Notwendig sind Remakes berühmter Horrorklassiker ja eigentlich nicht, so viel ist im Zuge der Welle, die gerade durch unsere Kinos schwappt, schon festzustellen.
Einem hervorragenden oder stilbildenen Film kann kein moderner Regisseur, sei es nun ein jugendlicher Videoclip-Junkie oder eine feste Größe im Biz nichts Essentielles mehr beisteuern, was aber auch nicht so schlimm ist, da der Remake-Wahn eigentlich nur ein billiges Cash-In ist, mit dem man bei leichtgläubigen Teenagern einen schnellen Dollar machen kann.
Eine löbliche Ausnahme bietet Alexandre Ajas „The Hills have eyes“, der sich dem eher in B-Kreise berüchtigten Wes-Craven-Film gleichen Namens angenommen hat, um ihn für das neue Jahrtausend noch einmal in Bilder zu fassen. Aja hatte mit „High Tension“ zwar erzählerisch eher für Kopfschütteln gesorgt, aber dennoch den Terror recht gut auf die Leinwand gebracht, insofern durfte man ein bisschen Vertrauen mitbringen.
Tatsächlich versuchte der Franzose sich dann auch nicht an irgendwelchen modernen Technikmätzchen, sondern motzte die Story von der Urlauberfamilie, die in einer abgelegenen Wüstengegend einer Horde verstrahlter Mutanten zum Opfer fällt, lediglich durch erlesene Optik und den modernen Drive auf.
Ansonsten beließ er alles beim Alten: Vater, Mutter, Tochter, Kinder, Schwiegersohn; dazu eine Abkürzung durch unbekanntes Gebiet und los geht die Jagd.
Aja orientiert sich dankbarerweise am Suspense, folgt also praktisch Carpenterschen Vorbildern, erweitert sie aber insoweit, dass er verstärkt den Massengeschmack nach Gore bedient. Er belässt es bei der Drohung, das hier irgendwo im Nirgendwo was nicht stimmt (nachdem gleich zu Beginn ein paar Wissenschaftler volle Hacke auf die Hucke bekommen haben) und schwelgt im Setting: eine sonnendurchflutete, staubig-steinige Hügelkette, in der man wunderbar stranden und sich noch besser verstecken kann.
Hier gibt es keine wesentlichen Plot-Überraschungen, man ahnt früh, wie die Geschichte geht und Aja bleibt straight, putzt die Figuren baldigst gnadenlos wech und fördert das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit. Die amerikanische Musterfamilie samt Waffe für alle und mit Baby im Gepäck wird formschön demontiert und so zur Halbzeit gehen die Mutanten dann zum offenen Krieg über.
Das ist natürlich nichts fürs Kaffeekränzchen, sondern hart am Rande des Selbstzwecks. Aber, soviel Geschmack muß sein, selbst die Vergewaltigung eines Teenagers reißt er nicht geifernd vors Kameraauge, sondern spart überflüssige Details aus – dafür geht er mit der Kamera aber voll ran, wenn irgendwo was durchbohrt, zermatscht oder abgehackt werden kann.
Eine Fest für Gore-Freaks könnte man meinen und immerhin so ironisch, ausgerechnet den eher pazifistisch und lasch eingestellten Schwiegersohn nach und nach zum um sein Leben kämpfenden Stehaufmännchen aufzubauen, der auf Teufel komm raus nicht tot zu kriegen ist. Aaron Stanfords Doug verwandelt sich peu a peu von der Sülznase zum Punchingball mit wahnsinnig aktiven Überlebensimpulsen. Ob er nun von einem Riesenmutanten quer durch ein Haus und durch alle Wände geprügelt wird oder in einer Kühltruhe voller Leichenteilen landet, die Sympathien hat er sich nach und nach redlich verdient.
Besonders gelungen übrigens das set design, eine Ansammlung aus Staub, Dreck und reichlich ruinösen Überbleibseln verfrühstückter Durchreisender, dazu die morbide Atmosphäre eines Modeldorfs für ein atomares Testgelände, in dem die Butzemänner hausen.
Über den psychologischen Unterbau sollten wir uns lieber weniger kümmern, böse ist hier mal wieder monströs und deformiert, als Ausgleich entdeckt jedoch der Soziologiestudent das innere Tier im Manne und hackt im Notfall los, als gäbe es kein Morgen.
„The Hills have eyes“ ist wie „High Tension“ ein Film geworden, der irgendwie weh tut. Da ist kein Spaß für die Pizzafreunde am Meucheln, Aja inszeniert hier harte Arbeit, die um so beklemmender wirkt, je weniger Leute zuschauen.
Am Ende ist man irgendwie erleichtert und applaudiert seinem inneren Neandertaler fröhlich zu. Sind wir damit einem Filmemacher auf den Leim gegangen? Wenn schon…
Definitiv eine harte und dreckige Nuss von einem Reißer, der auf seine ungewöhnliche Weise (Weite statt Enge, Licht statt Finsternis) wesentlich besser sein Ziel erreicht als all die modernen Saw- und Hostel-Slasher, die schon per Plakat informieren, wie evil sie sind. (8/10)