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Eine Gestalt mit verunstaltetem Gesicht und Messerklingen an einem Handschuh sucht eine Gruppe Teenager in ihren Träumen heim. Neben Michael Myers und Jason Voorhees gehört Freddy Krueger wohl zu den bekanntesten Figuren des Genres. Ihre filmische Geburt liegt dabei nur wenige Jahre auseinander und so wie bei den anderen Genannten hat auch Freddy seine Trademarks, die man auch schon im ersten Teil der Reihe wiederfindet. Der Hut, der Pullover, das verbrannte Gesicht und natürlich der Messerhandschuh. Die Sprüche kamen erst später dazu, hier agiert er noch als das Monster, das dich in deinen Träumen jagt und nicht mehr erwachen lässt.
Dabei sind die Traumsequenzen gewöhnungsbedürftig realistisch anzusehen, was die Sets und das Drumherum angeht. Am schmalen Budget mag es gelegen haben, letztlich sieht man dieses dem fertigen Film aber nicht wirklich an. Trotz mancher gelungener Effektsequenz verlässt sich Autor und Regisseur Wes Craven nicht so sehr auf das reine Spektakel, wie man es ob der Grundidee vermuten mag. Dafür schafft er durchgehend eine dichte Atmosphäre, die stets bedrohlich wirkt und das Publikum im Zweifel lässt. Wer wacht, wer schläft – verwirrend ist dies zwar nicht (manchmal aber auch nicht logisch), jedoch effektiv konstruiert und ohne langes Federlesen legt der Film von Beginn an mit seiner Idee los.

Durch diese kämpft sich in knackigen neunzig Minuten ein gut aufspielender Cast. Heather Langenkamp als Protagonistin Nancy ist für einen Teenager vielleicht etwas alt, das trifft auf ihre Mitstreiter allerdings auch zu. Trotzdem passt sie in die Rolle und agiert insgesamt ansprechender als manche Genrekollegin in gleicher Situation. Johnny Depp gibt hier sein Filmdebüt, John Saxon den Polizeivater und ein gewisser Robert Barton Englund wurde hier als übernatürlicher Killer bekannt. Die Rolle ist untrennbar mit ihm verbunden, wobei seine Einsätze hier noch reduziert wirken.
Wie beim Kollegen „Halloween“ (1978) hat auch „Nightmare“ eine markante Melodie im Gepäck, die neben dem bekannten Kinderreim das akustische Wiedererkennungsmerkmal der Reihe ist. Ansonsten ist der Score eine zeitweise gelungene Untermalung, aber ohne Höhepunkte und in seinen poppigen Ausflügen während mancher Actionsequenz sogar eher unpassend gewählt. Immerhin bleibt er dabei meist im Hintergrund, sodass es nicht allzu störend auffällt.

Ebenso wenig stört der Einsatz von Kunstblut und ist der Erstling auch nicht übermäßig hart, so bekommt man schon den einen oder anderen Liter zu sehen. Was so gesehen fasziniert, als dass man hier nicht von einem Splatterfilm sprechen kann. „Nightmare“ funktioniert auf anderen Ebenen, ist eher auf seine Atmosphäre bedacht und (so man dies sehen will) manche Verarbeitung des Erwachsenwerdens inklusive der Bürde eines Erbes, auferlegt von der Vorgängergeneration. Die Idee und die Umsetzung, die Bedrohung aus dem Traum; es ist so leicht nachvollziehbar und daher so wirkungsvoll. So dient der Schlaf einerseits zur Erholung, andererseits ist man ob des Zustands auch dermaßen verwundbar. Craven nutzt dieses alle betreffende Thema für seine Idee und trifft damit einen Nerv. Bemerkenswert ist es somit auch, wie er diesem zum Zeitpunkt der Erscheinens schon etwas ausgelutschten Subgenres mit dieser Thematik noch einmal einen innovativen Impuls geben konnte. Es ging eben nicht einfach um einen weiteren maskierten Typen mit oder ohne Maske, der herumvögelnde und / oder Drogen konsumierende Teenager meuchelt.
So kann er mit seinem Grundkonzept überzeugen, wie auch mit bestimmten Szenen. Wenn Tina die Wand hoch- und die Decke entlanggleitet, dann sieht das immer noch eindrucksvoll aus. Der Vorteil, wenn man etwas real dreht, statt sich auf Bilder aus dem Rechner zu verlassen. Vielleicht ist da Nostalgie im Spiel, vielleicht aber auch nur die Liebe zu praktischen Effekten.

Die Geburt einer weiteren klassischen Ikone des Horrorfilms. Wes Craven erschuf mit „A Nightmare on Elm Street“ eine der Kultreihen des Slashers und mit Freddy Krueger eine ebensolche Figur. Der Erstling zeigt sich dabei noch recht ernsthaft, kommt (fast) ohne die flapsigen Sprüche und den Drang, besonders illustre Kills liefern zu müssen, aus. Atmosphärisch stark und mit einem guten Cast bestückt bietet Craven hier einen gelungenen Genrefilm, einen ebensolchen Auftakt zu dieser Filmreihe - zu dem Stoff, aus dem die Albträume sind.

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