Auch Wes Craven wagte 1984 eine Interpretation des Teenie-Schlitzers und brachte den Schocker „Nightmare on Elm Street“ heraus. So wart eine neue Ikone des Horrors ins Leben gerufen – Robert Englund verkörperte den verbrannten Mörder mit der Krallenhand in insgesamt acht Filmen, darunter auch ein Spin Off zusammen mit Jason Vorhees. Wie so oft sind die Fortsetzungen jedoch nur Rohrkrepierer im Vergleich zum genialen Original, dass über Standard – Schlitzerkost durchaus hinauszugehen weiß.
Bis vor ein paar Jahren wütete der irre Kindermörder Freddy Krüger in der Nachbarschaft. Nachdem die Eltern der ermordeten Kinder Lynchjustiz übten und den Mörder in seiner Behausung verbrannten, vergaß man um den Kinderschänder – bis vier junge Leute von ihm zu träumen beginnen, und das gleichzeitig. Doch Freddy ist kein gewöhnlicher Bestandteil eines Alptraums – er weiß sie nach seinem Willen zu formen und die Träumenden noch im Traum zu töten, was auf das echte Leben einen spiegelnden Einfluss nimmt...
Nightmare – Mörderische Träume ist in jeder Hinsicht anders als der Einheitsbrei der Slasher der 80er Jahre. Der Bodycount ist nicht wirklich hoch und auch der Gorefaktor bleibt sehr verhalten auf dem Teppich. Hier sind es weniger die brutalen Morde, die im Vordergrund stehen; das genial-innovative Leitmotiv des Films legt den Schwerpunkt auf andere Elemente. So spielt der Regisseur geschickt mit surrealen Schockmomenten, gibt seinem Mörder alle Freiheiten in die Hand, die eine erträumte Phantasiewelt zu bieten hat – so ist nicht Freddy Krüger der Zirkusdirektor, sondern nur der Handlanger, der die Urängste seiner Opfer als Werkzeuge gegen diese selbst zu verwenden weiß, um schließlich nur noch den Körper seines Gefangenen zerreißen zu müssen. Die Schnittstelle zwischen Geträumtem und der echten Welt ist extrem dünn, und nicht selten verliert auch der Zuschauer den Sinn für Schein und Sein, sodass dieser auf einem unsicheren, schmalen Pfad läuft, der dafür sorgt, dass der Film ungeheuer spannend rüberkommt und es auch absolut nicht weiter ins Gewicht fällt, dass insgesamt nur vier Leute dran glauben müssen.
Zwar reitet der Film auf besagter Schlitzerhorrorwelle der 80er mit, um überhaupt Blicke auf sich zu ziehen, doch letztendlich unterscheidet er sich von den üblichen Meuchelorgien beträchtlich im Niveau. Klar, andere Werke sind durchaus als Klassiker zu bezeichnen und dementsprechend unterhaltsam, doch mit „Nightmare“ steht einem definitiv mehr Grusel ins Haus. Der Soundtrack passt auch wie die Faust aufs Auge, und die Jungdarsteller agieren prima – nicht zu übersehen kann man hier den gammeligen, rotzigen Johnny Depp in einer seiner ersten Rollen bewundern.
Fazit: nicht nur Allgemeinbildung im Schlitzergenre, sondern auch ein Meilenstein auf dem Gebiet surrealer Horrorkost. Eine kleine, aber eigentlich nicht nennenswerte Schwäche liegt meiner Meinung nach im Bösewicht selbst: die Figur des Freddy Krüger wirkt nicht absolut beunruhigend, was jedoch anhand der surrealen Traumwelten voller Ausweglosigkeit durchaus verschmerzbar ist.