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In einer Zeit, in der die Horrorgemeinde gerade wieder aus einem sehr langen Winterschlaf erwacht, tauchen immer mehr Regisseure auf, die die Gelegenheit beim Schopf packen und in bester 70er Tradition den puren Terror zurück in die großen Lichtspielhäuser bringen. Nach einer schier unerträglichen Flut an Teenieslashern, die einander wie ein Ei dem anderen glichen, sind es nun Regisseure wie Rob Zombie, James Wan, Eli Roth und Alexandre Aja, die dem ein Ende setzen. Letztgenannter, um den es hier und heute geht, hat bereits im Jahr 2003 mit seinem Horror-Einstieg "High Tension" in Fankreisen auf sich reden gemacht und zählt seitdem zu den interessantesten Newcomern der Branche. Trotz seines genialen Einstiegs keimte schon kurz darauf die berechtigte Frage auf, ob der Franzose Aja nur eine Eintagsfliege ist, die mit dem ultraharten "High Tension" zum One Hit Wonder werden, und danach wieder in der Versenkung verschwinden würde. Mit "The Hills Have Eyes" hat der Gute nun eindrucksvoll bewiesen, dass dem nicht so ist.

Horrorkenner dürften sicherlich wissen, dass es sich hierbei um ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1977 von Horror-Urgestein Wes Craven handelt. Aktuell nimmt dieser Remake-Wahn leider wirklich überhand und so war ich im Voraus auch sehr vorsichtig, was Aja's neues Werk angeht, denn während er bei "High Tension" freie Hand hatte, musste er sich hier an die Vorlage halten. Dafür freut es mich um so mehr, letztendlich behaupten zu können, dass der Franzose aus dem Stoff noch das Beste herausgeholt hat und sich eindrucksvoll an die Pole Position der derzeitigen Terrorfilme setzt, die sich in ihrem Härtgrad immer noch um einen kleinen Tick übertrumpfen. Ja, sogar Roth kann mit seinem "Hostel" einpacken, wenn es an einen direkten Vergleich geht, denn Aja ließ sich erfreulicherweise nicht lumpen und servierte einem Mainstreampublikum genau die selbe grausame Brutalität, die auch schon "High Tension" seinerzeit zum Überraschungserfolg werden ließ.

Schnell wurde natürlich auch Kritik an dem Film laut, die sich meist auf die einfallslose und altbekannte Story fixiert. Das mag so stimmen, ist aber unabänderlich, denn, und das kann man nicht oft genug erwähnen, "The Hills Have Eyes" ist ein Remake und muss auch als solches zu erkennen sein. Deshalb finde ich Vergleiche mit Filmen wie "Wrong Turn" auch völlig daneben, da das Original von "The Hills Have Eyes" beinahe schon dreißig Jahre auf dem Buckel hat und somit zu einem der ersten Survival-Horrorfilme zählt.

Die Story wird bis auf kleine, unwesentliche Unterschiede gleich wie im Originalfilm wiedergegeben. Eine Familie reist unwissentlich durch ein Wüstengebiet, in dem ehemals Atombombentests durchgeführt wurden und wird daraufhin direkt mit den Resultaten dieser nuklearen Schläge konfrontiert. Missgebildete, degenerierte Mutanten machen Jagd auf die Menschen und gehen dabei äußerst roh und blutrünstig zu Werke. Natürlich, einen Oscar wird man für diese einfallslose Erzählung nicht gewinnen und es kann auch kein Horrorfan behaupten, so etwas noch nie gesehen zu haben, doch darum geht es bei alledem auch nicht. Was Aja der Materie nämlich neues hinzuzufügen weiß, ist, dass er sich mit der Charaktereinführung sehr, sehr lang Zeit lässt. Nach dem bedrohlichen, infernalischen Intro, in dem wir über die Atomtests und deren Auswirkungen informiert werden und gleich mal einige Morde bestaunen dürfte, fixiert sich das Geschehen absolut auf die Familie. Aja lässt seinen Darstellern viel Freiraum, ihre Charaktere entfalten zu können und überrascht mit einer sehr langen, actionlosen Einführung. Dies dürfte vielen sauer aufstoßen, ich allerdings kann mich nicht beklagen, da es mir sehr gefällt, wenn den Hauptpersonen eine lange Einführzeit zuteil wird. Genau so wie bei "Hostel" überträgt sich der anschließende Schrecken dann um so wirkungsvoller auf das Publikum und lässt es beinahe schon hoffen, dass die Familie das grausame Treiben unbeschadet überstehen wird.

Dies ist jedoch nicht der Fall. "The Hills Have Eyes" glänzt von der ersten Minute an mit einer ausweglosen Atmosphäre, die einen sofort in ihren Bann zieht und für die restliche Spieldauer nicht mehr loslassen wird. Geschickt versteht es Aja, eben diese Atmosphäre, parallel mit seinen unverkennbaren Gore-Schlachtfesten, aufrecht zu erhalten. Viele Filme des Genres fallen bei dem Versuch, Blut und Spannung gleichermaßen einzubinden, auf die Nase, doch hier ist dies nicht der Fall. Die Gewalt hat mich des öfteren spontan die Augen reiben lassen, weil ich einfach nicht fassen konnte, was Aja sich zu zeigen wagt. Alleine schon die Sequenz, in der der Vater vor den Augen seiner Familie unter lauten Schmerzenschreien verbrennt, während nebenan im Wohnmobil seine Tochter von den Mutanten vergewaltigt wird, ist, so muss und sollte man es zum Ausdruck bringen, einfach nur verstörend. Gewalt wird hier stets als etwas abstoßendes, zerstörerisches präsentiert, anders als in vielen Splatterfilmen, bei denen man nur gierig auf den nächsten Effekt wartet. Abgehackte Gliedmaße, Spitzhacken, die in Schädel gerammt werden, abgeschlachtete Tiere, herausgerissene Gedärme - "The Hills Have Eyes" bietet die gesamte Palette an Grausamkeiten, und sollte deshalb von zartbesaiteten Menschen auch gemieden werden.

Der Regiestil Aja's hat sich gegenüber "High Tension" überraschenderweise noch verbessert, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Visuell äußerst versiert erzählt der Franzose seine Geschichte in staubigen, trockenen Bildern, die sofort an die guten, alten 70er Jahre - Terrorstreifen erinnern. Exzellente Kamera-Spielereien und ein wuchtiger, furchteinflößender Sound, der das perfekte Gesamtbild sehr gut unterstreicht, sind mir zudem noch positiv in Erinnerung geblieben. Aja zeigt sich auf dem Regiestuhl sehr selbstsicher und macht klar, wieso er die beste Wahl für dieses Remake war.

Man möchte es nicht für möglich halten, aber auch die Schauspieler begeistern restlos. Dadurch, dass die Einführungszeit recht lang geraten ist, bekommt jeder im Cast die Chance, sein Können zu zeigen, was auch von allen souverän erledigt wird. Egal ob Ted Levine als rauer Ex-Cop, der den Freund seiner Tochter für ein Weichei hält, oder Dan Byrd als Sohn, der von Anfang an spürt, das etwas nicht stimmt - nichts zu meckern, einfach super! Da vermisst man nicht einmal mehr den hübsch-hässlichen Michael Berryman, der durch seine Rolle im Original bekannt wurde.




"The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen" mag das Genre zwar nicht neu definieren, aber er perfektioniert es und das ist einzig und allein Alexandre Aja zu verdanken. Wen es da wirklich noch stört, dass die Story altbekannt ist und so schon oft da war, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Aja beweist hiermit, dass sein "High Tension" keine Eintagsfliege war und er einer DER künftigen Garanten für harten, kompromisslosen Horror ist. Schon lange habe ich nicht mehr so extrem verstört und gefesselt vor meinem Fernseher gesessen wie beim Betrachten dieses Films. "The Hills Have Eyes" ist trotz einer langsamen Einführung letztendlich ein Meisterwerk an Spannung, Atmosphäre und brutalster Gewalt, die einen durch ihre direkte Darstellung da trifft, wo es weh tut.

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