Irgendwie liebe ich 2006.
Nach „TDR-The Devil’s Rejects“, „Underworld Evolution“, „Saw 2“ und „The Descent“ kam mit „The Hills have eyes-Hügel der blutigen Augen“ erneut ein Horrorfilm der blutigeren Sorte in die deutschen (österreichischen) Kinos.
Mir kommt es irgendwie so vor, als würde ich mich dauernd wiederholen, aber ich sage es einfach noch einmal: Ich bin jedes Mal wieder beeindruckt, dass es dermaßen brutale, blutige und teilweise doch ziemlich perverse Filme bei uns ins Kino schaffen.
Versteht mich nicht falsch, ich fand „The Hills have eyes“ verdammt unterhaltsam (und habe jede Sekunde ausgekostet), muss an dieser Stelle aber auch, den etwas zarter besaiteten (oder dem Slashergenre nicht so aufgeschlossenen) Zuschauer vor diesem Film warnen.
"Hügel der blutigen Augen" ist nämlich hart an der Grenze zur Geschmacklosigkeit und extrem gewaltverherrlichend.
Scheinbar sind die Zeiten in denen jeder Film der nur annähernd nach Gewalt ausgesehen hat zensiert und zerstückelt worden ist endgültig vorbei.
"The Hills have eyes (Hügel der blutigen Augen)" ist ein Remake des gleichnamigen Wes Craven Klassikers aus den späten 70ern.
Regisseur Alexandre Aja hat nach High Tension einen weiteren soliden, wenn auch nicht besonders innovativen, dafür umso brutaleren Horrorsplatterfilm fabriziert.
Nach dem extrem direkten Einstieg (ein Forschungsteam wird blutrünstig abgeschlachtet), bekommt man im Intro, einen hübschen Zusammenschnitt aus verschiedenen Atombombentests der Amerikaner und Mutationen serviert.
Danach geht es eher weniger innovativ, dafür aber umso kompromissloser weiter.
Familie auf der Durchreise, tankt an der allerletzten Tankstelle, wird vom Tankwart in die irre geführt, baut einen Unfall, teilt sich auf (einer geht die Abkürzung entlang und findet einen Atombombenkrater, einer geht zurück zur Tankstelle und wird überwältigt, die anderen warten beim Schrotthaufen von Wagen); es folgen Gewaltexzesse der besonders makaberen Art (Aja versuchte anscheinend sich von Szene zu Szene an Gewalt zu überbieten) und (so viel sei verraten) Vier überleben mehr oder weniger unbeschadet.
Das Ende fand ich dann leider weniger gelungen.
Es werden zu viele Kompromisse eingegangen und es wird ein typischer Action- und auch Horrorfilmfehler begangen, der einfach lächerlich und unverzeihlich ist.
Der Gegner liegt scheinbar tot am Boden und rührt sich nicht, der Gute dreht ihm den Rücken zu, der Gegner steht langsam auf und eine dritte Person muss sich opfern um den Guten im letzten Moment noch zu retten.
So eine Blödheit am Ende eines Filmes schlägt mir immer schwer auf den Magen.
Besonders gefallen haben mir drei Szenen:
• der harte Beginn, der einen wie eine Faust ins Gesicht trifft
• der Autofriedhof im Atombombenkrater
• und die Sequenz, in der Doug Bukowski (Aaron Stanford) die Hacke, mit einer unendlich lässigen Bewegung, von der runden Seite auf die Spitze dreht, um sie einem Opfer in den Kopf zu jagen.
Durch die Bank mit no-Name Darstellern besetzt und mit einem Drehbuch ausgestattet, dass die Drehbuchautoren (Alexandre Aja, mit tatkräftiger Unterstützung von Grégory Levasseur) wahrscheinlich im Vollsuff von Cravens original Drehbuch abgemalt haben, hat mich Hügel der blutigen Augen trotzdem gut unterhalten.
Wahrscheinlich vor allem wegen seinen kompromisslosen und blutigen Gewaltszenen.
Es werden munter Leute verbrannt, erschossen, vergewaltigt, entfingert, zerfleischt, zerhackt und aufgespießt (ich hoffe ich habe keine Todesart ausgelassen).
Die Musik ist Genretypisch zusammengesampelt (Oldies und neue „Hits“ wechseln sich mit typischem Hintergrundscore ab), was sich aber schon im Trailer abgezeichnet hat; ich fand die Filmmusik jedoch passend und unaufdringlich.
Die Wüstenkulisse wird, dem Thema und Ort der Handlung entsprechend, karg, öde und heiß in Szene gesetzt und die Farben sind extrem verwaschen.
Die Masken, der atomverseuchten Höhlenbewohner sind ansprechend ekelhaft umgesetzt worden und die Goreeffekte, wie gesagt, reichlich gesät und einfach genial blutig.
Natürlich hat jeder ein ähnliches Szenario (entstellte Hinterwäldler töten Jugendliche und auch Erwachsene, verspeisen sie und werden am Ende besiegt) schon in unzähligen Filmen gesehen --Man denke hierbei nur an „Wrong turn“ oder „Monster Man“ um nur 2 Beispiele zu nennen, die sich eines ähnlichen Themas bedienen. — und trotzdem ist „The Hills have eys“ nie langweilig.
Auch die Schuldzuweisungen alla „Ihr habt uns zu dem gemacht, was wir jetzt sind“, sind vorhanden.
Dieser Aspekt des Films hat mich ziemlich an Leatherface (Texas Chainsaw Massacre) erinnert. (Wenn ich jetzt genauer darüber nachdenke, hat mich der ganze Film an TCM erinnert.)
Also alles in allem ein verdammt guter Film mit ein paar Schwächen.
Zwar gibt es eigentlich keinen wirklichen Plot und auch keine überragenden Darsteller, aber dafür umso mehr Action, Blut, Gewalt und einige Überraschungen.
Für mich hat das völlig gereicht.
Für jeden, mit Hang zu Filmen mit innovativen und gewaltverherrlichenden Todesszenen, ein Genuss.