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In die lange Reihe mal mehr, mal weniger erfolgreicher Zusammenarbeiten der beiden Western-Legenden John Wayne und John Ford gehört auch das Bürgerkriegs-Abenteuer „Der letzte Befehl" (einmal mehr ein reichlich einfallsloser deutscher Verleihtitel im Vergleich zum Originaltitel „The horse soldiers"). Auch wenn Ford schon bedeutend tiefgründigere und gesellschaftskritischere Werke inszeniert hat, gehört dieser Streifen klar zu seinen unterhaltsamsten und kurzweiligsten.

Das dürfte vor allem an der grandiosen Performance des Duke liegen: Die charmante Rauheit, mit der Wayne hier durch die Gegend stapft, Befehle bellt und im Minutentakt einen lässigen Spruch ablässt, kann einfach bestens unterhalten und sorgt für eine Menge Humor. Damit stiehlt er all seinen Co-Darstellern ganz klar die Show, sei es nun William Holden als engagierter Militärarzt, der Humanismus über Militaristik stellt, oder die Südstaaten-Schönheit Buford (Anna Lee), die als Geisel auf den Feldzug zur Zerstörung einer Eisenbahnlinie mitgenommen wird und sich nach einigem Hin und Her als liebreizend und dem Charme des Duke hilflos ergeben erweist.

Um dieses Abenteuer inmitten des Bürgerkriegs glaubhaft zu inszenieren, scheute Ford einmal mehr keine Kosten und Mühen. Mit imposanten Settings, einem gelungenen Mix aus Originalschauplätzen und Studiobauten und Massen an Material und Komparsen lässt er kriegerische Auseinandersetzungen sowie Leid und Elend des Soldatseins durchaus überzeugend auferstehen. Als actionreicher Höhepunkt erweist sich dabei vor allem eine plötzlich hereinbrechende Schießerei in dem Städtchen Newtown und die danach stattfindende Sprengung der Lok und Zerstörung der Gleise. Für genügend Abenteuer und Action mit ordentlichen Schauwerten ist hier allemal gesorgt.

Dass der Film die eine oder andere Möglichkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit der Sklaverei und der Heuchelei der Südstaaten, deren Ehrenkodex um extrem viel Höflichkeit bemüht ist, aber Menschen wie Vieh halten kann, nicht annimmt, ist ein wenig schade - so läuft eine Szene, in der eine riesige Sklavenfamilie den Arzt um Hilfe bei einer Geburt bittet, in dieser Hinsicht ins Leere, auch wenn man hier zumindest erahnen kann, unter welchen Umständen diese Menschen damals ihr Leben fristen mussten. Für eine tiefere Auseinandersetzung mit solchen Themen ist „Der letzte Befehl" zu sehr auf Unterhaltung ausgerichtet - bis auf den zentralen Konflikt zwischen Raubein Wayne und Humanist Holden gibt es hier keine ernsteren Herausforderungen.

Dafür begeistert „Der letzte Befehl" als reiner Unterhaltungsfilm, dessen Dramaturgie und Charaktere für durchgehend spannende Szenen sorgen, immer wieder zum Lachen reizt und mit einigen starken Kampfszenen für ordentlich Spannung sorgt. Und dass die zarte Liebesgeschichte zwischen Wayne und Lee hollywooduntypisch nicht erfüllt wird, ist immerhin ein schönes Zeichen dafür, dass sich Ford den erzählerischen Konventionen seiner Zeit nicht völlig beugt. Wenn auch keines seiner zeitlosen Meisterwerke, ist dieser Film doch ein gelungener Abenteuerstreifen, der durchgehend zu packen weiß.

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