Mit „Haute Tension“ gelang dem französischen Nachwuchsregisseur Alexandre Aja ein knallharter Horrorfilm, der ohne jeglichen Funken Humor rauskam. So durfte Aja, der nach „Haute Tension“ schon als neuer Regiestar im Bereich des Horrorfilms gefeiert wurde, Wes Cravens „The Hills have Eyes“ neu verfilmen.
Zur silbernen Hochzeit mit dem Wohnmobil durch die Wüste. So verbringt Familie Carter ihren Feiertag. An einer etwas heruntergekommenen Tankstelle verweist sie der Besitzer auf eine Abkürzung, mit der man einige Stunden sparen würde. Diesen Rat nimmt Big Bob Carter, das Familienoberhaupt, gerne an. Weit kommt Familie Carter nicht, da urplötzlich alle Reifen platzen und Big Bob den Wagen nur noch vor einen Felsen setzen kann. Da stehen sie nun, die Carters. Der ehemalige Polizist Big Bob läuft gleich zurück zur Tankstelle, sein Schwiegersohn in spe, Doug, versucht es in einer anderen Richtung.
Beobachtet werden die Carters von den ehemaligen Einwohner eines kleines Dorfes, die Dank einiger Atombomben der Regierung nun etwas deformiert sind, hungrig auf Menschenfleisch sind und alles umbringen, was sich bewegt. Auch Familie Carter wird dezimiert...
Mittlerweile wird jeder Film, sei er noch so bekannt oder unbekannt, einer gründlichen Verjüngungskur unterzogen und ein Remake davon gemacht. Dies kann in die Hose gehen (The Fog, TCM), oder auch mal positiv überraschen (Dawn of the Dead, 2001 Maniacs).
Ajas Remake kann man ganz klar als gelungen bezeichnen, auch wenn er natürlich das Horrorgenre nicht neu erfindet und sich eng an die Vorgabe von Craven hält.
In Ajas Film sieht alles ein wenig sauberer aus, besetzt wurde der Film mit Schauspielern, die man in diesem Genre nicht wirklich erwartet hätte (Ted „Monk“ Levine, Emily „Lost“ de Ravin).
Aja lässt seinen Film gleich mit einen Knalleffekt starten und erklärt kurz die Situation. Einige radioaktive Bomben wurden in der Wüste abgeworfen, darunter litt und leiden die jetzigen Bewohner, die sich infolge der Radioaktivität stark deformiert haben und auch psychisch nicht mehr ganz auf der Höhe sind.
Teilweise komisch sind auch die Familienmitglieder. Zwar wird es nie erwähnt, doch die Carter scheinen Republikaner zu sein, da der Schwiegersohn in spe als Demokrat veralbert wird, der keine Waffe in die Hand nehmen will. Daher fuchtelt Big Bob auch immer relativ schnell mit einer Waffe herum, die er in kürze auch brauchen wird.
Nach der knallharten Anfangsphase lässt es Aja erst mal ruhig angehen, wir lernen die Carter kennen, und so dauert es auch fast eine Stunde, bis es wirklich los geht. Dann aber lässt es Aja wieder richtig krachen und lässt die Mutierten erst mal auf Familie Carter los. Dabei geht es sehr graphisch und kompromisslos zur Sache. Da wundert es schon, wenn man aus einigen Reviews liest, die harmlos „The Hills have Eyes„ doch sein soll. Scheinbar sind manche schon etwas mehr als nur abgestumpft und können wohl nur noch durchgängig in Blut waten.
Aja geht auch hier den gleichen Weg wie in „Haute Tension“, teilweise extreme Effekte, hier nur in Hochglanzoptik. Auch lässt Aja seine Mutanten hier eine Tochter der Carters vergewaltigen, die schon ein flaues Gefühl verursacht, gepaart mit weiteren Grausamkeiten.
Ob Aja wirklich alles umsetzen durfte, was er vor hatte, mag bezweifelt werden. Auch „The Hills have Eyes“ zeichnet sich durch einen etwas dümmlichen Humor aus, den man in „Haute Tension“ beispielsweise komplett vermissen durfte, ferner bedient sich der Film der üblichen US-Klischees. Doug, der nie eine Waffe anfassen wollte, wird natürlich im Laufe des Film zum Helden, der nicht nur Schusswaffen, sondern auch alles andere zur Hilfe nimmt, um den Mutanten den Gar aus zu machen. Dies stößt schon ein wenig sauer auf, doch mit so was muss man in den neuen amerikanischen Remakes wohl rechnen. Dennoch ist es schon höchst erstaunlich, welche Effekte teilweise durch die MPAA gekommen sind, denn schon seit „Haute Tension“ ist aja alles andere als ein Kind von Traurigkeit. Zwar kann „The Hills have Eyes“ in Sachen Dreckigkeit und Schmuddel nicht ganz dem Original das Wasser reichen, aber sonst ist Aja ein sehr guter Film gelungen.
Fazit: Remakes können auch gut sein, dies beweist diesmal „The Hills have Eyes“. Wenn nur ein paar fähige Leute hinter der Kamera hat, dazu einen Nachwuchsregisseur, der nun endgültig gezeigt hat, das sein Erstlingswerk keine Eintagsfliege war, kann auch ein Remake erfolgreich sein. Hinzu kommt, dass Aja die Goreschraube stark angezogen hat. Zwar ist der Film kein Splatterfest (immerhin lief er in den Kinos), aber technisch und optisch stehen sie denen aus „Haute Tension“ nicht nach, auch wenn diese vielleicht noch einen Tick drastischer und noch brutaler waren, aber dies war auch nicht Amerika, sondern Frankreich. Dennoch hat Alexandre Aja ein passables Remake geschaffen, gepaart mit knallharten Effekten. Zwar schimmern hin und wieder die typischen amerikanischen Gegebenheiten durch, damit kann man aber größtenteils leben. So ist „The Hills have Eyes“ ein gutes Remake, was hoffentlich nicht nur die Splatterfans anziehen wird.