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Sechs Jahre nach dem Welterfolg von "Halloween" war das neu erschaffene Genre des Teenie-Slashers durch aberdutzende billige Machwerke bereits weitgehend ausgelutscht. Aus dieser Masse an kruden und meist unoriginellen Machwerken sticht dieser Klassiker von Genre-Altmeister Wes Craven mehr als nur hervor – der untote und entstellte Traumdämon Freddy Krueger hat sich bis heute tief ins kulturelle Gedächtnis eines jeden halbwegs im Horrorbereich gebildeten Publikums eingebrannt und zog diverse Fortsetzungen, eine Serie, ein Remake und ein Crossover nach sich. Was seinen künstlerischen und finanziellen Erfolg angeht, kann er sich problemlos mit anderen Genre-Klassikern wie „Freitag, der 13.“ oder eben „Halloween“ messen.

Dieser enorme Erfolg dürfte vor allem an der Hauptfigur selbst liegen: Wie später auch so genial in „Scream“, stellt Craven schon hier mit Krueger die bis dahin etablierten Regeln für Slasher-Killer virtuos auf den Kopf: Im Gegensatz zu den allermeisten seiner Schlitzer-Kollegen darf Krueger reden; seine Backgroundstory bricht das Tabu der Gewalt gegen Kinder; auch hat er keine Maske auf, sondern präsentiert sein dämonenhaft verbranntes Gesicht (herrlich ironisch wird dieses Detail dargestellt, wenn eines seiner Opfer im Todeskampf nach seinem Gesicht greift und anstatt einer Maske einfach seine Gesichtshaut herunterzieht); und er ist zwar untot wie Jason, verfolgt seine Opfer aber in ihren Träumen, was ein grandioses Spiel mit surrealen Effekten und traumwandlerischer Atmosphäre möglich macht.

Auch diese Inszenierung trägt erheblich zum Gelingen des Films bei. Schon von der Vorspannszene an macht „A nightmare on Elm Street“ deutlich, dass hier jederzeit alles passieren kann – schließlich ist in Träumen alles möglich. Und so jagt Freddy seine Opfer mit absurd langen Armen, springt hinter viel zu dünnen Bäumen hervor oder hackt sich zum Vergnügen ein paar Finger ab. Dass die Übergänge zwischen Wachsein und Traum oft nicht markiert werden und auch einige leicht verzerrte Effekte in eigentlich realen Momenten auftreten (etwa die mit Weichzeichner versehenen Mädchen, die beim Seilspringen Freddys Lied singen), verleiht dem Geschehen eine durchgehend düster-befremdliche Atmosphäre, die dem psychischen Abgleiten des Final Girl Nancy (Heather Langenkamp in ihrer wohl berühmtesten Rolle) eine so dichte Intensität verleiht, dass auch die Zuschauenden immer stärker ins Albtraumhafte ihrer Welt abzugleiten meinen.

Möglich gemacht wird das alles durch grandiose handgemachte und mechanische Effekte. Von kleinen Momenten wie eben Freddy, der hinter einem dürren Bäumchen hervorspringt, bis zum beeindruckenden Höhepunkt des Films, der Blutfontäne aus einem Bett, zeigt die Crew des Films, wie man mit guten handwerklichen Ideen ganz ohne Computereffekte und mit vergleichsweise wenig Geld eine phänomenale visuelle Achterbahnfahrt kreieren kann. Selbst Jahrzehnte später können die meisten Effekte noch restlos begeistern. Verstärkt wird das durch eine gekonnte Inszenierung, die düstere Settings – heruntergekommene Industriehallen, Heizungskeller oder nächtliche Gassen – mit einer Soundkulisse unterlegt, die allein schon für Gänsehaut sorgen kann: blökende Lämmer, Kinderschreien, das Kreischen von Freddys Krallen auf Metall wechseln sich ab mit einem 80er-Synthie-Rock-Score zum Niederknien. Nicht zu vergessen die legendäre Erkennungsmelodie des Films, die immer wieder in das gruselige Freddy-Lied abgleitet.

„A nightmare on Elm Street“ ist also nicht ohne Grund einer der ganz großen Klassiker der 80er-US-Slasher-Welle. Die brillante Inszenierung, die bis in kleinste Details originelle und verstörende Ideen bietet (das Zungentelefon!), hält beinahe durchgehend bei Laune und überspielt jede Schwäche problemlos – etwa die Tatsache, dass der Story inhaltlich und dramaturgisch vor allem im Schlussteil weitestgehend die Luft ausgeht: Neben allerhand absurd unglaubwürdigen Entwicklungen scheint man sich einfach nicht für eine Schlussvariante entschieden haben zu können – also werden hier einfach völlig abgedreht drei verschiedene Abschlussmomente aneinandergepappt; einer davon absurder und unlogischer als der andere. Auch zeigen Dialoge und Verhalten der Erwachsenen vor allem irrwitzig überzogene Klischees anstatt halbwegs glaubhafte Momente. Außerdem fällt auf, dass man sich scheinbar so sehr auf die surrealen Effekte konzentrierte, dass für nennenswerten Splatter kaum Platz blieb; nur drei Tote, und das trotz viel Kunstbluteinsatz eher wenig brutal, sind für so einen Slasher schon überschaubar.

Das alles wird jedoch von der sympathischen Besetzung (immerhin der blutjunge Johnny Depp in seiner ersten Filmrolle; und selbstverständlich Robert Englund in der Rolle, die ihn berühmt machte, auch wenn er hier noch etwas zurückhaltend bleibt), der gekonnten düster-intensiven Inszenierung und beeindruckenden Spezialeffekten überdeckt. Wer sich fürs Horror-Genre interessiert, kommt an diesem legendären Überklassiker nicht vorbei – und angesichts des ungeheuren Unterhaltungsfaktors: Warum sollte man?

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