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Mit Shinobi präsentiert uns Japan einen Mix aus Fantasy und Lovestory, im Gewand eines klassischen Martial Arts Epos. Üblicherweise kommen solche Filme vorrangig aus China und Korea, doch nun scheinen auch die Japaner in diesem populären Genre mitmischen zu wollen. Der Film basiert auf der Novelle „Kouga Ninpou Cho“ von Futaro Yamada, die auch schon in einer Anime Serie adaptiert wurde.

Angesiedelt ist Shinobi in der Tokugawa-Dynastie Japans im 17. Jahrhundert. Zu jener Zeit herrscht Frieden im Reich, was die Shinobi für den Shogun Tokugawa überflüssig macht. Eben diese Shinobi sind Ninja Krieger mit besonderen Fähigkeiten, die sie vom einfachen Soldaten unterscheiden. In der Abgeschiedenheit der Berge werden diese speziellen Künste seit Jahrhunderten weitergegeben, was sie für Tokugawa zu einen nicht kalkulierbaren Risiko macht.
Die befeindeten Clans der Oboro und Koga werden daher zu einem Wettstreit geladen um ihre Kräfte zu demonstrieren. In Wirklichkeit plant der Shogun aber die beiden Clans auszuräuchern, indem sie in einem Kampf mit ihren jeweils fünf besten Kriegern gegeneinander antreten. Weder der Shogun noch die Clanführer ahnen dass zwei ihrer besten Kämpfer eine heimliche Liebesbeziehung führen und im bevorstehenden Duell gegeneinander um Leben und Tod kämpfen sollen…

Regisseur Ten Shimoyama legt für seine Interpretation des Stoffes das Hauptaugenmerk auf die Liebesgeschichte und nicht so sehr auf die blutigen Auseinandersetzungen der verfeindeten Clans. Diese Lovestory erzählt wie in Shakespeares Romeo & Julia von zwei Liebenden, die durch den Konflikt der beiden rivalisierenden Clans nicht zueinander finden. Natürlich wird dabei nicht auf den nötigen Schmalz und Kitsch verzichtet und auch das obligatorische tragische Finale darf natürlich nicht fehlen. Trotzdem wird der Film gerade durch den Konflikt der beiden Hauptdarsteller aus Loyalität dem Clan gegenüber und der Gefühle zueinander interessant gehalten und entschädigt etwas für die unbefriedigende Actionkomponente. Besonders Yukie Nakama bleibt als Oboro auffällig in Erinnerung und das nicht nur wegen ihres bezaubernden Äußeren.
Interessant ist auch die Einbettung geschichtlicher Fakten in die zugegebener Maßen sehr fiktive Handlung, so taucht beispielsweise ein gewisser Hattori Hanzo als Berater des Shoguns auf. Dennoch ist unschwer zu erkennen das hier ein Anime als Vorlage diente, besonders die Umsetzung der Actionszenen bedient sich einiger stilistischer Mittel die eher in Animes Verwendung finden. Hier liegt auch das Hauptproblem des Films, denn Shinobi kann sich nicht entscheiden ob er ein klassisches Martial Arts Epos oder doch eher eine Comicverfilmung sein will.

Auf der Habenseite kann Shinobi einen Rausch aus Farben und Bildern vorweisen, der mit malerisch schönen Landschaften und langen Kamerafahrten aufwartet. Gewaltige Tempelanlagen, die üppige Fauna Japans und traumhafte Einstellungen wie Sonnenuntergänge verwöhnen mit ihrer herausragenden Optik. In diesem Punkt steht Shinobi dem chinesischen Referenzwerk Hero in nichts nach, leider fehlt es an der Konsequenz dies über den ganzen Film durchzuziehen.
Die schnellen Actionszenen brechen mit diesem Stil und passen daher inhaltlich und optisch nicht zum Rest des Films. Anime- und Comicliebhaber wird es freuen, denn die zahlreichen Auseinandersetzungen der beiden verfeindeten Clans muten wie ein Meet and Greet des Marvel Universums an. Am Nächesten liegt wohl der Vergleich zu den X-Men, denn genau wie die Vorbilder aus den USA haben auch die Shinobi vergleichbare übernatürliche Kräfte. So gibt es einen der wie Wolverine Krallen an den Händen hat, einen der die Gestalt seiner besiegten Gegner annehmen kann und andere die mit ihren Blicken töten können. Das ist zwar alles ganz nett, passt jedoch gar nicht zum ansonsten sehr ruhig erzählten Stil des Films. Persönlich kann man zu den übertriebenen Scharmützeln stehen wie man will, wer seriöse Kämpfe und Martial Arts Action erwartet, wird wohl etwas enttäuscht sein.

Shinobi wird wohl am Ende nur eingefleischte Anime Fans restlos begeistern, von Martial Arts Epen wie House of flying Daggers oder Hero ist der Film jedoch weit entfernt.

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