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„The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen” – für manche Leute wohl nur ein weiterer Film in der Welle der Horrorremakes der letzten drei Jahre, welches mit „Freddy vs. Jason“ über „Texas Chainsaw Massacre“ bis hin zu „Dawn Of The Dead“ überaus ansehnliche Filme hervorbrachte. Doch wie auch die drei zuvor genannten Teile sticht dieser Film, das zweite Werk des Alexandre Aja, den Genrefans wohl schon durch das grandiose „High Tension“, welches in Deutschland jedoch nur in zwei lächerlichen Versionen veröffentlicht wurde, kennen. Und eines sei schon jetzt gesagt, auch in seinem ersten Hollywoodfilm geht der gute Mann nicht zimperlich zur Sache, spart nicht mit Gore und Splatter.
Es sei gesagt, dass es sich bei „The Hills Have Eyes“ um ein Remake des gleichnamigen Filmes aus dem Jahre 1977 handelt, welcher damals unter der Regie des Großmeisters Wes Craven entstand. Jedoch stand dieser Film, wohl auch ein Meilenstein im Terrorkino, immer im Schatten der Genreprimen „Texas Chainsaw Massacre“ (Tobe Hooper) und „The Last House On The Left“ (ebenfalls Wes Craven).
Die Story von Original und Remake weicht nicht großartig auseinander. Die Familie Carter, wie sie im Remake heißt, ist anlässlich des 25. Hochzeitstages auf dem Weg in das sonnige Kalifornien und fährt dabei auf Wunsch des Vaters quer durch die Wüste Nevadas. Aufgrund des Tipps eines mysteriösen Tankstellenwartes nehmen sie eine Abkürzung quer durch ein ehemaliges atomares Testgebiet des US-Militärs. Hier kristallisiert sich auch einer der größten Unterschiede zum Original heraus, Aja arbeitet die atomaren Tests und das leugnende Verhalten der amerikanischen Regierung viel stärker in sein Werk ein. Sei es nun das Meckern der missgebildeten Kannibalenfamilien, Zeitungsausschnitte in der Tankstelle oder das Zeigen von Sprengversuchen zu Beginn des Filmes. Es wird viel Kritik laut. Die wohl „amüsanteste“ Szene ist wohl die, in welcher der axtschwingende Anführer des Kannibalenclans eine kleine amerikanische Flagge durch den Hals gespießt bekommt, dies kann man jedoch sehen wie man will.
Kaum auf die Abkürzung eingebogen, kommt es aufgrund von Krähenfüßen, welche vom Kannibalenclan ausgelegt wurden, zur Panne, welche die Familie Carter zur Rast zwingt. Der Vater Bob, sowie der nicht allzu sehr geliebte Schwiegersohn Doug, auf deren Verhältnis ich später noch eingehen möchte, machen sich auf die Suche nach Hilfe. Währenddessen der Ring der Kannibalen sich immer enger um die Zurückgebliebenen zieht! Nachdem zuerst einer der beiden Schäferhunde die Grausamkeiten der Wüstenbewohner am eigenen Leib erfahren muss, bekommen bald darauf auch die Familienmitglieder deren Brutalität zu spüren...
Wer den klasse Genrefilm „High Tension“ schon kennt, der wird wissen, dass Alexandre Aja nicht mit Blut, abgetrennten Körperteilen und anderen Grausamkeiten geizt. Ganz auf dem Niveau des Erstlings wird auch in diesem Streifen gemordet. Schon in den ersten fünf Minuten werden Wissenschaftler durch Axtschwünge in ihrer Gesundheit eingeschränkt. Und auch im darauffolgenden fliegen Köpfe von Leibern, werden Kopfschüsse verteilt und gar beinahe Vergewaltigungen praktiziert, Terrorkino vom allerfeinsten. Teilweise setzt die psychische Brutalität die physische in den Schatten, zum Beispiel dann, wenn der Vater an einen Baum gefesselt vor den Augen der gesamten Familie verbrennt, während deren Tochter im Wohnwegen aufs Übelste drangsaliert wird, teilweise starker Tobak.
Was den Film aber auch auszeichnet ist die gar triste, hoffnungslose Wüstenlandschaft und auch das ungewöhnlich starke Zusammenhalten der Familie Carter. In dieser Familie wird Einigkeit, und das trotz verschiedenster Charaktere, groß geschrieben. Egal welche Einstellung man vertritt, man kann sich auf jeden Fall mit einem der Mitglieder anfreunden. Sei es nun der republikanische Ex-Cop Bob, der Waffennarr, der sich regelmäßig mit seinem demokratischen Schwiegersohn streitet, oder auch die leicht verzogene Tochter.
Und glaubt man es oder nicht, es gibt gar auf der Seite der Kannibalen eine Person, mit der man durchaus sympathisieren kann, ich sage nur das Mädchen mit dem roten Sweatshirt. Der Rest des verstrahlten geisteskranken Clans ist jedoch eher in seinem Verhalten verachtenswert. Was ebenfalls sehr interessant erscheint ist das ungewöhnlich harte Zurückschlagen der restlichen Überlebenden der Familie Carter, vor allem aber von Doug, welcher im Alleingang fast das gesamte Kannibalennest säubert und auch nicht milde zu Werk geht.
Zusammenfassend muss man sowohl jedem Aja-Fan, wie aber auch jedem Fan des 70er-Jahre Terrorkino empfehlen, sich diesen Film zu Gemüt zu führen. Genauso werden aber auch Freunde des klassischen Splatterfilms Gefallen am Streifen finden. Wer jedoch mehr einen Teenieslasher im Stil von „Scream“ (Verzeihung Wes Craven, aber der war wirklich schlecht) oder auch „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ erwartet, der sollte das Geld lieber sparen und für andere Filme ausgeben.
Dem Rest sei gesagt: Anschauen!
10/10 Punkten

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