Eine amerikanische Familie befindet sich gerade in der kalifornischen Wüste auf dem Weg in den Urlaub, bis sie dort schließlich aufgrund einer Reifenpanne vorerst verweilen müssen. Dummerweise befindet sie sich auf einem Gelände, auf dem vor einigen Jahren Atomtests durchgeführt worden waren, die eine handvoll Ortsansässiger zu blutrünstigen Bestien mutieren ließen, die in der Gegend nach wie vor ihr Unwesen treiben.
Mit "High Tension" hatte Alexandre Aja in Frankreich bereits für Aufsehen gesorgt, weswegen die Erwartungen an sein Remake von Wes Cravens "Hügel der blutigen Augen" alles andere als gering waren. Und auch mit seinem zweiten Horrorfilm lieferte der französische Filmemacher eine überdurchschnittlich gute Produktion ab, was im, in Stereotypen, Klischees und Durchschnittsprodukten versinkenden Horror-Genre schon etwas heißen will.
Allerdings ist auch "Hills Have Eyes" sehr eng an den typischen Handlungsbahnen des Genres orientiert und sorgt nicht wirklich für Überraschungen. Zu Gute zu halten ist Ajas Werk dabei jedoch besonders, dass er die Mutanten erst relativ spät auftreten lässt und sich zunächst einmal Zeit nimmt, eine bedrohliche Atmosphäre zu kreieren, bevor die kalkulierbare Metzel-Orgie schließlich beginnt. Außerdem liefert Aja vor allem in der ersten Filmhälfte ein paar ironische Blicke auf die amerikanische Familien-Idylle, die aber auch keine weltbewegende Neuerung im Horror-Genre darstellen.
Was "The Hills Have Eyes" also auszeichnet sind eher weniger die Story oder die Grundidee, zumal diese ja schon in Cravens Original Verwendung fand, es ist vielmehr Ajas Umsetzung des Stoffs. Wie schon bei "High Tension" steigert Aja auch hier die Spannung permanent, lässt sich zunächst Zeit, um eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, erhöht dann relativ zügig das Tempo und treibt den Spannungsbogen schließlich im geschickt konstruierten Finale, bei dem die letzten Überlebenden schließlich das Dorf der Mutanten stürmen, auf die Spitze, ohne, dass auch nur zu einem Zeitpunkt Langeweile aufkäme.
Übers Mittelmaß hinaus tragen den Film dabei vornehmlich die drastischen Splatter-Szenen, die knallhart und ohne jeden Humor serviert werden und der Mut zu wirklich schockierenden Momenten, man denke nur an die Vergewaltigungsszene, oder die Tatsache, dass die Mutanten auch vor dem Baby der Familie zunächst nicht halt machen. Gewalt und Brutalität werden zwar ganz klar zum Selbstzweck verwendet, aber in dieses dreckige, brutale und atmosphärische Werk passen sie sehr gut und so funktioniert "The Hills Have Eyes" als spannender, mitreißender und bedrückender Horrorfilm alles in allem ziemlich gut.
Ein weiterer kleiner Pluspunkt, den der kurzweilige Horrorfilm auf der Haben-Seite verbuchen kann, ist die Hochglanzoptik, so ist die surreale Schönheit der kalifornischen Wüstenregion beim Aufbau der dichten Atmosphäre durchaus förderlich und so kommt diese auch zustande, ohne, dass Aja auf düstere Höhlen oder dreckige Folterkeller als Kulisse zurückgreifen muss. Die musikalische Untermalung bleibt dabei relativ unauffällig, ist aber am Aufbau der Atmosphäre nicht ganz unbeteiligt, genauso, wie die Maske, die die Mutanten zwar sehr bedrohlich und beängstigend aussehen lässt, aber so gut gewählt ist, dass kein trashiger Beigeschmack entsteht oder "The Hills Have Eyes" zur Freakshow verkommt.
Abgerundet wird das Ganze durch den ordentlichen Cast. So überzeugt Aaron Stanford, der noch den ambivalentesten der eher schwach konstruierten Charakter zu spielen hat, durchaus, während Emilie de Ravin die Rolle der sympathischen Scream-Queen voll ausfüllt und auch die restlichen Darsteller kaum Grund zur Beschwerde lassen.
Fazit:
Optisch überaus gelungen, darstellerisch durchaus ordentlich, in jeder Hinsicht sehr drastisch und atmosphärisch enorm dicht. So serviert Alexandre Aja, der auch hier sein Talent unter Beweis stellt, die stereotype Story und liefert so einen überdurchschnittlichen und sehenswerten Horrorfilm ab, der dann aber doch ein wenig an seiner Kalkulierbarkeit krankt.
69%