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"Baseball bat and Boogeyman" -

Auch nach über 25 Jahren bleibt Wes Cravens "Nightmare On Elm Street" die wohl gelungenste Reflexion über das eigene Genre und über das Wesen des Horrors als solches.

In vielerlei Hinsicht klingt eine Zuordnung in ein spezielles Genre schon fast als Blasphemie, denn der erste Auftritt von Fred Krueger verbirgt hinter seiner Oberfläche weit mehr als bloß einen gelungenen Schocker.
In "Nightmare" überwiegt die entlarvende Gesellschaftssatire, die schwarzhumorige Abrechnung mit der kleinbürgerlichen Kunst der Verdrängung und die daraus resultierende Manifestation der erlogenen Unschuld hinter weißen Gartenzäunen und Rosenhecken.

Cravens Krueger-Figur ist trotz seiner Äußerlichkeit - welche schon damals das popkulturelle Zitat, welches ihr bis heute immer wieder widerfahren ist, nahelegt - weit mehr als eine Epigone der wieder aufkommenden Slasher-Welle; er ist kein maskierter Vollstreckungsgehilfe des Reaktionismus wie Carpenters Michael Myers - Freddy Krueger ist Täter und doch auch immer Opfer; die Heimsuchung der Teenager nur der ausstehende Konter für den an ihm verübten Lynchmord.

So ermöglicht es "Nightmare on Elm Street" auch heute noch, jene Empathie für die jugendlichen Opfer aufzubringen, die in den meisten Slashers bis heute durch Abstinenz glänzt - die Schicksale die ihnen widerfahren sind nicht selbst verschuldet, sondern sie sind das Mittel zu Zweck für Cravens und Kruegers Abrechnung mit der Elterngeneration.

Technisch - und das ist ein Punkt, der bei den oftmals mit Unmengen an billigen Spezialeffekten aufgefüllten Genreproduktionen der Mitt-80er heutzutage Bauchschmerzen bereitet - gibt sich der erste Teil des Krueger-Franchises erstaunlich ordendlich und zeitlos: Die Effekte sind rar, nie auf übermäßigen Bombast getrimmt, sondern sinnvoll mit den jeweiligen Szenen und Schockern verknüpft, und erfüllen ihren Zweck auch heute noch. Ähnliches liese sich über die Gewaltdarstellung sagen, die eher spärlich, dafür aber effektiv eingesetzt wird. Kurzum:  Der Horror in "Nightmare" lebt von seiner Atmosphäre, nicht von seiner Visualisierung.

Auch an diesem Punkt bewies Wes Craven, dass er ein Kenner und Könner seines Faches ist: Sein Film spielt mit den Urängsten vor Dunkelheit und dem Gefühl der Schutzlosigkeit, genauso wie mit dem Gefühl der erdrückenden Ohnmacht - Die Gefahr kommt mit dem Schlaf; einem Grundtrieb des Menschen, dem sich über kurz oder lang niemand widersetzen oder ihn gar lenken kann.
Schon durch diese Finte im Drehbuch erhalten alle nachfolgenden Krueger-Filme mehr Legitimation, als die üblichen Slasher-Franchises, die ihre jeweiligen Realo-Killer ohne narrative Verankerung von Teil zu Teil einfach neu auferstehen lassen.

Ein letzter Punkt, den aufgrund der gewöhnungsbedürftigen und für viele Jüngere leicht surreal anmutenden Optik und Mode der 80er, nicht alle Zuschauer teilen dürften: Die Schauspieler sind authentisch und sehen tatsächlich aus wie Teenager - etwas was man von heutigen Megan-Fox-Klonen in den entsprechenden Produktionen nicht immer behaupten kann.

"A Nightmare on Elm Street" ist ein Klassiker - vielleicht sogar wirklich der beste und tiefgründigste Horrorfilm der neueren Filmgeschichte.

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