Habe ich mittlerweile zu viele Filme gesehen? Bin ich durch den zweifelhaften Genuss derber Horrorstreifen gar abgestumpft? Oder liegt es vielleicht doch daran, dass dieses Remake eine innovationslose Kopie von Cravens Original von 1977 ist, welches bei mir auch schon nicht zündete?
Schließlich lagen die Erwartungen hoch, denn Regisseur Aja hat mit „High Tension“ einen Streifen geschaffen, der einen endlich mal wieder mitfiebern ließ. Doch bei „Hills have eyes“ gelingt ihm das fast gar nicht.
Immerhin erfüllen die ersten Minuten die hochgesteckten Erwartungen: Während der opening credits werden verstörende Bilder von radioaktiven Versuchen und ihre Auswirkungen gezeigt. Es folgen Atomforscher in Schutzanzügen, die von den Mutanten aufgespießt und am Truck hinterher geschleift werden, - ein stimmungsvoller Einstieg, der als Appetitanreger in den folgenden 40 Minuten leider fast gänzlich verpufft.
Die Großfamilie in ihrem Wohnwagen hält an einer Tankstelle, irgendwo in der Wüste von New Mexico. Jeder der Personen (einschließlich des Tankwarts) erhält abwechselnd ein wenig Screentime und dabei kann leider niemand als Sympathieträger hervorgehen, ob nun Ex-Cop Bob oder Handyverkäufer Doug, selbst die Tochter ist kein Eye-Candy, das einem im Verlauf mitzittern lässt.
Stattdessen ist die Hälfte der Spielzeit fast vorbei und man begnügt sich mit Belanglosigkeiten innerhalb einer großen Familie. Bis Hund „Beauty“ aufgeschlitzt wird und Söhnchen Bobby vom Felsen ausrutscht, herrscht Langeweile.
Dann brennt das erste Opfer am Kreuz und man muß konstatieren, dass hier recht schonungslos dargestellt wurde, was im Verlauf noch heftiger wird. Nicht nur diverse Splatterszenen sind recht derb, sondern auch eine animalische Vergewaltigungsszene durch die Entstellten und die Tatsache, dass die das Baby der Familie entführen, was für mich den einzigen Aspekt darstellte, doch ein wenig mitzuzittern.
Letztlich verfolgt Doug die Spur zum Versteck der Einsiedler und es kommt zu blutigen Kämpfen, bei denen auch schon mal Finger abgetrennt werden und eine spitze US-Flagge(!) im Hals landet. Blutgehalt hoch, logisches Verhalten der Protagonisten gering, wie es sich für einen ordentlichen Slasher gehört. Nur leider ist dieser Doug keiner, mit dem man mitfiebert, auch wenn ein paar barbarische Gegenmaßnahmen seinerseits zur emotionalen Genugtuung beitragen.
Ein paar atmosphärische Momente konnte Aja immerhin hervorbringen, wie den Autofriedhof inmitten eines Kraters, schön gefilmt aus der Vogelperspektive oder die verlassene Kleinstadt mit den Figuren auf der Schaukel. Auch der Score ist einfach, aber stimmungsvoll ausgefallen, vorwiegend bestehend aus experimentellen FX-Sounds und seichten One-Note-Loops.
Selbst den Darstellern kann man keinen Vorwurf machen, denn die agieren auf solidem Niveau, aber der Storyverlauf ist nun mal bekannt und das Original wurde inhaltlich leider kaum verändert.
So erscheint mir dieses Remake am Ende auch mal wieder reichlich überflüssig, keine Neuerungen, nur eine etwas härtere Gangart. Und solange Typen im Kino neben einem bei jeder Gewaltszene noch „Boah, Geil“ von sich geben, gibt es eine begeisterte Zielgruppe. Womit ich einmal mehr erkennen sollte „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“…aber lassen kann ich´s trotzdem nicht…
Knapp
6 von 10 Punkten