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Eigentlich ist Fred Krueger eine jämmerliche Witzfigur: Mit einem miesen Job in einem Kraftwerk abgestraft und einem lächerlichen rot-grün-gestreiften Pullover am Leib, vergreift er sich vorzugsweise an wehrlose Kinder. Das Grauenvolle ist nur: Er holt sich seine Opfer dort, wo sie scheinbar am sichersten sind - nämlich in ihren Träumen. Die wohlige Wärme des heimischen Bettchens wird gegen die Hitze des Fegefeuers eingetauscht, alltägliche Gegenstände wie die Badewanne werden zur tödlichen Falle umfunktioniert. Und obendrein spielt "Nightmare - Mörderische Träume" mit der universellen Angst vor dunklen Kellergewölben. Eine fiese Masche, die immer wieder, hier aber besonders gut, funktioniert.

Vor allem, weil hier mit vergleichsweise wenig Geld großes Kino geschaffen wurde. Die Auftaktszene, in der sich Freddys erstes Opfer die Decke hochwindet, ist ja geradezu legendär. Sensationell ist auch die Blutfontäne, die aus einem Bett emporschießt und mit einem simplen wie raffinierten Einfall in Szene gesetzt wurde. Einfach mal ein Zimmer auf den Kopf stellen. Das Ergebnis könnte, selbst in einem mehr oder minder kleinen Kasten namens Computer hergestellt, nicht wirkungsvoller sein. Es ist jedenfalls erstaunlich, welches Gespür ein Wes Craven an den Tag legt. Den Blick für die richtige Einstellung hat er stets im Anschlag, dabei ist er doch - nach seiner Erziehung in einem streng baptistischen Elternhaus - erst während seiner Studienzeit richtig mit dem Medium Film in Berührung gekommen. In visueller Hinsicht ist der erste Besuch in der Elm Street schon ein kleines Meisterwerk.

Vom inhaltlichen Standpunkt ist er es allerdings eher weniger. So bahnbrechend die Idee des fleischgewordenen Albtraums auch sein mag, ist sie doch etwas stiefmütterlich umgesetzt. Der andeutete und interessante Erklärungsansatz für Freddys Treiben (der Mythos um die balinesischen Traumdiebe), wird schlicht und ergreifend fallengelassen, auch der Formfehler der örtlichen Polizei, durch den Krueger seine Freiheit wiedererlangt, bevor er von der Nachbarschaft gelyncht und flambiert wird, mag wenig einleuchtend klingen. Immerhin hat der Knilch doch 20 Kinder weggeschlitzt. Und zu guter Letzt wird der Gesamteindruck auch noch durch den Holzhammer-Cliffhanger geschmälert.

Ebenfalls schade: Trotz des spannenden Themas kratzt "Nightmare" kaum am unrühmlichen Image des Slasher-Films. Die Figuren bleiben flach, die Dialoge hängen in einer Endlosschleife fest und die Darsteller kann man bestenfalls als semi-talentiert beschreiben. Wie ein vollends charismafreier Johnny Depp nach diesem farblosen Debüt zum gefeierten Charakterdarsteller aufsteigen konnte, bleibt jedenfalls schleierhaft. Wobei: Wenn man mal von seinen abgedrehten Rollen in "Fear and Loathing in Las Vegas", "Fluch der Karibik" oder "Charlie und die Schokoladenfabrik" absieht, hat sich in seinem Spiel nicht sonderlich viel gewandelt; gelangweilt aus der Wäsche schauen, das kann er auch heute noch ganz famos.

Fazit: Der Ruhm der Freddy-Serie hat nach diesem Auftakt sicherlich seine Berechtigung gefunden, ein Meilenstein des Horrorfilms ist "Nightmare - Mörderische Träume" allerdings nicht. Die guten Einfälle können die plumpen Genre-Standards nur leicht kaschieren. Unterm Strich bleiben kurzweilig-vergnügliche Minuten, die dank ihrer Aufmachung doch recht sehenswert geraten sind. (7/10)

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