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Mit der dreisten historischen Komödie „Once Upon the Time in the Battlefield" ließ Lee Jun-Ik die südkoreanischen Kinokassen ordentlich klingen. Schnell kann man nun dem falschen Pferd aufsitzen, der aktuelle Film des Regisseurs würde sich ähnlich hemmungslos durch derbe Kalauer rudern. Auf genau diese Vorahnung zielte das Marketing - auch die Plakatierung verwies dezidiert in Richtung einer deutlichen Anlehnung an den erfolgreichen Vorgänger. Tatsächlich aber will THE KING AND THE CLOWN nur in wenigen Szenen wirklich komisch sein. Eine so derbe Täuschung funktioniert freilich kaum länger als das Startwochenende. Jedoch weit über einen Monat lang machte sich das Werk in den oberen Rängen der Kinocharts breit und stellte schließlich auch den Rekord als erfolgreichster Film der koreanischen Kinogeschichte ein - eine echte Sensation, an die so offensichtlich nicht einmal der Verleih des Films geglaubt hatte. Tatsachen waren umgestoßen, und plötzlich schien es naheliegend, den Schlüssel zu diesem sagenhaften Erfolg vor allem in den Elementen zu vermuten, die man voreilig als die Ursachen für das prophezeite Desaster ausgemacht hatte. Vor der historischen Kulisse höfischer Intrigen entfesselt Lee ein offenkundig homosexuelles Beziehungsdrama zwischen seinen drei männlichen Protagonisten. Nachdem Korea bereits mit dem transsexuellen Popsternchen Harisu (und ihren inzwischen zahlreichen Epigonen) aufgefallen ist, scheinen die ehedem so legendär in ihren traditionellen, chauvinistischen Muster verfestigten Geschlechterrollen des Landes zumindest ein wenig angeknackst.

Der Gaukler Jang-seng (Gam Woo-Sung) hat den jungen Gong-gil (Lee Joon-Ki) unter seine Fittiche genommen. Er hat ihm Kunststücke und das Schreiben beigebracht, er ist ihm wie ein älterer Bruder, obwohl er ganz andere Gefühle für den zarten Jungen hegt. Es schmerzt ihn unerträglich, wenn sich der Chef der Truppe von Gong-gil zu Privataudienzen bei reichen Kaufleuten und Beamten begleiten lässt. Jang-seng weiß natürlich, dass es bei diesen Treffen nicht um Teetrinken geht. Was ihn quält ist nicht etwa nur die Ohnmacht, den Jungen nicht beschützen zu können; es ist Eifersucht, die ihn rasend macht. Schließlich kommt es zu einem blutigen Eklat, und Jang-seng und Gong-gil fliehen gemeinsam nach Seoul, diesen verwirrend großen Moloch. Um hier zu überleben, wird den beiden schnell bewusst, bedarf es mehr als nur der Tricks, zu denen die Dörfer applaudierten. Mit dem Mut der Verzweiflung entschließt sich Jang-seng zu einem ganz verwegenem Schritt. Er inszeniert ein Stück, mit welchem er den gefürchteten Tyrannen (Jeong Jin-Young) foppt. Für ein paar Tage geht sein Plan auf. Er hat die Lacher auf seiner Seite und viele Münzen klimpern neben ihm auf das Pflaster. Dann werden er und seine Truppe nachdrücklich in den Palast eingeladen - mit Speerspitzen, die ihnen in den Rücken pieksen.

Die so schnell berühmt gewordene Truppe soll vor dem Tyrannen persönlich auftreten. Keine Ehre, um die sich die Akrobaten gerissen haben, denn die Bedingungen sind recht harsch - ist der König nicht amüsiert werden die Gaukler allesamt einen Kopf kürzer gemacht. Nervös, wie man es unter solchen Umständen nur allzu gut nachvollziehen kann, verpatzen sie ihr beißend komisches Stück unter den Augen der unverkennbaren Hauptfigur ganz gewaltig. Dass der König dennoch Gefallen an der Truppe findet, ist ein Rätsel, das weder den Akrobaten noch dem Hofstaat aufgeht - bis der König Gong-gil in seine Privatgemächer befiehlt. Der Tyrann vernarrt sich völlig in den hübschen Gaukler, gibt sich immer unbeherrschter und will dem erdrückenden Protokoll immer vehementer in kurze Momente des Glücks entfliehen. Er vernachlässigt sein Mandat und versäumt es, angemessen der Korruption und den Intrigen entgegenzusteuern, welche die immer frecheren Schauspiele der zum Hoftheater avancierten Narren satirisch entlarven aber auch katalysieren. Schließlich ist die Verzweiflung der Gegner dieses höfischen Kabaretts mörderisch und ihr Geflecht niederträchtiger Lügen so dicht, dass sie bereit sind ihre eigene Welt auf den Kopf zu stellen. Und auch Jang-seng ist nicht gewillt, das Techtelmechtel zwischen dem König und seinem Geliebten noch länger zu ertragen.

Lee Jun-ik ist sich nicht zu schade, im Finale seines THE KING AND THE CLOWN ordentlich auf die Tränendrüsen zu drücken. Aber beinahe scheint es, als sei dies die einzige Konzession, die er seinem Werke zugestanden hat, um den Unterhaltungsansprüchen des gemeinen Kinopublikums zu genügen. Keine Action, kein Schenkelklopfer-Humor, dafür ein Drama um leidend Liebende, von dem - angenommen - sich die Mehrzahl der Menschen, die so begeistert für ihre Tickets anstanden, nicht wirklich verstanden gefühlt haben kann. Sein außerordentlicher, an der koreanischen Box Office generierter Status macht THE KING AND THE CLOWN zu weit mehr als nur einem Kuriosum. Unabhängig davon, ob man sich nun dessen Erfolg wirklich erklären kann, hat das Werk bereits seinen festen Eintrag in die Annalen des koreanischen Kinos. Die internationale (zumindest panasiatische) Auswertung, die gerade erst unternommen wurde, wird zeigen, ob sich der Erfolg auch jenseits der Landesgrenzen so konkret beziffern lässt.

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