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Auch wenn man es nicht verhindern kann, naht die Zeit, dass unsere einstigen Kinohelden in das Alter kommen, in denen man ihnen den knallharten Rambo-Typ nicht mehr abnimmt. Clint Eastwood hat noch das Beste daraus gemacht und setzt daher sein Talent nun vermehrt im Regiebereich ein. Sylvester Stallone und Bruce Willis wollen es im Gegensatz mit Neuauflagen von ihren Erfolgsfilmen nochmal wissen, und Arnold Schwarzenegger ist immer noch in politischen Gefilden abgetaucht. Was macht der Rest? B- & C-Stars wie Jean Claude Van Damme, Dolph Lundgren und Steven Seagal bessern ihre Rente in regelmäßigen Abständen mit DTV-Veröffentlichungen auf, während Mel Gibson nach seiner nächsten cineastischen Offenbarung sucht. Bleibt eigentlich nur noch Harrison Ford übrig. Da bisher aus dem geplanten vierten Indiana Jones-Abenteuer noch nichts geworden ist, muss er sich wohl oder übel anderweitig als Action-Recke im fortgeschrittenen Alter profilieren. Leider sorgen eine im Actionsektor unerfahrene Regie und ein recht zahmes Pseudo-Thriller-Skript von einem Drehbuch dafür, dass das Vorhaben, es dem Publikum nochmal beweisen zu wollen, ein regelrechter Schuss in den Ofen wurde.

Der Computersicherheitsexperte Jack Stanfield (Harrison Ford) hat einen Spitzenjob bei einer Bankkette in Seattle und genießt den Ruf, das einbruchsicherste Computersystem der Branche entwickelt zu haben. Zudem lebt Jack mit seiner Frau (Virginia Madsen) und den beiden Kindern in einem wunderschönen Anwesen am Meer. Doch diese Idylle wird jäh gestört, als der Berufskriminelle Bill Cox (Paul Bettany) mit seinen Handlangern in das Haus der Stanfields einfällt und Frau und Kinder als Geiseln nimmt. Die Forderung: Jack soll 100 Millionen Dollar auf ein Auslandskonto umleiten.

Der Gesichtausdruck lässt mutmaßen, dass Harrison Ford (Vertrauter Feind) während den Dreharbeiten irgendwie mit der Gesamtsituation unzufrieden war. Vermutlich wusste er schon vor Drehende, was das für ein lahmes Filmchen werden würde, und ärgerte sich, auf's falsche Pferd gesetzt zu haben. Anders kann ich mir jedenfalls den stets angepisst wirkenden Gesichtsausdruck von Ford nicht erklären. Zwar schlägt er sich ansonsten ganz solide durch dieses dubiose Szenario, auch wenn er als Sesselfurzer, der tagtäglich Zahlencodes in die Tastatur knallt, nicht recht glaubhaft wirken will. Vom ehemaligen Space-Outlaw, Replikanten-Terminator und Schatzsucher ist allerdings auch nicht mehr viel übrig geblieben. Der lokale Finsterling wird von Paul Bettany (Ritter aus Leidenschaft) verkörpert, der an sich seinen Part recht ordentlich abwickeln kann, aber letztendlich auch unter der unfähigen Regie und dem laienhaften Skript zu leiden hat. Auch Virginia Madsen (Highlander 2) macht ihre Sache gut, wenngleich sie hinter Bettany zurück bleibt. Das Beste aus ihrer Situation macht da noch 24-Chloe-Darstellerin Mary Lynn Rajskub (Road Trip), die als Jacks Assistentin und spätere Verbündete glänzen kann und somit noch am glaubhaftesten vom Cast rüber kommt. Hingegen bleiben Robert Patrick (The Marine) und Robert Forster (Mulholland Drive) aufgrund weniger Screentime recht farblos und unterbeschäftigt.

Irgendwie scheinen überclevere Profi-Gangster mit einem todsicheren Masterplan und reichlich Gunpower stets die Arschkarte gezogen zu haben. Zwar sind sie meistens jung, motiviert und überlassen nix dem Zufall, haben aber nie mit dem amerikanischen Familienmenschen gerechnet, der ihnen die Suppe jedes Mal kräftig versalzen kann. So auch in Firewall, dessen Szenario nicht nur überholt ist, sondern ein Jahr vorher schon mit Hostage wesentlich besser umgesetzt wurde. So verläuft sich der anfangs noch vielversprechende Streifen recht zügig zu einer handzahmen und langweiligen Alter Herren-Wichsvorlage mit dürftiger Action, dafür mit viel unnützem Hightech-Nonsens. 

Denn die Action ist wirklich rar gesäht und findet überwiegend nur im Finale ihren kurzlebigen Einsatz. Hier kloppen sich Stanfield und Cox durch die Wände einer Bretterbude, bis mit einem hieb- und stichfestem Argument das dürftige Action-Overkill endet. Unnötigerweise musste dafür auch noch ein Auto in einer unlogischen Sequenz explodieren, damit Firewall wenigstens noch annähernd wie ein Action-Thriller ausschaut. Ansonsten kann man die Action hier komplett vergessen, da Regisseur Richard Loncraine (Wimbledon) nicht nur im Actiongenre nix zu suchen hat, sondern auch vergeblich um einen künstlichen Spannungaufbau bemüht ist. Stellenweise gelingt ihm das zwar, aber den Film retten tut es nicht. Zwar haben die Gangster wie schon erwähnt viele bleihaltige Druckmittel dabei, setzten diese aber kaum ein. Jack selber wird neben dem Showdown nur mal kurz handgreiflich, als er seinem Mörder eine Kaffekanne über den Schädel donnert. Also einfallsloser und langweiliger kann man einen Schurken nicht beseitigen.

Da hier die finale Action nur dafür erhalten darf, um das ansonsten lahmarschige Szenario zu kaschieren, ist man im restlichen Handlungsverlauf um Thrill und Unterhaltung bemüht. Das klappt daher nicht, weil das Szenario nicht nur schon zigfach und oftmals besser (Hostage, 24 Stunden Angst, Final Call) durchgeleiert wurde, sondern auch mit dem unnötigen Hightech-Firlefanz um das von Jack entwickelte Sicherheitssystem vieles irgendwie aufgesetzt wirkt. Hinzu kommt noch der wohl größte Feind aller Action- und Thriller-Szenarien: die Logik! Denn die geht hier hin und wieder stiften. Cox und seine Gangsterbande geben sich anfangs noch mordsmäßig professionell, sichern das Haus und entfernen als Waffen brauchbare Haushaltsgegenstände, machen dann aber den saudummen Fehler und lassen die Stanfield-Sippe frei im Haus rumlatschen, damit diese auch allerlei Möglichkeiten zur Flucht haben. Der aberwitzigste und beknackteste Einfall überhaupt ist allerdings die Standortermittlung der Familie via Hundehalsband-Sender. Zudem versucht man Cox als den eiskaltesten Motherfucker überhaupt unter den Film-Gangstern zu profilieren, wird dem Ruf aber nur an zwei kurzen Stellen gerecht. Erstere ist noch recht brauchbar, wo er dem Bengel den lebenswichtigen Inhalator vorenthält, um auf Jack Druck zu machen, und Zweitere kommt da schon was klischeehafter daher, als Cox einen unfähigen Komplizen nach guter alter Genre-Regel ins Nirvana befördert. Handlungstechnisch nicht nur verstaubt, sondern auch regelrecht langweilig entpuppen sich dann sämtliche Büro-Szenen und Rettungsversuche seitens Jack. Immerhin kommt etwas Spannung auf, nachdem Jack sich mit seiner Assistentin verbünden und mit ihr seine Familie finden kann. Nach getaner Schurkenbeseitigung latsch Jack dann als Super-Daddy und -Ehegatte in Person seiner Assistentin nebst Familienköter und einem kotzüblem Happy Family End entgegen.

Wenngleich Paul Bettany und Mary Lynn Rajskub einige Kohlen aus dem Feuer holen können, schaffen sie es aber kaum, Firewall vor dem kompletten Systemabsturz zu bewahren. Das Szenario ist nämlich nicht nur langweilig, sondern stürzt sich mit dem aufgesetzten Action-Showdown noch megamäßig in die Unglaubwürdigkeit. Denn schließlich werden brave Familien-Papis ja immer zu unhaltbaren Ein-Mann-Armeen, wenn ein paar Gangster ihre Familien in der Gewalt haben. Nee, Leute... da rate ich doch eher zu Hostage, wo ein ähnliches Szenario um einiges ansprechender inszeniert wurde. Leid tut es mir nur um Harrison Ford, da der Mann einfach einen besseren Film verdient hätte.  

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