Vorschußlorbeeren ohne Ende und Anpreisungen noch und nöcher begleiteten Alexandre Ajas Remake des 1977er Backwood-Exploiters „Hügel der blutigen Augen“. Hatte der recht junge Franzose sich durch Haute Tension doch als viel versprechendes Talent empfohlen, dem es zu zutrauen wäre Hollywoods derzeitiger Ideenlosigkeit frischen Wind in die Segel zu blasen. Die Flut an Neuinterpretationen von 70er und 80er Schmuddelware, die über den Kinogänger in vergangener Zeit hereingebrochen war reißt nun also auch Wes Cravens nihilistisches Texas Chainsaw- Ripp Off mit sich und ob das wirklich einen Grund zur Freude darstellt muss leider recht zwiespältig bejaht werden. Kommen wir zunächst mal zum recht vertrauten Plotkonstrukt:
Eine US-Familie aus der Schublade der Stereotypie reist samt Wohnwagen und Schäferhunden im Gepäck durch die Wüste. Bedingt durch eine Autopanne findet sich der fröhliche Reigen dann plötzlich inmitten der Einöde wieder und es dauert auch nicht lange bis sich erste Eigenartigkeiten bemerkbar machen, denn im Outback sind auch einige kannibalistische Freaks beheimatet, die der Familie alsbald einen unangenehmen Besuch abstatten.
Um ohne Umschweife mal Klartext zu reden: Rein vom Gehalt der der Story, passt diese sicherlich genauso gut in einen Fingerhut! Machen beispielsweise neuere Genre-Beiträge wie „Hostel“ keinerlei Geheimnisse darum, dass ihre Geschichte nicht mehr als Selbstzweck darstellt um möglichst schnell alle Handlungsorte und expliziten Einstellungen abzuarbeiten, so lebte Cravens Original durch viele kleine Details, die das Interesse des Zuschauers an das Schicksal der Charaktere fesselte. Das zentrale Element des 77er Streifens bestand aus dem Konflikt, den zwei unterschiedliche Familien miteinander austragen. Auf der einen Seite, die durch christliche Werte, Zusammenhalt und Spießbürgertum geprägte Familie Carter und zum anderen ein Clan von bestialischen Missgebildeten, der aufgrund von Atomtests degenerierte. Freddy Kruegers geistiger Vater ließ uns damals gleichermaßen Einblicke in beide Parteien und ihre Motivationen erhaschen und genau daran scheitert Aja haushoch: Zu sehr auf eine (wirklich gelungene) elegante und zugleich dreckige Atmosphäre und die straighte Inszenierung bedacht, werden alle Details, die das Original mit Spannung anreichern weggeworfen.
Gerade die momentane Remake-Unsitte, alles innerhalb des „Höher,schneller, weiter“-Kosmos anzusiedeln bricht The Hills have Eyes 2006 das Genick. Hinter den Hügeln leben in einer Geisterstadt Mutationen, die vom Vater des entführten Babys weggematscht werden müssen, ohne dass irgendwo das Zusammenleben der Schar an Feinden und Übeltätern charakterisiert werden müsste. Einerseits hält sich Aja zwar geradezu sklavisch an die Vorlage, doch in den Momenten, bei denen die Nähe zum Original einen guten Film verspricht bricht er mit seiner Version stark ein. Was nützt da die tolle Optik und ein ansehnlicher Gore-Gehalt, wenn keine Spannung mit an Board sein will? Das Gerüst „Autopanne-Überfall-Rache“ funktioniert von Grund auf einfach nicht, wen einen das Schicksal der Protagonisten dermaßen am Arsch vorbeigeht, wie in Ajas Fassung. Da reißt auch das Mutanten-Make-up von KNB nichts mehr raus. Dass hier Wes Craven selbst als Produzent mit am Werke war beweist eigentlich nur noch mehr die Wechselhaftigkeit seiner Fähigkeit als Geschichtenerzähler. Genau wie Nightmare on Elm Street, Last House on the Left oder Scream glückte ihm mit The Hills have Eyes damals auch nur ein Kultfilm, weil der Meister mal wieder finanziell und kreativ am Boden lag. Daher noch verwunderlicher, dass ein Alexandre Aja, dessen brillanter Haute Tension so gewaltige Resonanz erfuhr, für die Neuinterpretation eines aus der Not heraus geborenen Kultfilms nach Amiland geholt wurde. Nett, aber an verschenkten Potenzial sicherlich eine der Enttäuschungen des Jahres.