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Daß sich Harrison Ford nach der Jahrtausendwende mit zunehmendem Alter immer rarer in den Kinos gemacht hat, ist ihm nicht anzukreiden, schließlich ist der Mann so langsam in die Jahre gekommen und wird offenbar nicht von dem Schauspielereifluch eines Dustin Hoffman verfolgt, der nach jahrzehntelangen Hauptrollen dazu übergegangen ist, kleine und künstlerische Filme mit seiner Anwesenheit zu veredeln.
Ford blieb bei Hauptrollen – und einer wesentlich jüngeren Frau – und gab sich seltener die Ehre – doch das Image zwischen Abenteurer und Everyman blieb an ihm haften und er wollte es offenbar auch fördern. Doch nach „Schatten der Wahrheit“ blieben die Erfolge aus und „K-19“ sowie „Hollywood Cops“ waren veritable Boxoffice-Bomben, von denen man sich nur schwerlich erholt.

Mit „Firewall“ befand er sich wieder auf scheinbar sicherem Terrain: der Familienvater in der aussichtslosen Situation, seine Familie vor Entführern bzw. Erpressern bewahren zu müssen, was insofern schwer fällt, weil er selbst nur ein nicht-kampferprobter Computerexperte ist. Der Everyman, der über sich hinaus wächst, war wieder mal gefragt, was eine deutlich sicherere Bank war, als das was Michael Douglas mit „Sentinel“ versucht hatte, nämlich eine Rolle oberhalb des biologischen Alters zu spielen.

Nummer Sicher ist zwar gut, aber bei „Firewall“ leidet der ganze Film ein wenig unter diesem Sicherheitsbedenken: alles scheint schon mal dagewesen zu sein, alles ist, relativ gesehen, Mittelmaß.
Die Gruppe geldinteressierter Bösewichte, die Ford und seine Familie in ihrer Gewalt hält, muß natürlich bösartig sein, aber überwindbar, aber da Ford keinen Kämpfer darstellte, brauchte man einige Kniffe, um das trotzdem irgendwie zu regeln und so griff man zu dem alten Mittel der Selbstdezimierung, schlußendlich muß nur der Hauptschurke per Hand bezwungen werden. Alles weitere ist Zufall, Affekt oder basiert auf Maßregelung unter Kriminellen.

Trotzdem bleibt der Film ungewöhnlich unaufregend, zwar ordentlich durchdacht, aber dramaturgisch auf der Stelle tretend. Zu theoretisch ist das Terrain, auf dem wir uns befinden und zu wenig Dramatik kann aus einer Massenüberweisung von begüterten Konten gefiltert werden, die meiste Laufzeit wird mit den (logischerweise) erfolglosen Kontaktaufnahmen oder Tricks Fords verplempert oder geht mit dem Suspense, zwischen Entführern und Verdächtigungen im Büro zu stehen, drauf. Einiges an Ideen erinnert an TV-Serien wie „24“, was noch auffälliger ist, wenn Fords Sekretärin von Mary Lynn Rayskub gespielt wird, die in „24“ die Chloe O’Brien gibt, Jack Bauers Computerspezialistin.

Bis sich Ford schließlich in diesem Film wehren darf, vergeht einfach zu viel Zeit, schließlich geht auch noch Stoff für die Entdeckung des Schemas drauf, wie der Raub Ford angelastet werden soll, weswegen nobel besetzte Nebenrollen wie die von Alan Arkin, Robert Patrick und Robert Forster wie ertragsarme Gastauftritte aussehen.

Und schlußendlich muß ein PC-Spezialist natürlich seine ureigensten Talente einsetzen, um die Bösen zu stoppen, doch das fällt einfach zu kurz und knapp aus, um dann in einen forcierten Actionshowdown zu steuern, der ziemlich überhastet wirkt – da nützt auch eine gute Leistung von Oberbösewicht Paul Bettany als leiser Killer wenig. Das alles betont leider nur, daß Harrison Ford langsam alt geworden ist und dieses Vehikel mehr oder weniger seinen Bedürfnissen angepaßt wurde. Natürlich spielt er emotional wie üblich um sein Leben, aber man hatte das alles von ihm schon viel besser und würde man ihn aus dem Film entfernen, hätte man ein praktikables TV-Movie oder eine DVD-Premiere.
Solide gemacht, aber weitestgehend unaufregend. Mittelmaß dann auch an der Kinokasse – überraschen kann das keinen. (5/10)

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