Oh ja, da ist er endlich, der neue Film von Mike Mendez. Killers und The Convent waren nicht wirklich Genreklassiker der Horrorecke. Jeder, der die Filme gesehen hat, wird sich noch an die recht billig produzierten Streifen erinnern: Total überdreht und mit sehr guten Ansätzen, aber im Großen und Ganzen konnten sie nicht völlig überzeugen. Heute durfte mir sein dritter Film den Abend versüßen. Wirklich gut ist dieser auch nicht - aber unterhalten kann er trotzdem - auf die etwas andere Art und Weise.
Nachdem die Beerdigung ihres alten Freundes für Harris, Kira und Sid in einem Bad in Alkohol endet, wird ein folgeschwerer Fehler ihr komplettes Leben verändern. Durch den nächtlichen Tanz auf den Gräbern des Friedhofes erwecken sie einen Fluch, der 3 (nicht 13) Geister erweckt, die nach ihrem Leben trachten. Was mit Poltergeisterscheinungen beginnt endet in blankem Terror Marke Tanz der Teufel.
Neben einem ansehnlichen Schauspielerensemble, dem u.a. Tchéky Karyo (Crying Freeman, Nikita, Kiss of the dragon) und dem nicht wirklich überzeugden Dominic Purcell (Prison Break) angehören, wirkt Gravedancers nicht so billig wie Mendez´ Vorgängerarbeiten - dennoch kommt Gravedancers nicht über die B-Movie-Klasse hinaus. Aber das ist ja noch nichts wirklich negatives.
Die erste Hälfte des Filmes wirkt recht gut konstruiert und es mag auch wirklich Spannung aufkommen, läßt man ein paar recht dümmlich wirkende Dialogfetzen und Szenen, die nur zu 99% sitzen außer acht. Mit dem Auftauchen von Karyo beginnt dann jedoch ein Hauch von (un)freiwilligem Humor einzusetzen, denn seine Rolle als französischer PSI-Experte mag nach einer Flasche Wein dem positiv gestimmten Zuschauer ein Schmunzeln über das Gesicht zaubern. Will sich vor dem großen Finale ein kleiner Hänger einschgeschlichen haben (die Grabraub-Szene kann, wenn auch nur zum Teil, ein wenig lächerlich erscheinen und man bekommt schon Angst, der Film wird nun völlig ins Grotige kippen), kann man sich auf ein Finale freuen, welches nochmal ordentlich an Tempo anzieht und auch völlig in Ordnung geht. Das Ende mag zwar nun völlig überzogen erscheinen und jetzt dürfte auch jedem klar sein, dass Mendez seinen neuen Film zu keiner Zeit ernst nehmen konnte (wollen wir es mal hoffen), aber wir haben es ja mit einem Horrorfilm Marke "Undead" und "Dead & breakfast" zu tun, da muß man mal ein Auge zudrücken und sich einfach unterhalten lassen.
Ein Meisterwerk wurde "Gravedancers" wahrlich nicht: viele Schockeffekte funktionieren, manche kommen einfach nur zu konstruiert oder billig rüber. Auch Handlung und schauspielerische Leistung wirken an manchen Stellen doch etwas dünn, aber in einer geselligen Runde mit Bier und Heimkino mag hier trotzdem keine Langeweile aufkommen. Hat sich Mendez wieder fröhlich bei Carpenter, Raimi, Bava und diesmal sogar bei Shimizu bedient, muß das für den trash-geneigten Fan nicht spaßbremsend wirken - und so trashig ist der Streifen gar nicht, er kann auch den etwas zartbeseiteten Max Mustermann lohnenswert unterhalten, wobei einige geneigte Gorehounds auch diesmal wieder gar nichts mit dem Werk anfangen werden können.
Seine Fingerabdrücke hat Mendez hier trotzdem hinterlassen, auch wenn Gravedancers etwas routinierter daher kommt als seine bisherige Regiearbeit. Ganz zu abgedreht ist sein Neuling dafür nicht, auch die Gorefans müssen hier eher einen Gang zurück schalten, aber eine totale Bauchlandung mußte Mendez (wieder) nicht hinlegen, wobei seine Arbeit nach wie vor kontrovers bleiben wird.
(5,5/10 Punkte)