinsicht habe.
Nicht kritisch, aber doch mit einem verwirrten Blick nahm ich Rick Wakemans Namen in den Credits war:das Progrock-Urgestein, der Yes - Mitgründer als Komponist eines Slasherscores? Das Ergebnis ist beeindruckend, wirkt aber im Vergleich mit anderen Produktionen etwas wie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Aber wenn der Schuss sitzt, wen kümmerts? Mich nicht: der Soundtrack ist so stimmungsvoll, dass ich den Film deswegen nur hellen Tages genießen kann.
Während uns die offensichtliche Vorlage vom Crystal Lake sowie der Nachzögling um die schüchterne Angela so manche wertvolle Lektion mitgegeben haben (keine Drogen, kein Sex, Motorboote sind kein Spielzeug und Mobbing ist scheiße) lässt sich hier bestenfalls mitnehmen, dass man nicht mit einem randvollen Benzinkanister am Bett pennen sollte und sich andernfalls nicht zu wundern braucht, wenn man für den Rest seines armseligen Lebens mit karamellisierter Fresse durch die Gegend schleichen darf. Apropos Rest und armseligen Leben: Harvey Weinstein ist und bleibt immer noch ein Arschloch. Der Film wiederrum ist eine Klasse für sich und verdient im Gegensatz zu Weinstein die Freiheit.