Review

Mittlerweile ist die Japanowelle in Hollywoods Horrorfilmen weitgehend abgeklungen. Die Studios bedienen das Publikum nunmehr mit Produktionen altbekannter Machart, die in erster Linie auf Sadismen und Quälszenarios setzen. Auch "The Hills have eyes" ist ein Vertreter dieser Sorte - doch leider ist es nur die barbarische Gewaltdarstellung, mit der der Film aufmerken kann.

Denn die Story bedient sich aus den üblichen, hinlänglich bekannten Klischees der "Hinterland-Horrorfilme", und wer nur einen solcher Filme gesehen hat, kann sich schon denken, wie das Schicksal der Familie aussieht, die mit ihrem Wohnwagen in der einsamen Wüste Neu Mexikos festsitzt. Denn hier hausen kannibalische Psychos, die von den Atomtests der 50er Jahre übelste Strahlungsschäden abbekommen haben. Und die machen mit Besuchern natürlich kurzen Prozess. Es dauert eine gute Dreiviertelstunde, in der die Familie groß und breit vorgestellt wird, ohne dass aber ein vernünftiger Grund geliefert werden kann, was sie überhaupt in der Wüste verloren haben. Von Spannung kann keine Rede sein, dass bald die ersten Leichen zu beklagen sein werden, kann man sich eh denken. Dann ist es auch soweit, und "The hills have eyes" zeigt sein wahres Gesicht, von dem man im Teaser schon eine leichte Vorahnung bekommen konnte. Die Orks greifen den Wohnwagen an, und nun muss man sich minutenlang den abartigen Style des Jahres 2006 geben, in dem Menschen gequält, misshandelt, gefoltert, verbrannt, erschossen werden. Wir sehen die entstellten, grinsenden Peiniger, die hilflos weinenden Frauen, die Kamera weidet sich in Grauen und Leid, das Blut fließt nur so durch die Gegend. Auf gewisse Weise ist dies die intensivste Szene des Films, mit Sicherheit auch die kränkste.

Wer es von da an noch aushält, sieht eine überraschend spannende Filmsequenz, in der der Handygeek sein verschlepptes Baby sucht. Dabei stößt er auf ein gespenstisches Modelldorf der 50er Jahre, in dem sich die Opfer versteckt halten. Dies ist überaus atmosphärisch und spannend gemacht. Leider artet auch diese Sequenz in ein ideenloses Gekämpfe in typischer "Kettensägen-Massaker"-Manier aus, wobei der Ober-Psycho alternativ eine riesige Axt schwingt. Die Gewaltdarstellung ist noch ekelhafter als alles bisher gezeigte, wenn auch nicht mehr gar so abstoßend, da es jetzt nur noch gegen die Trolle abgeht. Der Handy-Man wächst, wie das halt so üblich ist, über sich hinaus und serviert einen Troll nach dem anderen ab, detailliertestes Gehacke, Wundenbohren, Abschießen inklusive, versteht sich. Das Happy-End naht...

Falls man es meiner obigen Beschreibung nicht entnehmen konnte: "The Hills have eyes" richtet sich klar an die Klientel, die einen Film nach der Menge an Gewalt und Blut einstuft. Hier werden nur verkappte Sadisten, abgestumpfte Horrorjunkies und, allgemein gesagt, die Kleingeister der Gesellschaft glücklich. Denn abgesehen vom Blutgehalt hat der Film nur eine abgedroschene, vorhersehbare Handlung mit unscheinbaren Darstellern zu bieten. Die FSK liefert einen weiteren Beweis ihrer unglaublichen Unfähigkeit, indem sie diesem Machwerk die Index-Tauglichkeit abspricht. Ein Großteil der Horrorfilme, die die BPJM kassiert hat, sind harmloser als "The Hills have eyes".

Fazit:
Wer mal wieder was krankes braucht, wer sich an Perversionen aufgeilen kann, ist mit "The hills have eyes" gut bedient. Wer aber von einem Horrorfilm mehr erwartet als nur Blut und Quälerei, und außerdem noch einigermaßen was in der Birne hat, sollte die Finger von dem Film lassen.

2/10

Details
Ähnliche Filme