Talentierter Horrorfrischling aus Frankreich trifft auf früheren Horror-Guru aus Amerika. Alexandre Aja beglückte vor einiger Zeit die Fans des deftigen Splatter-Slashers, mit einem mehr als nur geglückten Schlitzer-Beitrag aus Frankreich, der nicht nur extreme Spannung und eine überdimensional knisternde Atmosphäre zu bieten hatte, sondern auch so deftige Splatter- und Goreeffekte in Old-School-Manier, das er hierzulande nicht einmal durch die Spio-JK kam und nur gekürzt erscheinen durfte. Diese Erfahrung haben auch Wes Cravens Projekte zu genüge durchgemacht. Doch der Meister, der hinter Klassikern wie "Nightmare on ElmStreet" und "Last House on the Left" steht und mit "Scream" die moderne Slasher-Welle erst so richtig ins Rollen brachte, hatte in letzter Zeit eigentlich nur noch Müll produziert. Dieses mal nahm er allerdings wieder einmal auf dem Produzenten-Stuhl Platz und drehte, zusammen mit dem frischen Regisseur aus Frankreich, ein Remake seines sozial-kritischen Schockers "The Hills Have Eyes". Herausgekommen ist dabei ein weiterer unglaublich derber Filmbeitrag des modernen Terrorkinos, bei dem aber mal nahezu alles stimmt.
"The Hills Have Eyes", dass ist Terror-Kino pur und bringt uns zurück in die zeigefreudigen 80er-Jahre und ihre Art des Horrorfilms. Die Story hält sich dabei schon einmal ziemlich genau an die Vorlage. Eine Familie kommt auf einer Reise durch die Wüste vom rechten Weg ab und bleibt mitten im Nirgendwo mit ihrem Wohnwagen stehen. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen und so machen sich die Männer, abgesehen vom Jüngsten, auf den Weg um Hilfe zu suchen. Was sie allerdings nicht ahnen, sie werden von einigen Hinterwäldlern beobachtet, die vor einiger Zeit Opfer einiger Atomtests der Regierung wurden und nun auf Rache sinnen. Und diese Rache fällt blutig aus... Zugegeben, im Grunde hat die Geschichte um eine liegen gebliebene Familie, die von einigen brutalen Mutanten gejagt werden, nicht viel Innovatives zu bieten, denn solche Vorfälle gab es so oder so ähnlich schon des öfteren, auch in letzter Zeit, wenn man nur mal an "Michael Bays Texas Chainsaw Massacre" oder "Wrong Turn" denkt. Allerdings erwartet man bei einem Remake auch nicht unbedingt sonderlich viele Neuheiten, sondern eher das sich das Gezeigte möglichst nah ans Original hält, und da kann das Drehbuch dann doch überzeugen. Zwar sind Logiklücken und Ungereimtheiten auch hier an der Tagesordnung und der sozialkritische Kern der Geschichte kommt heutzutage auch nicht mehr sonderlich glaubwürdig rüber, doch für eine genauso einfache, wie fantastische Horrorgeschichte, reicht das Gegebene vollkommen aus!
Und wie bei den meisten Horrorfilmen, sowohl von damals als auch heute, kommt es ja im hauptsächlichen Sinne auch nicht unbedingt auf eine tiefgründige Geschichte an, sondern vor allem auf Spannung, Atmosphäre und/oder auf ordentliche Gore-Effekte. Und davon hat "The Hills Have Eyes" nun wirklich massig zu bieten. Spannung und Atmosphäre sind hier wirklich auf einem Niveau, das man in letzter Zeit wirklich oft schmerzlichst vermisst hat, vor allem bei solch einem Film. Wie es sich gehört, wird die Spannungsschraube hier, langsam aber bestätig, immer fester zugeschraubt, um dann beim Finale wirklich richtig fest zu sitzen und den Zuschauer regelrecht vor Spannung zittern lässt. Auch wenn der Plot für Kenner nicht unbedingt sonderliche Überraschungen bereithält und durchaus vorhersehbar ist, so kann auch dieser Schlag von Zuschauern durchaus mit einigen Schweißperlen auf der Stirn rechnen. Denn nicht nur der Spannungsgrad stimmt, auch die Atmosphäre tut ihr übriges. Die Menschenleere Wüste ist wirklich gespenstisch ausgefallen, vor allem in den Nachtszenen. Und wenn die Mutationen dann aus ihren Höhlen gekrochen kommen und die Familie terrorisieren, dann beben auch sie förmlich mit im Kinosessel. Denn so ein schauderhaftes Gesocks, gab es in letzter Zeit fast nie zu sehen.
Doch nicht nur das diese Figuren wirklich scheußlich und grauenerregend aussehen, sie sind auch in ihrer Handlungsweise alles andere als zimperlich und das zeigt Aja, seinem splatterbegierigen Publikum, hier nur allzu deutlich. Strotzte schon sein "High Tension" mit vielen bitterbösen Szenen, so setzt er hier noch einmal einiges drauf und bietet ein so dreckiges, abstoßendes und dabei dennoch beeindruckend brutales Horrorkino, wie man es schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Wenn die Hinterwäldler hier die Familie terrorisieren, dann fließt nicht nur das Blut in Strömen, auch der Strudel von Gewalt geht manchmal an die Grenzen des Ertragbaren und dürfte so mache zartbesaitete Seele schnellstens aus dem Kino vertreiben. Brennende Menschen, blutige Schiessereien und das ständige Zweckentfremden einer axtartigen Spitzhake, sind hier an der Tagesordnung. Und das schon in der leicht gekürzten Kinofassung. Selten hat es dem Zuschauer gleichzeitig so weh getan wie Freude bereitet, bei diesem Strudel aus Perversitäten und Gewalt zuzuschauen. Ob man es wirklich so weit in Sachen Brutalität treiben muss, dass kann sicher diskutiert werden. Doch man sollte immer bedenken, dass man es hier mit einem eiskalten Horrorschocker zu tun hat, der sich eigentlich nur so tabulos und brutal gibt, wie viele 80er-Jahre-Streifen, die in letzter Zeit eigentlich undenkbar waren. Und wer auf solche Filme noch nie was gegeben hat, der hat in "The Hills Have Eyes" eigentlich auch nichts verloren, schon gar nicht die Teenie-Horror-Fraktion von heute!
Doch nicht nur das Übermaß an Atmosphäre und Gore lassen dem Horrorfreund das Herz in der Brust höher schlagen, auch die Tatsache das alles auch noch auf herrliche Old-School-Art inszeniert wurde, ist Gold wert. Die Splattereffekte sind wirklich von Anfang bis Ende vollkommen frei von Computeranimationen geblieben und wurden auf wirklich herrlich dreckige und schön auf 80er-Jahre-Stril getrimmte Weise inszeniert, die dem geneigten Horror-Freak das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Make-Up-Guru Tom Savini dürfte sich wohl warm angezogen haben, als er diese prachtvolle Splattertour hier mit erlebt hat. Denn diese Effekte kommen wirklich erstaunlich nah an seine damaligen Werke heran. Dazu dann noch die grandiosen Masken der Hinterwäldler, die man so prächtig scheusslich nicht einmal bei "Wrong Turn" gesehen hat. Und für die richtige Atmosphäre sorgt dann, neben der tolle Kulissenauswahl, der perfekten Regiearbeit sowie den eben genannten Effekten, noch ein absolut prächtiger Scoretrack, der richtig schön prickelnde Klänge im Kino verteilt und wirklich wunderbar atmosphärisch wirkt. So muss gutes Horrorkino inszeniert sein!
Einzig und allein der etwas träge Beginn müsste ein wenig angeprangert werden. Denn wie schon z. Bsp. "House of Wax", so hat auch "The Hill Have Eyes" leider ein wenig Überlänge und geht ungefähr eine viertel Stunde länger, als es unterm Strich vielleicht nötig gewesen wäre. Die Vorstellung der einzelnen Figuren hätte man alles in allem doch etwas kompakter halten können, zumal einem die (teils recht klischeehaften) Charaktere im Endeffekt irgendwie sowieso am Arsch vorbeigehen. Da hätte eine normale Laufzeit von gut 90 Minuten sicher mehr als ausgereicht. Aber nun gut, wir wollen mal nicht so sein!
Zu den Darstellern sei noch fix gesagt, dass sie allesamt typische Horrorkost abliefern, wobei sie dieses mal allerdings am oberen Rand schwimmen und im Vergleich dennoch besser sind, als viele ihrer Kollegen. Wirklich kennen tut man da zwar bloß "Lost"-Schnuckel Emilie de Ravin als blondes Klischee-Flittchen Brenda, sowie Ted Levine als Familienoberhaupt Big Bob, aber auch all ihre Kollegen, egal ob nun aus ihrer Familie oder aus der Familie der Mutanten, machen ihre Sache soweit ganz zufriedenstellend,wie man es durchaus fürs Genre erwarten darf. Gut so!
Fazit: Dreckiges, extrem atmosphärisches und wirklich ultrabrutales Remake eines Wes-Craven-Horrorklassikers, dass dieses mal wirklich alle Tabus bricht und mit seiner zeigfreudigen Filmpräsentation, in Sachen Gewalt und Sadismus, sicher zu Diskussionen anregt. Horrorfreunde, die sowohl auf Atmosphäre als auch auf Splatter stehen, sind bei "The Hills Have Eyes" jedenfalls absolut richtig aufgehoben und dürfen sich über eines der wenigen Remakes freuen, die wirklich nah ans Original herankommen, wenn es nicht sogar übertrumpfen. Und das die FSK hier sogar ganz mühelos ihren KJ-Stempel auf den Film gepresst hat, dürfte sie genauso glücklich machen. Wenn das so weitergeht, dann können sich die Horrorfreaks von damals jedenfalls auf eine rosige Zukunft freuen!
Wertung: 8/10 Punkte