Wir schreiben das Jahr 1984 und ein neuer Star des modernen Horrorfilms wird geboren. Pizzagesicht Freddy Krueger wetzt erstmals seine Krallenhand und bald sollte er seine Vorgänger Leatherface, Michael Myers und Jason Voorhees kommerziell weit hinter sich gelassen haben. Erfunden und auf der Leinwand zum Leben erweckt wurde Freddy von Wes Craven, der bereits in den 70er Jahren mit „Last House on the Left“/„Mondo Brutale“ (1973) und „The Hills have Eyes“/„Hügel der blutigen Augen“ (1977) das Horror – Genre mit zwei, nicht unbeachtlichen, Beiträgen bereicherte. Mit „Nightmare on Elm Street“ gelang ihm sein erster wirklicher finanzieller Erfolg und das Bekanntwerden seines Namens in Horrorfan – Kreisen.
Der Film gab dem, zu dieser Zeit schon ausgelutschtem, Slasher – Subgenre neue Impulse indem er das Motiv des Alptraumes und die damit verbundenen Möglichkeiten vorstellte und auch vorzüglich nutzte. Dabei werden die Alptraumwelten des Freddy Krueger noch nicht sehr fantasievoll dargestellt, das knappe Budget von etwas über 1 Mio. Dollar erlaubte dies auch nicht. Das Alptraumszenario ist hier der 80er Jahre typische Hintergrund dunkler Industrieanlagen (der auch noch in den Fortsetzungen fester Bestandteil blieb).
Doch aufwendigere Kulissen sind in diesem ersten Teil auch noch nicht nötig. Der Film bezieht seinen Reiz oft vielmehr dadurch, dass die Grenze zwischen Realität und Alptraum oft verschwommen ist, so dass das Hervorbrechen und die Attacken von Freddy Krueger noch wirkungsvoller sind. Dem aufmerksamen Zuschauer werden dabei aber stets Details auffallen, welche die Identifikation des Alptraumes ermöglichen.
In solchen Momenten schafft es der Film eine ungemein verstörende Stimmung zu schaffen, die von der Filmmusik effektiv unterstützt wird. Diese ist im übrigen insgesamt ausgesprochen gelungen, etwas poppiger als andere Horrorfilm – Scores (war ja ebenfalls in den 80er Jahren oft so), schafft es aber mitunter auch ruhige Momente atmosphärisch aufzuwerten.
Obwohl die Kulissen hier noch nüchtern gehalten sind, fehlt es nicht an visuellen Ideen. Von Kruegers Riesenarmen bis hin zum Klassiker „Nicht von der Stelle kommen auf der Flucht vor dem Monster“, nicht zu vergessen auch einige Blut und Ekel – Einlagen, Freddy Krueger (bzw. Drehbuchautor Wes Craven) lässt sich einiges einfallen um seine Opfer (bzw. die Zuschauer) zu terrorisieren.
In Sachen Gewalt ist „Nightmare on Elm Street“ im Vergleich zu einigen anderen Genre – Vettern der vorangegangenen Jahre noch vergleichsweise zurückhaltend inszeniert. Der erste Mord an Tina hat noch durchaus eine schockierende Wirkung da hier die blutigen Effekte und ihr Todeskampf noch relativ realistisch wirken (wie gesagt relativ, dass sie an der Decke hängt und die Blutmenge sind natürlich nicht realistisch) doch diese Drastik erreicht der Film im weiteren Verlauf nicht mehr. Alle weiteren Blut und Ekel – Einlagen werden auch durch die zunehmende Irrealität der Ereignisse deutlich abgeschwächt.
Zum Schluss, bei Kruegers vorletztem Opfer, erbringt der Film dann sogar ein Beispiel für die Wirkung von extremer aber nur angedeuteter Gewalt (SPOILER: das durch die Decke tropfende Blut ist wirklich grausig SPOILER ENDE).
Wes Craven hat mit seinem „Nightmare“ das Slasher – Genre auch insofern inhaltlich weiter entwickelt, als dass er den Opfern respektive den Jugendlichen mehr Profil verleiht, als dies die „Halloween“ - bzw. „Freitag, der 13.“- Filme bis dato getan hatten. Waren die Teenies bis dahin typische Vertreter der Spaßgesellschaft, die moralische Werte und elterliche / erwachsene Autorität weitestgehend ignorierten, sind sie es hier zwar auch (oder könnten es sein) aber vor allem sind sie traurige Existenzen, Produkte einer zweifelhaften Elterngeneration.
Diese wurde bis dahin in (moderneren) Horrorfilmen meist außen vor gelassen. Entweder sie erschien gar nicht, wie in „Blutgericht in Texas“/„The Texas Chainsaw Massacre“ (1974), oder machte einen besonnenen Eindruck wie in „Halloween – Die Nacht des Grauens“/ „Halloween“ (1978) oder „Freitag, der 13.“/„Friday the 13th“ (1980). Hier jedoch sind die Erwachsenen nicht nur mitverantwortlich für das Verhalten ihrer Kinder (die frühreife Tina hat eine offenbar ebenfalls nicht sehr zurückhaltende Mutter), sie sind auch indirekt verantwortlich für die Verfolgung der Jugendlichen durch Freddy Krueger, weil sie den Kindermörder einst in einem verbrecherischen Akt der Selbstjustiz verbrannten. Gleichwohl sind sie keine Hilfe für die Jugendlichen als sie sich Kruegers Alptraum – Attacken ausgesetzt sehen, denn glauben will ihnen niemand. Die Elterngeneration ist also weder Vorbild noch Halt. Als Jugendlicher ist man auf sich allein gestellt.
So ist es denn auch folgerichtig, dass das Final – Girl, in diesem Fall Nancy Thompson, wenn sie unter diesen erschwerten Bedingungen überleben will, noch selbstbewusster und noch cleverer sein muss, als ihre Vorgängerinnen in „Halloween“ oder „Freitag, der 13.“ Die plumpen, nutzlosen Beschwichtigungsversuche ihrer Mutter bezüglich Freddy Krueger wehrt sie barsch ab und um Freddy schließlich zu stellen hat sie zunächst Plan A und kann nach dessen Vereitelung sogleich mit Plan B aufwarten.
Heather Langenkamp ist die eindeutige Hauptdarstellerin des Filmes, obwohl sie in den Credits erst an dritter Stelle auftaucht (der offizielle Hauptdarsteller John Saxon hat als ihr Vater und Sheriff Donald Thompson eine größere Nebenrolle). Sie macht ihre Sache recht gut und hinterlässt trotz etwas beschränkter Mimik einen bleibenden Eindruck.
Robert Englund gibt hier seinen Einstand als größte Horror – Ikone der 80er Jahre. Dabei kann er hier noch nicht die Art von Ausstrahlung entwickeln, für die er später bekannt werden sollte (kennzeichnend: seine fiesen, aber witzigen Sprüche). Tatsächlich würde man ihn kaum in einer anderen Rolle wiedererkennen, würde man nur diesen ersten „Nightmare“- Film kennen, denn sein Gesicht ist hier nie deutlich zu sehen und auch sprechen tut er nur selten. Er ist hier noch als rein bedrohliche Figur angelegt, füllt diesen Part aber auch voll aus, denn allein sein Erscheinungsbild, sein fieser Blick und seine noch fiesere Lache sind ein Phänomen für sich (der vor Jahren in irgendeinem Boulevard – Magazin aufgestellten Behauptung, Englund hätte geschrien als er sich zum ersten mal mit vollem Freddy Krueger – Make Up im Spiegel sah, würde ich nur allzu gern glauben).
Im Übrigen ist hier der noch blutjunge Johnny Depp in seiner ersten (undankbaren) Filmrolle als Nancy Thompsons Freund zu sehen. Diese bringt er sauber hinter sich, ohne aber groß aufzufallen.
Insgesamt befindet sich das Schauspieler – Ensemble auf gutem Mittelmaß, dabei ist es zu jener Zeit wohl schon ein Lob überhaupt von einem SCHAUSPIELER – Ensemble sprechen zu können
Ganz ohne Kritik geht „Nightmare on Elm Street“ aber nicht durch. Es drängt sich an einigen Stellen der Eindruck auf, Craven befolge sein eigenes Konzept nicht wirklich konsequent.
SPOILER
Krueger kann zwar Menschen in und somit durch ihre Träume umbringen, trotzdem erscheint es nicht angemessen, dass sich in der Realität so viele Dinge durch seine Macht in Gang setzen, wie z. B. das sich bewegende Bettlaken oder die riesige Blutfontäne. Die Fortsetzungen sind in diesen Punkt schlüssiger, denn dort bringt Krueger seine Opfer durch die Alpträume dazu, sich praktisch selbst zu töten.
Auch Freddys Anrufe bei Nancy sind sehr merkwürdig, da sie überhaupt nicht schläft, er müsste quasi aus der Traumwelt die Realität anrufen. „Nightmare – Mörderische Träume“ ist zwar ein Horrorfilm mit hohem Fantasy – Gehalt, aber eine gewisse innere Logik sollte schon gewahrt werden.
SPOILER ENDE
Des Weiteren erscheint das Ende auch nicht wirklich zufriedenstellend. Wes Craven hatte ja bekanntlich auch ein anderes vorgesehen. Das bekannte ist zwar nicht schlecht, aber ein wenig zu sehr auf eine Fortsetzung ausgelegt. Hier bietet sich der Vergleich mit John Carpenters „Halloween“ an. Dort ließ das Ende (Michael Myers wird scheinbar endgültig getötet, aber beim zweiten Hinsehen ist er verschwunden) zwar auch auf eine Fortsetzung schließen, es war aber auch ein konsequenter Kniff, der noch das letzte bisschen Gruselpotential aus den letzten Einstellungen herausholte. Das ähnlich ausfallende Ende von „Nightmare on Elm Street“ erscheint dagegen eher plump.
Alles in allem ist „Nightmare“ dennoch ein wahrer Genre – Meilenstein, der natürlich eine ganze Reihe von Fortsetzungen nach sich zog, die qualitativ zwar schwankten, aber im Vergleich zu anderen Horror – Serien – Sequels noch relativ unterhaltsam blieben.
8 / 10