Review

Der moderne „Horrorfilm“. Man hat es ja gerade als Veteran auf diesem Gebiet nicht gerade leicht damit, mal wirklich richtig gut durch einen neuzeitigen Streifen unterhalten zu werden. Doch Ajas neuester Schocker schafft das. Basierend auf Wes Cravens 70er-Erstling kreierte er eine derbe Gewaltkanone, die nur wenig Grenzen kennt und selbst die hart gesottenen Fans moderner 18er-Streifen sprachlos machen kann. Anhand der ewig langen Leiste von Reviews zu diesem Film lässt sich zumindest sagen, dass „The Hills have Eyes“ einen prägenden Eindruck hinterlassen hat – welcher Art auch immer. Doch auch er kommt nicht ohne eine riesige Kehrseite aus. 

Was meinen Teil betrifft: mal halb lang. Leider gehöre ich nun mal zu oben genannter Fraktion (der Veteranen), die leider so gut wie nichts mehr hinter dem Ofen hervorholen kann. Und auch „The Hills have Eyes“ gehörte (beim Fantasy Filmfest) nicht dazu. Dabei gibt sich Aja wirklich reichlich Mühe, was man ihm definitiv zu Gute halten muss: nach einem gut halbstündigen Einstieg, in dem die obligatorische, unheilvolle Stimmung aufgebaut wird, geht’s richtig gut ab: reichlich harte Gewalteffekte wie ein Schrotflinten-Suizid, die Verbrennung von Ted „Buffalo Bill“ Levine sowie zweierlei Vergewaltigungen mit Todesfolge sind nur einige Beispiele dafür, was in diesem Film so alles abgeht... 

...aber nach der ersten Schockwelle geht das Niveau wieder mal richtig runter und der Film wird vom Ablauf her so was von altbacken und dämlich, das man fast ausschalten möchte. Das tut man jedoch allein deswegen nicht, weil der Spannungspegel trotz des eben angesprochenen Punktes konstant oben bleibt und auch die Action und der Splatter kaum zurückgeschraubt werden. Insgesamt fällt einem doch leider immer mehr auf, wie stereotypisch das Muster zu „The Hills have Eyes“ doch mal wieder ausgefallen ist: irgendwie ist sehr viel doch vorhersehbar, und das Verhalten der Opfer ist auch irgendwie genauso dumm wie sonst auch. Aber wozu Innovation, wenn die Schockwirkung doch vollkommen ausreicht? Die Kamera leistet exzellente Arbeit und fängt das blutige Geschehen mit dem bestmöglichen Effekt ein, und auch ansonsten kann man die geschaffene Stimmung nur als gelungen bezeichnen. Doch was das Vorfeld versprach, wird kaum gehalten: denn als einer der Hauptgaranten für die extrem verstörende Wirkung dieses Remakes wurde der extreme Realismus / die extreme Realitätsnähe genannt. Durch Nukleartests zu Monstern entstellte Prärie-Hillbillies, die abgeschottet und unentdeckt in der Wildnis leben und vorbeiziehende Reisende morden und fressen? Was für ein Bullshit soll das denn sein..? Wo das „Texas Chainsaw Massacre“ (ein Bezug des Films) noch nachvollziehbar war, driftet „The Hills have Eyes“ doch deutlich in den Schwachsinn ab und die extreme Monstrosität der Schlitzer trät nicht gerade dazu bei, davon wieder wegzukommen. 
  
Aber trotzdem: der Film schafft es zumindest, zu unterhalten und rechtfertigt qualitativ den DVD-Kauf. Und mit Sicherheit sticht er noch viel vom anderen modernen Schrott aus. Ist übrigens erstaunlich, wie es der Film zu „keiner Jugendfreigabe“ gebracht hat, dessen Effekte in den 80ern locker für eine Beschlagnahmung gereicht hätten. Können nicht alle Filme von genau_dieser Gremienkonstellation bewertet werden?

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