Fröhliches Mutantenschlachten in der Wüste
Mit dem harten, geradlinig inszenierten "High Tension", einem Lehrstück hinsichtlich Spannungsaufbau, wurde er bekannt. Alexandre Ajas US-Debut kippt seinen kompromisslosen Stil leider in eine überdurchschnittlich brutale Plattitüde mit verherrlichenden Tendenzen.
Großfamilie in Gefahr
Wie schon im Original von Wes Craven, ist die Story des Remakes schnell erzählt. Eine Familie, bestehend aus Eltern, Sohn, zwei Töchtern, einem Schwiegersohn und Baby, fährt mit dem Wohnwagen durch die Wüste. An einer Tankstelle werden sie vom zwielichtigen Tankwart in eine falsche Abkürzung geschickt, die sich als Sackgasse erweist. Es stellt sich heraus, dass sie in einem ehemaligen Atombomben-Testgebiet gelandet sind, wo mutierte, menschenfressende Einwohner einer Geisterstadt auf die Eindringlinge warten, um sie entweder zu essen, oder auszuplündern, oder im besten Fall beides zu tun. Horrorfans vermuten hier völlig richtig: Je größer die Familie, desto höher der Bodycount.
Kompromisslosigkeit und viel Blut
Trotz Kürzungen der MPAA in der internationalen Kinofassung bleibt das Remake des Siebziger-Horrors von Wes Craven unerwartet brutal für einen typischen, zielgruppenorientiert produzierten Horrorfilm. Das liegt eben daran, dass der Franzose Aja Regie und Buch der Neufassung übernahm und seine aus "High Tension" bekannte Härte weiter kultiviert hat. In epischer Breite werden Köpfe zerschossen, Menschen lebend gegrillt und ganze Baumarktlager an spitzen Werkzeugen in Köpfe, Bäuche und Glieder gestochen. In der ersten Hälfte des Filmes fällt die ganze Gewalt noch nicht wirklich negativ auf. Mitunter gelingt es Aja durch sein solides Inszenierungstalent eine beklemmende Spannung aufrechtzuerhalten, und gerade die ersten Todesfälle beim Kampf gegen die Verstrahlten vermögen es sogar, einem richtig nahe zu gehen. Der gnadenlose Einbruch der Gewalt manifestiert sich in nachvollziehbarem Leid der Opfer. Wie auch in "High Tension" zielt der Film auf die Zerstörung der letzten sozialen Zuflucht, dem sicheren Haltesystem eines (vor allem amerikanischen) Menschen; der Familie. Das ist ein zentrales Motiv bei fast allen Horrorfilmen und Thrillern, doch bestand gerade bei "High Tension" der Reiz darin, dass jene Dekonstruktion beispiellos konsequent von Anfang bis Ende in Form eines Überlebenskampfes durchgezogen wurde. Der Rahmen "legitimierte" (im dramaturgischen Sinne) gewissermaßen die überbordend explizite Gewalt, als sie stehts die mit bitterem Leid verbundene äußere Bedrohung darstellte. Ihre Wirkung war somit durchaus angsteinflößend und abstoßend, eben der angestrebte Terror-Effekt. "The Hills Have Eyes" steht mit "High Tension" hinsichtlich des Blutgehalts ungefähr auf einer Ebene, trotzdem ist "High Tension" oder auch, um ein weiteres gutes Beispiel blutigen Horrors anzubringen, "The Descent" weitaus intensiver und heftiger.
Die Freude am Töten und das Abflachen der Handlung
In der Ernsthaftigkeit liegt das Problem des Films. Obwohl diese in der ersten Hälfte des Filmes inszenatorisch vorhanden ist, stoßen schon da unnötige Plattheiten auf: Zu klischeehaft erscheinen die Figuren, die über einfache Stereotypen kaum hinauskommen, sowie ihre Dialoge. Man kennt das alles schon zur Genüge. Der Versuch, mit politischen Seitenhieben aufzutrumpfen, schlägt ebenfalls fehl, da die Witze zu platt sind, den Ernst stören, und durch das reaktionäre Ende sowieso relativiert werden. Überhaupt scheint mir die Vorhersehbarkeit das größte Problem des Filmes zu sein, auf technischer wie inhaltlicher Ebene. Subjektive Kameraeinstellungen und standardisierte dissonante Horrormusik deuten oft schon vor der Action an, wohin der Hase läuft. Verhalten und Charakterentwicklung der Protagonisten tun ihr übriges, sodass gerade die zweite Hälfte des Filmes, der ausufernde Kampf der Guten gegen die bösen Menschenfresser, keine rechte Spannung und Neugier mehr wecken will. Wie in "The Descent" bleiben die Bösen oberflächliche Monster, doch hier bleiben auch die Guten nur oberflächlich, wohingegen "The Descent" den interessanten Aspekt der Psychologie in Extremsituationen intelligent einbezieht. Als am Ende dann schließlich der wichtigste Eckpfeiler in Ajas Inszenierung endgültig kippt - die konsequente Kompromisslosigkeit - wird der Film zu einem überpathetischen, überstilisierten Heldenkampf gegen die Mutanten. Natürlich müssen die Monster bluten, das ist nur gerecht - der Film verfällt selbst der anfangs noch ironisch verspotteten Hau-Drauf-Mentalität. Damit ist auch die Gewalt moralisch legitim und der Held kann stilvoll und cool in Szene gesetzt schlachten, vielleicht auch grinsen, wenn's geklappt hat. Hier wird die enorme Gewalt problematisch, denn der ernste Anfang erscheint nunmehr in einem anderen Licht. Sollte er nur die kaum nachvollziehbar rohe Gewalt der Heldenfiguren rechtfertigen? Wenn ja, so ist das Verherrlichung.
Fazit
Aus "The Hills Have Eyes" hätte ein solider Horrorfilm werden können, der eine neue europäische Ernsthaftigkeit im Zeichen von "High Tension" oder "The Descent" widergespiegelt hätte. Die Ansätze sind da, der Film kann anfangs noch überzeugen, doch leider vermasselt es der Hoffnungsträger Alexandre Aja mit seiner Version des Drehbuchs und liefert danach ein größtenteils reizloses, vorhersehbares Schlachtfest, das sich etwas zu leichtsinnig in detaillierter Gewalt suhlt. Horrorfreunden wird das ziemlich egal sein, sie bekommen das, was sie sehen wollen, in voller Dröhnung. Ich halte dieses Gewaltverständnis jedoch für ein problematisches Symptom des amerikanischen Mainstreams im Allgemeinen, welches sich hier aufgrund der Fülle in besonderer Schwere präsentiert.