Mitte der 80er erblickte ein kleiner, gemeiner Nimmersatt namens Freddy Krueger das Licht der Filmwelt. Ausgestattet mit einen urhässlichen Pullover und einem stinkenden Hut, machte Freddy mithilfe seiner verlängerten Fingernägel Jagd auf allerlei Jugendliche - allerdings in ihren Träumen. Ganz Recht, Freddy ist eigentlich tot, sucht aber trotzdem die Kinder seiner Totbringer in ihren Träumen heim, um Rache zu üben. Wes Craven persönlich inzenierte den Kult-Schocker und machte Grinsebert Robert Englund über Nacht zum Star.
Die im wahrsten Sinne des Wortes "verträumte" Antwort auf Slasher wie "Halloween" oder "Freitag der 13." zieht seine Energie aus einem dato unverbrauchten Szenario. Die jugendliche Tina hat einen gemeingefährlichen Alptraum, in dem sie ein böser Bube mit Messern an seinen Händen durch eine Gasse verfolgt. Doch diese Träume scheinen real, denn als Tina aufwacht, ist ihr Shirt von den Messern des Killers durchschnitten, genau wie im Traum. Aber Tina ist nicht allein mit dieser Erfahrung, denn ihre Freundin Nancy hatte den selben unangenehmen Traum. Man beschließt spontan, bei Tina zu übernachten, um sie zu beruhigen. Mit von der Partie sind auch Tinas Machofreund Rod und Nancys dagegen schmächtig wirkender Glenn. Die Nacht soll aber alles andere als angenehm werden, denn nach dem Beischlaf mit Rod, träumt Tina wieder von dem verrückten Mann, der sie im Traum (sowie im realen Leben auch) tötet. Rod flieht, da er der einzige ist, den man des Mordes verdächtigen kann. Und unsere gute, alte Nancy nimmt den Kampf gegen den Traumkiller Freddy Krueger auf.
Nun, liest sich doch schon mal ganz ordentlich. Im Gegensatz zu Michael Meyers oder Jason ist Freddie Krueger eine furchterregende Gestalt ohne Maske, die auch noch spricht, lacht und sich aus den morden einen Spaß macht. Man darf aber nicht vergessen, dass "Nightmare" nebenbei ein typischer Teenie-Horrorfilm ist, und ob das gut oder schlecht ist, muss der Kinogänger für sich entscheiden. Immerhin haben wir hier dann auch vier Teenager an der Backe. Heather Langenkamp als Nancy ist das liebe Mädel von nebenan, Amandy Wyss die weitaus offenere Tina, Nick Corri der typische Sonnyboy und (trommelwirbel) Johnny Depp der normale Mainstreamler der 80er. Das Johnny hier sein Debüt feiert, sei mal so am Rande erwähnt. Tatsächlich schaut man ihm hier noch am liebsten zu, auch wenn sich seine schauspielerischen Fähigkeiten nicht mit seinen jetzigen vergleichen lassen.
Nur die anderen drei Darsteller sind etwas dürftig ausgewählt. Da wird mal wieder geschrieen wie am Spieß, bis das Ohr platzt. Sowohl von der Mimik als auch von der Gestik haben alle hier kaum schauspielerische Erfahrungen, die man hervorheben könnte. Nancy hat irgendwie gar keinen richtigen Charakter, während man bei Tina auch nicht richtig warm wird. Rod nimmt man seine Verwandlung vom dauergeilen Aufreißer zum ängstlichen Schuljungen auch nicht unbedingt ab. Tja, da sticht tatsächlich nur der gute Johnny raus. Bei den erwachsenen Darstellern bekommt man dann auch nur das übliche geliefert. Ronee Blakley als besoffene Mutti ist so glaubhaft wie eine Birne an einem Apfelbaum und John Saxon als Nancys Vater kann auch nur misstrauisch glotzen und immer dasselbe sagen. Robert Englund als Freddy hält sich dagegen auch noch erstuanlich zurück, lacht ein bisschen und spricht mit einer keuchenden, anscheinend durch chronische Bronchitees verursachten Stimme zu seinen Opfern.
Wenn wir ehrlich sind, punktet "Nightmare" eben auch nur mit Robert Englund und seinem Freddy Krueger, sowie den surrealen Szenen und Aktionen. Da weiten sich Freddys Arme ins unermessliche, aus dem Zusammenhang gerissen rennt eine Ziege durchs Bild (!?), Freddy schlitzt sich wie bei einer Präsentationen alle Gliedmaßen auf - man ist schon relativ gut bedient mit absurden (positiv gemeint!) Szenen. Auch die Effekte sind im Prinzip erste Sahne. Ein Glanzmoment zum Beispiel, als Tina von unsichtbarer Hand geführt über ihrem Bett getötet wird. Auch Krueger als solcher sieht schön fies und gemein aus - damals sahen die Brandwunden an seinem Kopf noch nicht so hingemalt aus.
Wie fast jeder Kultfilm hat aber auch "Nightmare" seine logischen Brüche, die auf die Nüsse gehen. Nancy rennt gefühlte fünfzigmal zu ihren Eltern und versucht ihnen zu erklären, dass sie im Traum verfolgt wird, und immer wieder winken alle ab mit Sachen wie "Geh doch lieber schlafen" oder auch "Rede doch nicht so einen Unfug". Nerviger Höhepunkt am Ende, als Nancy verzweifelt nach ihrem Vater schreit, während sie in ihrem Haus von Freddy verfolgt wird. Hören tut sie nur ein grenzdebiler Polizist, der die Schultern zuckt - "Es ist alles in Ordnung Nancy! Geh schlafen!" Und selbst, als man Schreie hört und Fenster klirren, alarmiert das den Bullen nicht sonderlich. Man kann sagen was man will, aber da hat Wes Craven ein bisschen zu dick aufgetragen. Generell wirkt von den Dialogen her inzwischen einiges überholt.
Und trotzdem ist "Nightmare" Kult und Klassiker in einem. Warum? Nun, man kann dem Film nicht absprechen, dass er surreal verstörend ist. Besonders zu später Stunde verfehlt die effektive Jagd Freddys auf die Jugendlichen kaum seine Wirkung. Zwar ist Krueger Stimme noch etwas gewöhnungsbedürftig und unfreiwillig amüsierend, aber der gute Mann spricht ja nun nicht sonderlich viel. Was bleibt, ist ein guter Horrorfilm aus der Blütezeit des Slashers, der eine neue Kultfigur aus dem Boden gestampft hat. "Nightmare" reiht sich mit ein in die Reihe berühmter Horrorfilme, wurde aber auch genau wie eben jene im Laufe der Zeit ausgeschlachtet.
Fazit
Effektreicher Schocker, der selbst nach fast dreißig Jahren kaum etwas von seinem Charme eingebüßt hat. Freddy Krueger lädt ein zu einer spannenden und unterhaltsamen jagd auf unschuldige Teenager und schafft trotz inhaltlicher Mängel und einigen schauspielerischen Fehlzündungen einen unbestrittenen Horrorklassiker.
8/10