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Gewisse Filme haben das Horrorgenre revolutioniert und gelten aufgrund dessen als Meilensteine und moderne Klassiker. John Carpenter's "Halloween" gilt als der Urvater aller Slasherfilme und hat mit Michael Myers auch einen stummen und bösartigen Killer zu bieten, der sich wacker bis heute durchschlagen konnte (es ist sogar wieder einmal eine Fortsetzung geplant, bei der Rob Zombie Regie führen soll). Zwei Jahre später kam dann ein gewisser Sean S. Cunningham und zeigte in seinem "Freitag der 13." souverän, was "Halloween" noch der Fantasie des Zuschauers überließ: Blutrünstige Effekte, die von Tom Savini souverän inszeniert wurden und die dem Streifen einen derartigen Erfolg bescherten, dass 9 Fortsetzungen folgen sollten. So kultig aber Michael und Jason auch sein mögen, sie sind nichts im Vergleich zu dem Albtraum, den Horror-Urgestein Wes Craven im Jahr 1984 erstmals entfesselte. Sein "A Nightmare on Elm Street" basierte entfernt auf einem wahren Fall, den Craven einige Jahre zuvor in den Nachrichten aufgeschnappt hatte. Angeblich ist ein Mann aufgrund seiner heftigen Albträume im Schlaf gestorben. Aus dieser Grundidee schuf Wes Craven die erfolgreichste und weltweit bekannteste Horrorfilmserie, die auch nach über 20 Jahren noch populärer denn je ist, wie der von den Fans langerwartete "Freddy Vs. Jason" kürzlich bewies.

Dabei begann die Erfolgsstory aber nicht halb so rosig, wie es das Endresultat vermuten lässt. Craven hatte große Schwierigkeiten, Interessenten für sein Drehbuch zu finden, bis er bei New Line Cinema fündig wurde. Wie es die Ironie so will, sollte es gerade der enorme Erfolg von "Nightmare" sein, der New Line Cinema aus einer großen Flaute rettete und wieder groß ins Rennen beförderte. Wer sich nun die Frage stellt, ob denn der ganze Rummel um diesen Low-Budget Film, was "A Nightmare on Elm Street" ja auch war, berechtigt ist, der darf dies mit einem klaren Ja beantwortet sehen. Craven's Überraschungserfolg hatte seinen Genrekollegen einiges voraus. So wirkt der Streifen trotz des beinahe selben Produktionsjahres auch heute noch viel frischer und moderner, die Story hat über die Jahre hinweg nichts von seiner Faszination und seiner Spannung eingebüßt.

Die hier erzählte Handlung hebt sich in zweierlei Punkten von den üblichen 08/15 Geschichten des Genres ab. Zum Einen hat man das hier geschilderte so noch nicht gesehen und zum anderen kommt das Ganze durchaus intelligent daher. Während "Freitag der 13." auf ein Minimum an Handlung setzte, war die Story um den Killer, der im Traum erscheint, damals noch frisch und neu und weiß das Publikum so zu fesseln. Zudem ist es das geschickte Verwirrspiel mit dem Zuschauer, dass einen in regelmäßigen Abständen tief in seinen Fernsehsessel drückt. In vielen Passagen des Films ist es im ersten Moment schwer zu bestimmen, ob wir uns noch in der Realität oder in einer Traumpassage befinden, so dass sich der Horror unbemerkt und dann um so erschreckender anschleicht.

Die Tatsache, dass der Schrecken hier in Träumen sein zu Hause findet, hat den unschätzbaren Vorteil, dass den Machern beim Design der Horrorszenen keine Grenzen gesetzt waren. In einem Traum ist eben alles möglich und dieser Trumpf wird hier auch ausgespielt. Auch wenn man sagen muss, dass sich der erste Teil, direkt mit seinen Nachfolgern verglichen, mit surrealen Szenen noch eher zurückhält, so ist es doch sehr unheimlich, was uns hier serviert wird. Wenn die Jugendlichen in den Schlaf fallen, befinden sie sich in Freddy's Reich und sind dort voll und ganz seinem bösartigen Treiben ausgesetzt. Insbesondere die Fabrik, in der die Kids in ihren Träumen des öfteren sind, ist wirklich unheimlich inszeniert und erzeugt eine unheimliche, auswegslose Atmosphäre.

Sehr gefallen hat mir, dass Freddy hier noch ein übermächtiges, dämonisches Wesen ist und noch nicht ganz so humorvoll in Szene gesetzt wurde wie in den späteren Teilen. Während es im weiteren Verlauf der "Elm Street" Reihe immer mehr zu Freddy's Markenzeichen wurde, seine Opfer mit sarkastischen Sprüchen zu verhöhnen, ist er hier noch wirklich der große, böse schwarze Mann, der er in den Augen Craven's sein sollte. Seine Erscheinung ist schon hier perfektioniert und hat sich in den nachfolgenden Filmen nicht verändert. Eine verbrannte Haut, ein rot-grün gestreifter Pullover, ein großer Hut und natürlich der obligatorische Rassiermesserhandschuh, ohne den man sich Freddy Krueger nicht vorstellen kann.

Die Spannungskurve schraubt sich während des Films konstant nach oben, so dass nie Langeweile entsteht. Dadurch, dass die Charaktere schlüssig und symphatisch erscheinen, kann man bedingungslos mit ihnen mitfiebern. Dass der Film indiziert wurde halte ich für groben Unfug, da es wesentlich brutalere Streifen als "Nightmare" gibt, denen dieses Schicksal auch erspart blieb. Wirklich gesplattert wird hier onehin nie, auch wenn sich der Horrorfan auf einige blutige Effekte freuen darf.

Die Schauspielerbesetzung wurde hervorragend ausgewählt. Heather Langenkamp in der Hauptrolle bringt die Nancy so dermaßen symphatisch und glaubhaft rüber, dass man ihr in ihrem Kampf gegen Freddy jederzeit Glück wünscht. So dürfte es auch nich ernsthaft überraschen, dass die Gute noch in einigen Fortsetzungen vor der Kamera zu sehen war.
Robert Englund, der durch Freddy seinen großen Durchbruch hatte, spielt den Killer hier schon voll und ganz perfektioniert und rechtfertigt die Tatsache, dass er durch diese Rolle zu einer Ikone im Horrorgenre wurde. Der Schauspieler, der schon von Natur aus mit einem recht markanten Gesicht gezeichnet wurde, passt ohne Frage absolut perfekt in diese Rolle, niemand anders wird Freddy jemals so überragend darstellen können.
Ein kleines Highlight ist außerdem noch John Saxon als Polizeichef und gleichzeitig Vater von Nancy. Der Star aus vielen Billigproduktionen des Horrorgenres läuft hier regelmäßig zu Höchstformen auf und bekam durch diesen Film auch einen verdienten Karriereschub.
Schließlich und letztendlich möchte ich noch ein paar Worte über Johnny Depp verlieren, der hier sein Schauspieldebut ablieferte. Wer bei dem mittlerweile sehr berühmten Namen einen gewissen Jack Sparrow im Hinterkopf hat, sollte sich schnellstmöglich von diesem Gedanken trennen, denn in "Nightmare" sehen wir einen Depp in ungewohnt jungen Jahren, den noch rein garnichts mit dem großen Hollywoodstar verbindet, der er heute ist. Dennoch entbehrt es keinesfalls einer gewissen Komik, eine derartige Schauspielgröße in unerfahrenen Anfängerjahren zu sehen.




"Nightmare - Mörderische Träume" ist für viele der Inbegriff des puren Horrors und hat diesen Status über die Jahre hinweg noch nicht eingebüßt. Vor allem direkt mit den "Halloween" und "Freitag der 13." Reihen verglichen, hat Craven ganz klar die Nase vorn. Schon der erste "Nightmare" strotzt nur so von tonnenweise unheimlichen Ideen, überragenden Effekten und einer Story, die einen weitaus mehr als der übliche Serienkiller-Einheitsbrei fesselt. Einzig als etwas störend, doch das ist nur Nebensache, da der Gute onehin nicht viel Sprechparts hat, empfand ich die Synchronstimme Freddy's. Gegenüber der infernalischen Teufelstimme aus dem Englischen schreckt dieses tief und dunkel gesprochene Genuschel im Deutschen doch eher ab, doch dies ist natürlich keine Kritik am Film, vielmehr an der Synchro.

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