Deutlich parabelhaft, mit unbedingten aktuellen Bezügen, und dennoch mit Story und deren Entwicklung sehr nah am Original von 1977 gelang Alexandre Aja mit seinem Remake von THE HILLS HAVE EYES ein zwar beinahe zügellos goriger aber ganz bestimmt nicht geistloser Film.
Die Zeit ist eine blutige Schleife. Und so hat sich an den Prämissen des Sujets wahrlich wenig geändert. Die Skepsis gegenüber den Machenschaften der eigenen Regierung und die Furcht, die Leichen in ihrem Keller könnten wieder laufen lernen, ist einer der wesentlichen Bausteine, aus dem man sich Geschichten wie diese bastelt. Nachdrücklich implizit bleibt auch die Furcht des urbanen, intellektuellen Amerika, dem ländlichen, konservativen und dezidiert verschrobenen Landvolk auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Dem Horror eingeschrieben ist eine Angst vor dem Ausgang der nächsten Wahlen. Die Konsequenz, so macht es sich Aja, schlicht den Konventionen von Genre und Vorlage folgend, recht einfach, ist der Griff des aufgeklärten, liberalen Teil Amerikas in den Waffenschrank der verhassten NRA. Den ignoranten Städtern bleibt keine andere Wahl, als sich den Heiligenschein selbst zu durchsieben, wenn es nicht länger darum gehen kann, sich selbst über eine erklärte Distanz zur perzipierten Drittwelt zu definieren, sondern dem unbekannten, jedoch zweifellos kreuzgefährlichen Amerika, breitbeinig und mit Blut an den Händen den Zugriff auf den eigenen Klan zu verwehren.
THE HILLS HAVE EYES funktioniert nicht als gescheiter, gar satirischer Kommentar auf den Zustand der Vereinigten Staaten. Vielmehr ist er ein atmosphärisch adäquat gelungener Ausdruck, ein Symptom, einer tiefen Spaltung der USA. Es ist natürlich Zeitgeist, eine unterdrückte, im offenen Diskurs nicht artikulierten Angst in einer tief fraktionierten Gesellschaft, die das Genre des Backwood Horror in den letzten Jahren erneut so garstig florieren ließ. Blutige Schleifen. Blutige Blüten.