Review

Auch wenn ein Überblick über die hier geführten Reviews das implizieren könnte, ist Wes Cravens Klassiker "A Nightmare on Elm Street" keineswegs perfekter Horror, der eine weltweit erfolgreiche Serie aus dem Boden stampfte. "Friday" ist ebenfalls bei den Klassikern angekommen und dennoch weit davon entfernt auch nur ein "guter" Film zu sein. Immerhin, dieses Prädikat hat sich Cravens Film verdient.

Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass 1984 die Prämisse des "Traumkillers" noch frisch und unverbraucht war und das Zielpublikum der Teenager hier endlich etwas näher in ihren Ängsten angesprochen wurden, als mit den zahlreichen gesichtslosen Slashern.
Der Film spielt dann auch geschickt mit der Angst vor dem Einschlafen (rückhaltlos von den Körperfressern genommen), weil im Traum der Mörder wartet.

Craven spielt seine Qualitäten hier gut aus, inszeniert dicht und ruhig, nicht mit Effekten überhäuft und dennoch effektiv. Die Atmosphäre ist düster und nicht selten phantasievoll verfremdend, wobei der Bodycount erfreulich niedrig bleibt (lediglich vier Tote insgesamt), aber dennoch recht eingängig inszeniert.
Die Möglichkeiten, die Übergänge von Traum und Realität verwischen zu lassen, lotet der erste Film noch nicht vollständig aus, das Irritierende und Irrationale der Traumwelten wird in den folgenden Teilen den Hauptreiz ausmachen.
Auch die Sets sind nur wenig gruselig, sondern konzentrieren sich mehr auf die natürlichen Umgebungen, wie Straßen, Gärten oder Heizungskeller. Die abartig surrealen Traumwelten sind hier noch zurückhaltend, wobei diverse Effekte eingeflochten werden, die den Einbruch der Traumwelt in die Realität andeuten.

Bei den "Kills" drückt Craven ordentlich auf die Tube, etwa beim ersten Mord über dem Bett oder die Blutfontäne, in der Johnny Depps Charakter (übrigens ein Debut ohne schauspielerische Qualitäten) verwurstet wird. Zwischendurch wird's aber nicht selten extrem nervtötend, wenn den Teenagern nun auf Teufel komm raus nicht geglaubt wird und minutenlange hysterische Kreischorgien (Showdown!) veranstaltet werden können, ohne daß jemand über 20 mal reagiert. Die Auflösung an sich ist dann noch ein Punkt, der dem Film nicht zur Ehre gereicht, denn der nur kurz erwähnten Methode der Balinesier, den Alpträumen die Kraft zu nehmen, fehlt jeglicher logischer Rückhalt, um tatsächlich wirksam zu sein. Aber dieselben Schwierigkeiten haben auch noch andere Folgen der Reihe.

Über weite Strecken ist der Film aber tatsächlich schön unheimlich, ohne jedoch Meisterschaft zu entwickeln. Vor allem der zurückhaltende Gebrauch des noch recht ernsten Englunds und die mangelnden Fähigkeiten der jugendlichen Darsteller behindern da doch einiges, aber es bleibt doch einer der überzeugensten Teeniehorrorfilme, die auch qualitativ ihren Anspruch halten können.
Also: ein spannender Horrorfilm, der Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Serie wurde, aber kein bahnbrechender Reißer, an den sich noch Generationen für seine Qualitäten erinnern werden. (7/10)

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