Review

Die „neue harte Horrorwelle“ boomt noch immer und ich frage mich wirklich, wieso. Nach dreisten Plagiaten (Wrong Turn), unnötigen Remakes (TCM), Pseudo-Schockern (Saw) und sonstigem Schrott (Cabin Fever) braucht meiner Meinung nach niemand solche Filme mehr. Viele weitere Horrorfans sehen das allerdings völlig anders und Regisseure wie Alexandre Aja werden ohne Ende abgefeiert. Und schon wieder versteh ich das Warum nicht, denn High Tension war in meinen Augen nur ein 08/15-Slasher mit derben Effekten und beklopptem Ende. Hier ist das Nachfolgeprojekt: mal wieder ein Remake, aber da ich Wes Cravens Original (noch) nicht kenne, war ich zumindest nicht „vorbelastet“.

Allerdings erfüllte mich schon der Beginn mit Skepsis, denn dieser erinnerte mich an Wrong Turn, nur diesmal in der Wüste und wesentlich härter. Aha, in dieser Einöde lauert also der Tod. Gut dass das gleich klargemacht wird, denn ohne diese Einleitung hätte ich im weiteren Filmverlauf sicher gedacht, dass die gezeigte Familie zum Zocken nach Las Vegas fährt und die Hügel der blutigen Augen der Ort sind, wo mit Falschspielern und ihren präparierten Würfeln abgerechnet wird.

Der anschließende Vorspann ist ziemlich stimmig inszeniert. Gezeigt werden hier mit lustiger Musik unterlegte Atomtests und zwischendurch werden dadurch entstellte Hackfressen mitsamt verstörenden Geräuschen reingeschnitten. Sieht wirklich „schick“ aus, weiter so, dachte ich mir. Aber nichts da, denn die nächste dreiviertel Stunde passiert so gut wie gar nichts. Ne Familie kommt an eine Tankstelle, die einem alten Idioten gehört. Dieser hat zwei gute Szenen im ganzen Filmen, nämlich als er mit Zigarre im Mund die Frage, ob Rauchen an der Tankstelle nicht verboten ist, debil grinsend bejaht und wenn er sich später selbst die Rübe wegschießt.

Die Familie wird von ihm natürlich in die Todeswüste geschickt, wo sie prompt einen Unfall hat und von der Außenwelt abgeschnitten ist. Höchste Zeit also, sich gegenseitig anzuzicken und bei diesen Szenen kann man dann eventuell auch mal schmunzeln. Sonst geht nicht viel: Daddy will Benzin holen und ein Hund beißt ins Gras bzw. auf Granit bzw. wird aufgeschlitzt vom Sohnemann gefunden. Natürlich erzählt er das den anderen vorerst nicht, er wollte ja niemanden beunruhigen, wie wir später erfahren. Grund zur Sorge hätte es jedenfalls gegeben, denn in der Nacht kommt Daddy anders zurück als er gegangen war und obendrein bekommen sie auch noch ungebetenen Besuch.

Endlich etwas Action und hier kann der Film punkten. Die atomverseuchten Hillbillies gehen nicht gerade zimperlich mit der Familie um und sorgen somit für eine gewisse Terroratmosphäre. Die Masken sind größtenteils gelungen, nur der Opa mit der Hasenscharte sieht reichlich bescheuert aus. Dafür ist er umso skrupelloser, wenn es ums Quälen der Opfer geht. Na jedenfalls müssen ein paar Familienangehörige dran glauben, ein Baby wird entführt und der Rest schwört grausame Rache. Diese hat dann viele „nette“ Effekte zu bieten, oder anders ausgedrückt: es wird bis zum Ende rumgemanscht wie schon lange nicht mehr.

Die explizite Brutalität, sowohl körperlich als auch psychisch, ist allerdings der einzige Grund, sich diesen Film anzusehen (sofern man Gewalt unterhaltsam finden kann – alle anderen sollten einen großen Bogen um ihn machen), denn wenn nicht gemetzelt und gequält wird, geht der Horror nur von der omnipräsenten Langeweile aus. Dramaturgisch geschieht in den blut- und terrorarmen Sequenzen überhaupt nichts, sodass die Spannung allein von der An- und Abwesenheit der Verfolger abhängt. Für einen guten Horrorfilm ist das eindeutig zu wenig, zumal das hier Gezeigte alles andere als neu ist, nur eben etwas härter als sonst. Aber Härte allein ist bekanntlich kein Qualitätsmerkmal, nicht mal im Horrorgenre, auch wenn das einige verstrahlte Leute anders sehen.

4 / 10

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