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„Ich hab ‘ne Menge seltsamen Scheiß erlebt!“

US-Regisseur Mike Mendez‘ nach den umstrittenen Filmen „Killers“, „Bimbo Movie Bash“ und „Convent“ vierte Regiearbeit datiert auf das Jahr 2006 und hört auf den Namen „The Gravedancers“, sein bis dato auch letzter Spielfilm. Die drei alten Schulfreunde Harris (Dominic Purcell, „Blood Creek“), Kira (Josie Maran, „Van Helsing“) und Sid (Marcus Thomas, „Abgezockt!“) treffen sich nach langer Zeit wieder, um Abschied von ihrem verstorbenen Freund Devin zu nehmen. Nach der offiziellen Trauerfeier betrinkt man sich und sucht erneut den Friedhof auf. Dort finden sie ein Gedicht, das sie laut rezitieren und der poetischen Aufforderung, auf den Gräbern zu tanzen, prompt nachkommen. Was sie nicht ahnen: Durch ihren Tanz haben sie die Geister der Toten herbeigerufen, die sie fortan verfolgen – unter dem zweckentfremdeten Boden zur vermeintlich letzten Ruhe liegen nämlich ein paar ganz besonders finstere Gesellen begraben…

„An dieser Stelle beerdigt die Stadt ihre unerwünschten Personen: Die Mörder, die Vergewaltiger, die Geisteskranken, die Alkoholiker, die Obdachlosen!“

Ein klassischer Horrorfilm sollte es werden und tatsächlich beginnt „The Gravedancers“ durchaus vielversprechend: Mendez bedient sich dabei zahlreicher Genre-Vorbilder, von „Haunted House“-Gruslern bis hin zum einen oder anderen Zombiefilm, setzt diese Versatzstücke aber auf angenehme Weise zusammen und versteht es, manch Spukszene furchteinflößend umzusetzen. Leider behält er diesen Stil nicht durchgehend bei und verfällt – besonders in der zweiten Hälfte – wieder zunehmend in unpassende komödiantische Einlagen und Absurditäten, die die zuvor mehr oder weniger sorgsam aufgebaute Stimmung gefährden. Nachdem er das Grundgerüst seiner Geschichte geschaffen hat, wird die Handlung zumindest in Teilaspekten profan und wenig nachvollziehbar; als prominentestes Beispiel sei hier genannt, dass unsere drei Freunde die Existenz von Paranormalität und die beiden Forscher auf diesem Gebiet, die ihnen fortan zur Seite stehen, als gegeben hinnehmen, als wäre das alles nichts sonderlich Außergewöhnliches. Zu oft wabert „The Gravedancers“ oberflächlich vor sich hin, punktet dafür aber immer wieder mit unheimlichen Kreaturen, diesbzgl. guter Maskenarbeit, einigen morbiden Kulissen/Drehorten, makabren Skeletten etc., bietet also einiges, was das Horrorherz begehrt.

Die Idee, dass sich die Geister als diejenigen dreier Psycho- und Soziopathen entpuppen, deren unheilvolle Taten zu Lebzeiten in kurzen, gruseligen Rückblenden abgehandelt werden, ist wahrlich nicht schlecht, wenn sie sicherlich auch keinen Originalitätspreis gewinnt. Bis zum ziemlich furiosen Finale muss man sich jedoch mit eher blassen Darstellern auseinandersetzen, von denen besonders Dominic Purcell mit seiner Legofrisur und gefühlten Einfältigkeit Sympathie und Einfühlungsvermögen für das Trio seitens des Zuschauers immer wieder auf eine harte Probe stellt. Charismatischer ist das paranormal forschende Duo bestehend aus Tchéky Karyo („Dobermann“) und einer attraktiv und nerdig zugleich wirkenden Megahn Perry („Convent“). Ferner spreche ich Mendez‘ Film jeglichen Subtext und alles über die reine Präsentation einer systemerhaltenden Schauermär im B-Movie-Gewand Hinausgehende ab. Als zwar noch nicht wirklich gute, doch tendenziell überdurchschnittliche, kurzweilige Unterhaltung für Genrefreunde geht „The Gravedancers“ aber soweit in Ordnung, sofern man nicht mit übermäßigem Anspruch an den Film herantritt.

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