Wer in den letzten zwanzig Jahren auch nur ein winziges Fitzelchen an Interesse für Sitcoms entwickelt hat, kommt an der schrecklich netten Familie mit Namen Bundy kaum vorbei. Die Serie lief erfolgreich über 10 Jahre, elf Staffeln und insgesamt 260 Folgen, an denen sich der Zuschauer am Leiden von Al Bundy und seinen (vielen) Nöten ergötzen und sehr gut von seinen vielen Sprüchen unterhalb der Gürtellinie leben konnte. Gut, im wirklichen Leben hätten sich die Beteiligten höchstwahrscheinlich schon längst gegenseitig umgebracht, aber im Sitcom Land sind sowas die besten Vorraussetzungen mit einem Haufen gegeteiliger Charakter langfristige Unterhaltung zu bieten. Die letzten ein oder zwei Staffeln zeigten zwar schon starke Abnutzungserscheinungen, aber insgesamt zeichnete Married with Children sich durch ein absolut verdorbenes Familienleben aus, das es in dieser Form bisher nicht auf dem Markt gab und aufgrund dessen eigentlich jeden ansprach und zum Eigenvergleich aufforderte. Die Charaktere kennt eigentlich heutzutage beinahe jeder, schufen durch ihre Gegensätzlichkeit so viel Potential, das dies eine der langlebigsten Comedy Reihen überhaupt wurde. Als da wären:
Al: Titelfigur und seines Zeichens mißmutiges Oberhaupt (zumindest wäre er dies gerne) der Bundys. Er ist ein vom Leben gezeichneter Schuhverkäufer, der seinen Job haßt, seine Familie am liebsten eigentlich verlassen würde. Für die wenigen Dinge im Leben die ihm noch Spaß bereiten, wie seine Lieblingsserie "Psycho Dad", Bier, die Nacktbar, Tittenmagazine und seinen verflossenen High School Football Ruhm muß er hart kämpfen, ein Schicksal das vielleicht Mitleid erregen könnte, wenn er nicht bei jeder passenden Situation den fiesen Dreckspatz raushängen lassen würde.
Peggy: ist die treusorgende Ehefrau und der fleischgewordene Albtraum eines jeden Ehemannes, ihr Motto ist "Hausarbeit, nein danke", ihreTagesbeschäftigung läßt sich mühelos mit Fernseh schauen und Bonbons futtern beschreiben, Essen kochen ist ebenfalls etwas das anderen passiert. Sobald Al mal etwas Geld beiseite schaffen kann, findet sie es und verschleudert das ohnehin schon spärliche Einkommen der Familie für Homeshopping Trödel oder Unmengen an Lotterielosen, was aber letztendlich nicht ihre Schuld ist, da sie aus dem Inzuchtörtchen Wancker County kommt, inklusive malden Verwandten und der fettesten Mutter der Welt (die in der Serie leider nie gezeigt wird.
Der Dodge: das geschätzte älteste Mitglied des Bundy Imperiums. Dummerweise fährt die Familienkutsche kaum noch, wird von Rost und Vogeldreck zusammengehalten, sieht häßlich aus und muß als Rostlauben Running Gag ein trauriges Schicksal in der Garage fristen.
Buck: der Familienköter, hat das Ende der Serie leider nicht mehr erlebt, da seine Hundejahre abgelaufen waren und wurde durch die blasse Nachfolgetöle Lucky ersetzt. Buck st verfressen und eigentlich zu nichts zu gebrauchen, spricht aber aus dem Off stets seine bissigen Kommentare zum aktuellen Geschehen.
Kelly: ist die läufige Tochter der Sippe, ist dumm wie Stroh und hat auch dieselbe Haarfarbe. Markantestes Kennzeichen ist ihr Männerverschleiß, der höher ist als die mancher Kleinstadt, dennoch ist und bleibt sie Daddy´s liebste Dumpfbacke.
Bud: ist der dauerrattige jüngere Sohn und erklärter Lieblingsfeind seiner Schwester. Auch wenn er der eigentlich klügste Vertreter der Bundy Brut ist, fällt es ihm trotz aller Bemühungen sehr sehr schwer beim anderen Geschlecht zu landen, zum Glück weiß er wenigstens wo Al seine Big `uns Magazine im Keller versteckt hält.
Steven: ehemaliger Nachbar von Al, der allerdings nach 92 Folgen aus der Serie verschwand und durch Jefferson ersetzt wurde. Er ist ein durch und durch spießiger Bänker und ist hauptsächlich so ein Opfer von Hohn und Spott seitens der Bundys, ist aber durchaus in der Lage seine eigene komische Seite zu zeigen.
Jefferson: Nachname D´Arcy ist Ehemann numero due und zwar hauptsächlich Marcys Geld wegen, Arbeit selbst liegt ihm fern, er sieht sich eher als einen eitlen Lebemann der das Geld seiner Frau verpaßt. Vermutlich soll er das Gegenstück zu Peggy sein, so das sich nicht nur die Männer, durch arbeitsscheue Ehepartner zurückgesetzt fühlen müssen.
Marcy: D´Arcy, ein Name der klingt. Sie ist eine dominante Feministin und der absolute Lieblingsfeind von Al und wird von ihm aufgrund ihres bescheidenen Vorbaus gerne mal mit einem Hühnchen verwechselt. Allerdings sind die Streitereien der beiden einer der heimlichen Highlights der Serie.
Dazu kommen noch viele weitere wiederkehrende Rollen, wie Als Arbeitskollegen, sein Chef Gary (natürlich eine Frau), sowie ebenso nicht sehr hellen Mitglieder der Männervereinigung No Ma´am (National Organisation of Men against amazon Masterhood). Besonders interessant wirds immer wenn die obigen Charaktere mal Chicago verlassen, um sich an Orten wie Dumpwater Florida,Wancker County, England oder Goldgräberminen begeben. Hier kommt dann besonders das herzliche Verhältnis untereinander zu Tage und lustige Kriegsschauplätze entstehen und die Darsteller hemmungslos overacten können.
Mit ein paar wenigen Abstrichen ist eine schrecklich nette Familie eine nahezu perfekt gelungene Sitcom, die nicht von ungefähr selbst heute noch ständig in der Glotze wiederholt wird.
9/10