Review

!!! Mit ( leider unvermeidbaren ) Spoilern !!!

In einem Atomkraftwerk in der Nähe von Frankfurt kommt es zu einem Unfall, welcher radioaktive Strahlung freisetzt. Die nähere Umgebung ist sofort verstrahlt und nun bewegt sich eine vom Wind angetriebene radioaktive Wolke auf das kleine Städtchen Schlitz zu. Die Bevölkerung der betroffenen Gebiete versucht zu fliehen, bevor die tödliche Wolke sie erreicht. Unter ihnen ist auch die 16- jährige Hannah ( Paula Kalenberg ), welche die verzweifelte Flucht mit ihrem wesentlich jüngeren Bruder Uli ( Hans-Laurin Beyerling ) antritt, während ihre Mutter sich geschäftlich in einer Stadt direkt neben dem Atomkraftwerk aufhält. Außerdem hat sich Hannah gerade in ihren Klassenkameraden Elmar ( Franz Dinda ) verliebt, jedoch verlieren sie sich bei der Flucht aus den Augen.

Was erst einmal recht spannend klingt beginnt auch so. In den ersten knapp 30 Minuten des Films wird hier ein spannender Katastrophenfilm präsentiert. Die Bedrohung durch die sich nähernde radioaktive Wolke ist spürbar, selbst da man Radioaktivität weder sehen noch hören kann. Die panischen Reaktionen der Bevölkerung sind mehr als verständlich und so wirkt die Flucht auch aufgrund verstopfter Straßen und Bahnhöfe recht aussichtslos. Die Ausnahmesituation wurde hier filmisch also wirklich spannend inszeniert, hier kann man dem Film eigentlich kaum einen Vorwurf machen. Zu diesem Zeitpunkt wird auch beim Betrachter ein echtes Interesse geweckt, wie denn der Film wohl ausgehen mag. ( Gerade auch, da der Film nicht gerade zimperlich mit einigen seiner Charaktere umgeht )

Aber auf Sonnenschein folgt ja bekanntlich Regen und so ist der Film nun ( leider ) nach 30 Minuten noch nicht vorbei, sondern wird noch durch 60 weitere quälende Minuten ergänzt. Hier versucht der Film in eine völlig andere Kerbe zu schlagen und präsentiert sich als austauschbares Liebes- Krankheitsdrama. Es hat sich ja eigentlich schon zu Beginn abgezeichnet, wo quasi aus dem Nichts die Beziehung zwischen Hannah und Elmar entsteht. Dementsprechend sinnlos wirkt das ganze, wenn Elmar, der ja eigentlich noch nie wirklich mit Hannah gesprochen hat und gerade erst mit ihr zusammengekommen ist, plötzlich um jeden Preis zu Hannah hält und dabei selbst viele Opfer bringt. Das Ende ist entsprechend auch vorhersehbar und somit ist eigentlich auch 60 Minuten lang nicht wirklich viel passiert, sondern nur das, was man sowieso erwartet. Das hat man schon in vielen anderen Filmen ( besser ) gesehen. Grundsätzlich hat man durch diese Austauschbarkeit auch das Gefühl zwei verschiedene Filme zu sehen. Die letzten 60 Minuten hätten auch für sich alleine stehen können, bzw. durch jede x- beliebige Krankheit ausgetauscht werden können.

Die Charaktere des Films präsentieren sich auch recht platt und erfüllen auch jedes erdenkliche Klischee. Da wäre zum Beispiel der reiche Rebellensohn, der sich um jeden Preis gegen seine Eltern aufwiegelt, da die sich ja sowieso nur um ihr Geld gekümmert haben und ihm nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt haben, die er eigentlich gerne in der Kindheit gehabt hätte ( gähn ). Das stört die ersten 30 Minuten nicht weiter, ist aber umso schlimmer wenn der Film in Richtung Drama umschlägt und die Handlungen der Charaktere durch ihr jeweiliges zuzuordnendes Klischee bestimmt werden.

Schauspielerisch wird hier deutsches Mittelmaß präsentiert. Dies ist ausnahmsweise mal ein Film, wo nicht auf die 5 bis 6 namhaften Schauspieler, welche Deutschland zu bieten hat, zurückgegriffen wird. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, jedoch merkt man Paula Kalenberg an, dass sie mit ihrer Rolle der todkranken etwas überfordert ist.

Insgesamt werden hier also ein starker Katastrophenfilm und ein wirklich schwaches Krankheitsdrama präsentiert. Die ersten 30 Minuten haben auf viel hoffen lassen und haben aufgezeigt, dass der Film durchaus das Potential zu mehr gehabt hätte. Schade, dass wir hier dann so platte Charaktere und eine Story aus dem Baukasten vorgesetzt bekommen.

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