Wer nachts träumt ist gefangen in einer wunderlichen Welt, aus der man nicht ohne weiteres entkommen kann. Gerade Alpträume können den Träumenden nervlich genauso zusetzten wie ein aufreibendes Erlebnis in der Realität. Es ist fast verwunderlich, dass der Traum erst 1984 vom modernen Horrorfilm entdeckt wurde. Als Wes Craven Ende der Siebziger einen Zeitungsartikel über einen Mann las, der beim Träumen an Herzversagen starb, war es für Craven die Initialzündung einen Stoff zu produzieren, in dem der Alptraum in die Realität einkehrt. Der Alptraum kommt als Fred Krueger (Rober Englund) daher: Einen Mann im Ringel-Pullover und speckigem Schlapphut, der eine durch Feuer völlig zerstörte Haut hat. Seine rechte Hand ziert ein mit Messern versehener Handschuh. Zu Lebzeiten war Krueger ein perverser Kinderschänder, der durch einen Verfahrensfehler von der Justiz nicht belangt werden konnte. Die Bürger nahmen das Gesetz in die eigenen Hände und Krueger musste den Feuertod sterben. Als Rache sucht Krueger nachts die Kinder dieser Menschen im Traum auf, um sie zu töten.
Die Kinder leben mit ihren Eltern in der Elm Street und befinden sich im Teeny-Alter. Nancy Thompson (Heather Langenkamp) und Tina Grey (Amanda Wyss) fällt es auf, dass sie die gleichen Alpträume über einen verbrannten Typen mit Messerkralle und Schlapphut haben - fürchterliche Alpträume, aus denen sie tatsächliche Verletzungen davontragen. Nancy steht jedoch mit ihrer Angst allein da. Ihre geschiedenen Eltern können ihr nicht helfen. Weder ihr Vater, der Polizist Lt. Thompson, ein Rationalist, dem man nichts über den „Schwarzen Mann" erzählen braucht, noch ihre alkoholabhängige Mutter, die genug damit zu tun hat, ihr eigenes Seelenleben in Griff zu kriegen, nehmen die schiere Todesangst vorm Einschlafen, die ihre Tochter hat, ernst. Die Lage spitzt sich zu, als Tina einen bestialischen Tod in ihrem Zimmer stirbt, den nur ihr Freund Rod Lane (Jsu Garcia) begangen haben kann, der sich in ihr Zimmer aufhielt. Nur Nancy kennt den echten Mörder: Fred Krueger. Glauben tut ihr natürlich keiner, ist doch Fred Krueger schon seit Jahren tot. Krueger jedoch tötet im Schlaf auch Rod, der inzwischen im Gefängnis sitzt, da außer Nancy wirklich niemand an Krueger glaubt. Als Krueger auch Nancys Freund Glen Lantz (Johnny Depp) heimsucht, bleibt Nancy nur noch die Flucht nach vorn: Sie muss die direkte Konfrontation suchen, denn inzwischen hat sie nicht mehr viel zu verlieren.
Wes Craven hat mit „A Nightmare on Elm Street" den Horrorfilm neu erfunden. Es kann für einen Horrorfilm eigentlich kein interessanteres Thema als den Alptraum geben. Jeder kennt die Übergangsphasen vom Wachsein zum Einschlafen: Träumt man schon, ist man noch wach, oder befindet man sich in einem Stadium irgendwo dazwischen? Eine Situation die Wes Craven verstanden hat in einer Intensität auf Film zu bannen, wie es niemand vor und niemand nach ihm fertig brachte. Es ist eine düster-seltsame Stimmung, die sich breit macht, wenn die Albträume anfangen - Seilspringende Mädchen in Zeitlupe, die das berühmte Kinderlied singen: „Eins, zwei, drei, Freddy kommt vorbei..." oder andere seltsame Begebenheiten wie eine plötzlich bewegungslose Schulklasse. Der Zuschauer fragt sich dann: „Warum merkt die das jetzt nicht, dass sie eingepennt ist?" Aber das ist das unheimlich realistische an „Nightmare": Der Mensch merkt eben nicht, wenn er einschläft - kann zwischen Traum und Wirklichkeit nicht unterscheiden. „Nigthmare" profitierte natürlich auch von der Popularität der aufkommenden Teeny-Slasher Filme, die zuvor schon mit „Freitag, der 13." und „Halloween" Erfolge an den Kinokassen feierten. Was „Nightmare" meiner Meinung nach von „Haloween" und gerade „Freitag, der 13" qualitativ unterscheidet ist die bessere Auswahl der jugendlichen Darsteller. Nicht umsonst sind die meisten heute noch im Geschäft, sei es in Kino- oder TV- Produktionen. Allen voran natürlich Johnny Depp, der zum Weltstar wurde. Dieser junge Jonny Depp hatte allerdings relativ wenig mit dem heutigen zu tun. Als Durchschnittsteeny durchaus talentiert, konnte er 1984 jedoch noch mit Nichts von dem aufwarten, was einen Johnny Depp von 2007 ausmacht. Ein entscheidender Unterschied zu den anderen Slasher-Reihen ist die Redseeligkeit des Mörders. Während Michael Meyers in „Halloween" und Jason Voorhees in „Freitag, der 13." stumme Killer, ohne eine menschliche Persönlichkeit waren, ist Freddy Krueger eher der boshaft zynische Typ, der mit durchaus sprachgewandten Zynismus seine Opfer verhöhnt, dabei aber auch nie so bedrohlich wirkt, wie seine beiden Kollegen. Zudem macht Krueger eher mal einen Fehler - ist hier und dort auch mal angreifbar, was man eher in späteren Folgen der Nightmare-Reihe sehen kann. Krueger zieht, wie ich meine, den Zuschauer mehr in seinen Bann als Jason oder Michael. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn - er sorgt allemal für viel Unterhaltung, auch wenn er ein noch so übler Typ ist.Robert Englund hat als Freddy Krueger sogar die Rolle seines Lebens gefunden. Sein markantes Gesicht ist inzwischen so mit der Rolle des Pizzagesichtigen Kindermörders mit Messerhandschuh verwoben, dass das Publikum sicherlich niemals einen anderen Schauspieler als Freddy Krueger akzeptieren würde. Eine Tatsache, die Robert Englund in bisher acht Folgen quasi eine Arbeitsgarantie bescherte.
Wer sich als Horrorfan versteht, muss die Nightmare-Reihe gesehen haben - er kommt daran nicht vorbei. Dieser erste Teil „A Nightmare on Elm Street" ist dann auch gleich ein qualitativer Höhepunkt der Reihe - für Viele gar der beste Film. Er ebnete zudem den Weg zum schwarzen Humor, der Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts immer mehr ins Horrorgenre Einzug nahm, ohne dabei freilich auf explizite Gewaltdarstellungen zu verzichten.
„A Nightmare on Elm Street" ist ein unumstrittenes und richtungweisendes Meisterwerk des Horrorgenres.