Review
von Alex Kiensch
Aus dem klassischen amerikanischen Horror- und Science-Fiction-Kino der 50er- und 60er-Jahre ist der Name Jack Arnold nicht wegzudenken. Mit berühmten Klassikern wie "Tarantula" oder "Der Schrecken vom Amazonas" schuf er legendäre Beiträge zum damals populären Genre. Mit der Verfilmung eines Romans von Richard Matheson gelang ihm ein weiterer großer Wurf. Die Story erzählt von einem ganz durchschnittlichen Amerikaner, Scott Carey, der eines Tages einer mysteriösen Strahlenwolke ausgesetzt wird - und unaufhaltsam zu schrumpfen beginnt. Die Medien verfolgen die unglaubliche Geschichte und machen ihn zur berühmten Freak-Figur. Schließlich ist er so winzig, dass er in sein eigenes Puppenhaus einziehen kann. In dieser nun überdimensionalen Welt drohen ihm tausenderlei Gefahren.
"Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" ist einer der besten Science-Fiction-Filme seiner Ära. Nicht nur agieren die Schauspieler weit über dem Niveau, das die meisten eher trashigen Genre-Vertreter dieser Zeit zu bieten haben. Vor allem die Inszenierung ist ein Glanzpunkt in der populären Science-Fiction-Welle: Mit einfachsten Mitteln erreicht Arnold hier eine nachhaltige Verschiebung unserer Wahrnehmung. Verzerrte Perspektiven, einkopierte Bilder und überdimensionale Requisiten erzeugen den Eindruck, es tatsächlich mit einem winzigen Menschen zu tun zu haben. Auch wenn die Tricks nicht auf dem Niveau moderner Computertechnologie rangieren, erzielen sie doch ihre Wirkung voll und ganz, was auch dem Prinzip der Steigerung zu verdanken ist: Erst sind Careys Hemden und Hosen ein paar Nummern zu groß; dann kann er kaum noch über die Kante seines Couchtisches schauen; und schließlich werden Nähnadeln und Streichholzschachteln zu riesigen Gegenständen. Das ausgefeilte, detailverliebte Setting und klug eingesetzte Tricks verleihen dem Geschehen absolute visuelle Glaubwürdigkeit.
Von dieser technischen Professionalität abgesehen, ist Arnold auch ein versierter Spannungserzeuger. Wenn Carey schließlich auf Däumlingsgröße geschrumpft ist, werden ganz gewöhnliche Dinge wie seine eigene Katze zu gefährlichen Monstren. Seine Flucht vor der fauchenden Katze ist ein Meisterstück an dramatischer Spannung. Und der finale Kampf mit einer Spinne hat eine ganze Generation kreischen lassen und sorgt auch heute noch für erhöhten Blutdruck. So leitet sich die Spannung meistens aus der Perspektivverschiebung der Hauptfigur ab: Eine gewöhnliche Kellertreppe erscheint als unüberwindbares Gebirge und der Spalt zwischen zwei Holzlatten einer Kiste ist ein gähnender, tödlicher Abgrund. Auch wenn die Geschichte geradlinig und simpel erzählt wird, versteckt sich hier unter der Oberfläche eine naive, recht gefühlvolle Parabel über die Beschwerden, die der ganz gewöhnliche Alltag für behinderte oder irgendwie "andersartige" Menschen bereit hält. Das ist eine für seine Zeit recht moderne Symbolik, die noch dazu durch einige ironische Spitzen untermauert wird: Carey wird letztlich nur von der Strahlenwolke erfasst, weil er als typischer Amerikaner seine Frau Bier holen geschickt hat.
Mit furiosen Effekten, die oft faszinierende neue Perspektiven auf alltägliche Gegenstände eröffnen, intensiven Spannungsszenen und einer glaubhaft entwickelten Story ist "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" ein kleiner Genre-Klassiker - der am Ende sogar mit einer sehr poetischen Einsicht über die Schönheit allen Seins schließt. Ein Science-Fiction-Abenteuer mit Niveau!