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Ähnlich wie Bruce Willis in „16 Blocks“ und in geringerem Maße Tom Cruise in „Mission: Impossible – 3“ spielt Harrison Ford in „Firewall“ eine Rolle, die sich mit dem fortgeschrittenen Alter des Actionstars beschäftigt.
Jack Stanfield (Harrison Ford) ist Elektronikexperte bei einer Bank, hat zu Hause eine liebende Ehefrau und zwei Kinder. Geldsorgen hat die Familie nicht und lebt stattdessen ganz putzig den American Dream. Jack hat das Leben wunderbar im Griff, nicht mal als ihm Hacker elektronisch Wettschulden an die Hacken zaubern. In eine derart überzuckerte Idylle müssen nun nur noch die Bösewichte eindringen, damit sich Jack auch außerhalb des Alltags als wahrer Mr. Family erweisen kann.
Nicht nur die angeblichen Spielschulden, sondern auch der Vorspann zeigen bereits, dass das Unheil kurz bevor steht: Kameras beobachten Jack, seine Frau Beth (Virginia Madsen) sowie die beiden Kinder rund um die Uhr und merken sich familiäre Rituale – wie z.B. den Pizzatag. An diesem Tag sind Mutter und Kinder garantiert im Haus und können von einer Bande Kidnapper überwältigt werden, während Daddy noch beim Geschäftsmeeting sitzt. Sicher nichts neues, aber immerhin eine routinierte und halbwegs glaubwürdige Umsetzung bekannter Topoi.

Als Jack nach Hause will, offenbart der vermeintliche Geschäftspartner Bill Cox (Paul Bettany) sein wahres Gesicht: Er ist der Chef der Kidnapper. Wenn Jack tut, was er sagt und ihm hilft das elektronische Sicherheitssystem der Bank zu umgehen, dann passiert seinen Lieben nichts…
„Firewall“ ist kein Überflieger, aber solider Genrefilm im Bereich des Entführungsthrillers, der Werke wie „24 Stunden Angst“ hinter sich lässt. Schön ist vor allem die Tatsache, dass man elektronisches Fachchinesisch (welches in solchen Filmen ja teilweise fiktives Gefasel ist), auf ein Minimum zurückgefahren hat und sich stattdessen auf die Entführungshandlung konzentriert, die langsam, aber sehr stilsicher anläuft. Anfangs scheinen die Kidnapper übermächtig, haben jeden Schachzug Jacks im Voraus geplant und Cox vereitelt mit herrlich fieser Miene jedweden Rettungsplan des Sicherheitsexperten, wodurch „Firewall“ einige Spannung aufbauen. Auch die Charaktere wie Jacks Sekretärin Janet Stone (Mary Lynn Rajskub) und der in sie verliebte Büroangestellte verleihen „Firewall“ Leben.
Gleichzeitig muss man aber auch festhalten, dass „Firewall“ nicht mehr als Genrestandards erfüllt. So verhaspeln sich die Anführer nach anfänglicher Professionalität in Hälfte zwei in einige unschöne Fehler aufgrund derer das Happy End dann doch sicher ist. Zudem ist „Firewall“ viel zu extrem darauf bedacht möglichst jeden Zuschauer unbeschwert nach Hause zu schicken: Cox droht der Familie immer wieder Gewalt an, lässt sich aber nur einmal dazu hinreißen, wirklich etwas zu tun und dies ist dann trotz einiger Häme des Bösewichts vergleichsweise harmlos im Gegensatz zu Drohungen dem kleinen Sohn das Knie zu brechen usw.

Auch auf Actionseite präsentiert „Firewall“ in erster Linie Standard, doch Harrison Ford muss sich seinem Alter angemessener verhalten als in Werken wie „Air Force One“ oder „Hollywood Cops“. Nur wenige Bösewichter bringt er um die Ecke, das ist dann auch ein Stück Arbeit für den gealterten Mann, doch sieht nett aus. Große Schauwerte darf man abgesehen von einer netten Explosion nicht erwarten, doch die wenigen Auseinandersetzungen sind immerhin noch Old School, bieten Blut, Schweiß und Tränen und wissen so zu gefallen.
Als Übervater mit Technikwissen spielt Ford zwar trotz Alterserscheinungen mal wieder seine Standardrolle, etwas glaubwürdiger als in den letzten Jahren, aber nicht überragend. Virginia Madsen als Gattin ist OK, während Paul Bettany als hämischer Fiesling zu Höchstform aufläuft. Eine wirklich große Überraschung ist die famose Leistung von „24“-Darstellerin Mary Lynn Rajskub, während Robert Patrick und Robert Forster aufgrund von geringer Screentime nicht so recht zur Geltung kommen.

„Firewall“ erfindet den Erführungsthriller nicht neu, doch trotz einiger Hänger in der zweiten Hälfte bekommt man solide Genreunterhaltung geboten, die selten wirklich begeistert und selten langweilt. Ordentlich und im aktuellen Kinojahr besser als groß angekündigte, aber enttäuschende Werke wie „V for Vendetta“ oder „Inside Man“.

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