Ganz starker Film!
Dass das nichts für schwache Gemüter war, wurde ja von allen Seiten angekündigt. Ich als Horror/Splatter-Fan war von diesen Ankündigungen begeistert und zog mir den Film doch tatsächlich gestern einen Tag vor einer unfassbar wichtigen Prüfung rein. Dachte, dass das meine Aufregung ein wenig senken könnte.
Alexandre Aja hat mich schon mit „High tension“ überzeugen können und so war ich gespannt. Das alles muss natürlich mit einem großen BUMS anfangen, und so werden 4 Forscher in der ersten Szene kaltblütig zu Grunde gerichtet. Was danach kam, enttäuschte, zu lange dauert es, bis der Film endgültig an Fahrt aufnimmt, zu viele billige Schreckeffekte („Oh, es war doch nur der Köter“) werden eingebaut. Das langweilte, baute aber gleichzeitig einen Spannungsbogen auf, dem sich keiner im Kino entziehen konnte. Denn die Atmosphäre wird phänomenal hoffnungslos dargestellt. Der Zuschauer weiß, dass etwas kommen wird, das gewaltig ist und weiß nur noch nicht was. (Zumindest wenn er vorher wie ich auf diverse Inhaltsangaben verzichtet hat)
Die Story ist schmal: Eine Familie bestehend aus 7 Leuten will nach Kalifornien und fährt zu diesem Zwecke durch die Wüste, wo sie an einer einsamen Tankstelle ins Verderben geschickt werden. Dann kommen die Mutierten zum Einsatz...Das war’s. Jeder, der dem Film eine politische Anprangerung unterjubeln will, irrt sich nach meiner Meinung, die politischen Ereignisse, die angeführt werden, dienen offensichtlich nur als Aufhänger. Die 5 Sekunden, die der Mutierte im Rollstuhl dazu offenbart, hätte man sich nun wirklich sparen können.
Hat man Geduld und einen leichten Drang, Gewalt in Filmen zu sehen, gibt es kaum einen besseren als diesen hier. Ich habe sehr viele Filme gesehen, die in diese Richtung gehen, und kaum einer ist so brutal wie „Hills have eyes“. Das hat wirklich Spaß gemacht, vor allem der Kampf zwischen dem Brillenträger und dem „Vizechef“ der Mutierten war genial und schreckte vor nichts zurück. (Allerdings ist die Fähigkeit zur nahezu perfekten Hand-Koordination nach Abhackung der Finger bei Doug nicht ganz schlüssig)
Es werden zahlreiche weitere Tabus gebrochen (eine so intensive und verstörende Verbrennungsszene habe ich in keinem anderen Film gesehen). Das dürfte nebst anderen Szenen den härtesten von uns auf den Magen geschlagen haben.
Ein weiterer positiver Punkt ist die musikalische, oder sagen wir geräuschtechnische Untermalung. Wirklich verstörend, düster und immer passend.
Doch der Film erhält „nur“ 7 Punkte von mir, obwohl ich sehr gut unterhalten wurde. Zu offensichtlich sind die Schwächen des Films. Erstens die Story, zweitens das Verhalten der Beteiligten. Sie schicken sich gegenseitig alleine durch die Wüste, checken nicht, dass Reifen normalerweise nicht alle gleichzeitig explodieren, und und und. Am schlimmsten war jedoch der Umgang mit Munition. Irgendwann hatte der Junge (den ich übrigens schauspielerisch super fand) nur noch 1,5 Magazine (10 Schuss oder so?), und statt gezielt seine Feinde anzuvisieren feuert er völlig planlos damit rum. An einem unbewaffneten Feind schießt er fünfmal vorbei, um ihn dann in McGyver Manier hinzurichten. Ergibt für mich keinen Sinn. Ebenfalls unfassbar ist, wie schmerzfrei alle Beteiligten zu sein scheinen. Und zwar beide Seiten. Doug hat wirklich Kraft, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit für 10 Menschen.
Fazit: Ein sehr starker und erfrischender neuer Splatterfilm. Sehr brutal, braucht allerdings ein Weilchen, um Fahrt aufzunehmen. Musik, Schauspieler, Atmosphäre und Spannung sind sehr stark, während Storyplattheit und teilweise unerträgliche Logikfehler keine optimale Benotung zulassen. Daher 7 Punkte von meiner Seite. Euer
Don