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Paul Bonnard (Rossano Brazzi) befindet sich auf der Suche nach seinem verschollenen Vater, der irgendwo in der Sahara eine sagenumwobene vergessene Stadt inkl. Goldschatz gefunden haben will.

In Timbuktu sucht er eigentlich nur einen erfahrenen Führer, der ihn in und durch die Wüste führen soll. Dabei trifft er jedoch auf die Diebin und Prostituierte Dita (Sophia Loren), die sich prompt in Bonnard verliebt.

Als auch der Guide in Form des Amerikaners Joe January (John Wayne) gefunden ist machen sich die drei auf die Reise.

In der geheimnisvollen Stadt angekommen findet Bonnard die Leichen seines Vaters, sowie die zweier Unbekannter, eine Frau und ein Mann. Anhand eines ebenfalls gefundenen Briefes lässt sich nachvollziehen was geschah. Diese Erkenntnis stellt Bonnards ganzes Weltbild in Frage...

Man merkt schon, „Die Stadt der Verlorenen“ dürfte die meisten in ihn gesetzten Erwartungen zunichtemachen. Entgegen der vordergründig angeführten  Schatzsuche handelt es sich hier um keinen typischen Schatzsucher-/Abenteuerfilm und auch diejenigen, die anhand von Hauptdarsteller John Wayne auf eine Art Wüsten-Western spekulieren gehen hier ganz klar leer aus. Henry Hathaways Streifen aus dem Jahre 1957 ist ganz klar ein waschechtes Drama, das womöglich zwecks besserer Vermarktungschancen die Wüsten-Abenteuer-Perücke aufgesetzt bekam.

Um ehrlich zu sein, die Verkleidung hat bei mir nicht gewirkt!Nach einem noch leidlich unterhaltsamen Einstieg in Timbuktu, der uns die einzelnen Figuren vorstellt und den Trip in die Wüste vorbereitet, kommt  dann recht schnell die knochentrockene Ernüchterung. Was folgt sind nämlich keine spannenden Abenteuer auf dem Weg zur verschollenen Stadt, sondern ein sich langsam entwickelnder Psycho-Krieg zwischen Wayne und Loren, in den schließlich auch noch Saubermann Brazzi einsteigt und dessen Höhepunkt eine simple Schlägerei markiert.

Da die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt, wartet man leider ebenso vergeblich darauf, dass sich die Schatzsuche in der Stadt dann wenigstens interessanter gestaltet als das bisher gesehene. Doch auch hier Fehlanzeige! Der Schatz ist eigentlich nebensächlich, wird gefunden, ist dabei lächerlich klein und dient letztlich nur noch als Katalysator für die bereits eingeläuteten weiteren Ereignisse. Diese wiederum kann man sich ab der Entdeckung des ominösen Briefs dann sowieso schon vorab fast vollständig zu Ende denken.

Hat man die Tatsache es hier mit einem Drama zu tun zu haben akzeptiert, dürften sich die negativen Überraschungen wahrscheinlich in einem überschaubareren Rahmen halten.

Das absolut größte Manko ist meiner Ansicht nach die Halbherzigkeit und der Patchwork-Charakter des ganzen Projekts. Die Mischung aus Abenteuerelementen, etwas Komik (Loren schlägt Wayne mit der Bratpfanne nieder) und teilweisem Leerlauf verwässert die eigentlich ordentlichen dramatischen Kernelemente zu sehr um als Ganzes wirklich überzeugen zu können.

Stattdessen bekommt man zu Anfang eine Szenerie geboten, die Erinnerungen an „Casablanca“ erweckt, durch die dann plötzlich der raubeinige Cowboy John Wayne stapft wie wenn er gerade eine seiner unzähligen Western-Rollen spielen würde, statt zum Colt aber dann zu Psycho-Spielchen greift, dezent sexuelle Belästigung ausübt um gegen Ende plötzlich als aufopferungsvoller Liebender da zustehen.

Einem John Wayne eine solche Rolle zu geben bzw. abzuverlangen halte ich schlichtweg für einen Witz. Besonders in Verbindung mit den damals vorherrschenden Filmkonventionen und dem type-casting, dass mit John Wayne schon damals hauptsächlich das Western Genre verband.

Anhand der Tatsache, dass John Waynes eigene Produktionsfirma Batjac hier beteiligt war gehe ich mal davon aus, dass sich Wayne bewusst von seinen Western-Rollen lösen wollte und er deswegen auch sein eigenes Geld investierte um an andere Rollen zu kommen. Sei’s drum, der hier gefahrene Kompromiss ist trotzdem ziemlich verwegen und in meinen Augen als misslungen zu bezeichnen. Filmhistorisch ist dieser Versuch durchaus interessant, wenn auch sehr ungeschickt gemacht.

Tatsächlich zeigen sich hier schon Probleme, die Akteure auch heutzutage immer wieder haben. Man denke bloß an Sean Connery, der sich von seinem Bond-Image erst Jahrzehnte später halbwegs befreien konnte.

Wenn es positives zu „Stadt der Verlorenen“ zu vermerken gibt, dann liegt das meiste davon im optischen Bereich. Gemeint ist damit vor allem anderen die Kameraarbeit von Jack Cardiff, der die Szenerie der lybischen Wüste genau so gekonnt und beeindruckend einfing wie die der Ruinenstadt. Ein weiterer optischer Leckerbissen ist natürlich die damals 23-jährige Sophia Loren, die hier übrigends auch schauspielerisch überzeugen kann.

Fazit: „Stadt der Verlorenen“ ist ein heutzutage wenig bekannter Film, der trotz einer Menge an beteiligten Könnern und Talenten nur unteres filmisches Mittelmaß darstellt. Insgesamt mäßig unterhaltsam dürfte der Streifen bestenfalls als verunglücktes Experiment John Wayne’s in Erinnerung bleiben sich von seinem Western-Image zu lösen (5,5 von 10 Punkten).

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